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Mieterhöhung nach Wärmedämmung
Wärmebedarfsberechnung seit 2002 passé

Ist die Narrenfreiheit nunmehr ausgerufen? Hat der BGH einen Husarenstreich unter dem Aktenzeichen (BGH, VIII ARZ 3/01) veranstaltet, der an Nepp und Lebensfremdheit nicht zu übertreffen ist?

Lässt ein Vermieter umfangreiche Dämmmaßnahmen an seinem Haus durchführen, so muss er seinen Mietern mit der Ankündigung der Mieterhöhung keine Wärmebedarfsrechnung liefern. "Ein konkretes Maß der zu erwartenden Energieersparnis muss nicht dargelegt werden." Nach dem Gesetz muss die Energieeinsparung nur "dauerhaft" eintreten. Das können die Mieter selbst prüfen lassen. Die Mieterhöhung darf elf Prozent der Kosten für die Maßnahme betragen.

Zur Erläuterung einer Mieterhöhungserklärung des Vermieters wegen baulicher Maßnahmen zur Einsparung von Heizenergie im Sinne von MHG § 3 Abs. 3 Satz 2) bedarf es nicht der Beifügung einer Wämebedarfsberechnung.

BGH, Beschluss vom 10. April 2002 - VIII ARZ 3/01
veröffentlicht in NZM aktuell 2002, VII

Stellen Sie sich auch hier wieder die simple Frage: wem nützt es? Übrigens, auch dieses nicht nachvollziehbare Urteil wurde "im Namen des Volkes" gesprochen. Armes Volk.

Juni 2002

Nachsatz 01.2004:
In der Berliner Zeitung erschien eine Meldung in der Rubrik Immobilien zu eben diesem Urteil. Nicht ganz aktuell, aber immerhin interessant, das Aktenzeichen wird hier mit VIII ZR 3/01 angegeben. Wenigstens war etwas mehr erläutert worden: Ein Vermieter eines MFH hatte "umfangreiche Energiesparmaßnahmen" durchführen lassen (Dämmung der Außenwände, neue Heizkörper, Türen und Fenster). Hierfür muss der Vermieter nicht ausrechnen, was an Energie eingespart wird.
Als Laie könnte man nun auf die Idee kommen, dass der BGH damit das Energieeinsparungsgesetz ignoriert, aus welchem das Gebot der Wirtschaftlichkeit zwingend hervor geht. Wenn nämlich die Wirtschaftlichkeit gar nicht erst zu untersuchen und nachzuweisen ist, wird unwirtschaftlichen Maßnahmen Tür und Tor geöffnet.
Lesen Sie: Energieeinsparungsgesetz EnEG - schon vergessen?

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Wärmebedarfsberechnung

... Wenn Gebäude im Ganzen modernisiert und instand gesetzt werden, so wird in der derzeitigen Praxis bezüglich Außendämmung zwischen Gebäuden aus der Gründerzeit und Gebäuden aus der Zeit zwischen 1950 und 1980 unterschieden. Bei Letzteren, sowohl konventioneller Ziegelbau als auch Plattenbau, empfiehlt sich aufgrund der schlechten k-Werte meistens das Anbringen eines Vollwärmeschutzes.

Bei Gebäuden aus der Gründerzeit wird oft darauf verzichtet. Dies liegt zum einen an den dickeren Wänden, zum anderen verbietet sich allein wegen der Ornamentierungen zumindest an den Straßenfassaden eine Thermohaut. Die Wanddicken von Berliner Gründerzeitbauten weisen die damals vorgeschriebenen Mindestmaße zwischen 51 cm im Erdgeschoss und 38 cm in den oberen beiden Geschossen auf. Brandwände und Giebelwände sind jedoch oft nur 25 cm dick. Hier wird in der Regel eine Dämmung von Architekten empfohlen.

Für öffentlich geförderte Modernisierung / lnstandsetzung gilt folgender Standard: Dämmung der obersten Geschossdecke (Dachfußboden), Dämmung der Fensternischen (um eine Wanddicke von 38 cm zu erreichen), Dämmung der Decke der Durchfahrt (wenn kein Stuck vorhanden ist), Dämmung der Kellerdecke (wenn die Kopffreiheit ausreicht), Dämmung von Wänden, die dünner als 38 cm sind. Diese Maßnahmen werden bei öffentlich geförderten umfassenden Modernisierungs- und Instandsetzungsmaßnahmen finanziert.

Bei einer umfassenden Instandsetzung und Modernisierung von Wohnobjekten nehmen die erforderlichen Kosten für Wärmedämmmaßnahmen einen sehr hohen Anteil an den Gesamtkosten ein. Daher resultieren für diese Maßnahmen für Mieter hohe Ankündigungen und Abforderungen von Modernisierungsumlagen (DM/m² im Monat), auch weil meist vermieterseitig die Instandsetzungsanteile möglichst gering gesetzt werden.

Darüber hinaus werden in vielen Ankündigungen und Abrechnungen von Modernisierungsmaßnahmen zu den zu erwartenden Effekten nur allgemeine Aussagen vermittelt wie z.B. "es werden damit erhebliche Einsparungen an Wärmeenergie erreicht' oder es werden nicht nachvollziehbare Angaben wie "60% an Wärme werden weniger verbraucht und Ihre Heizkosten werden sich reduzieren" gemacht.

Die Wärmeschutzverordnung fordert bei größeren Bauarbeiten an bestehenden Gebäuden (als solche zählen auf jeden Fall Wärmedämmmaßnahmen) die Erstellung eines Wärmebedarfsausweises nach § 12 Wärmeschutzverordnung. Die gängige Rechtssprechung ermöglicht dem Vermieter bis zum zwei- bzw. dreifachen (die Rechtslage ist hier unklar) der nachgewiesenen Wärmeenergieeinsparung eine Modernisierungseinlage von den Mietern der entsprechenden Wohneinheit nach Abschluss der Arbeiten abzufordern.

Einige Vermieter teilten bisher mit, dass laut Wärmeschutzverordnung die Berechnungen des Jahresheizwärmebedarfs vor und nach den Wärmedämmmaßnahmen erfolgen und dass die Mieter diese Unterlagen und Berechnungen einsehen könnten. Nur wenige Vermieter nannten konkrete Werte (in DM/m² im Monat).

Unsere Erfahrungen zeigten, dass eine konkrete Prüfung bzw. die Forderung an Vermieter zur Vorlage der Hauptdaten dieser vorgeschriebenen und auf die konkreten Baubedingungen der Wohneinheit bezogenen Berechnungsangaben des Jahresheizwärmebedarfes von sehr großer Bedeutung sind. Nicht wenige Vermieter wurden so veranlasst, konkrete Angaben zu den Effekten der geplanten Wärmedämmaßnahmen und daraus resultierenden möglichen Modernisierungsumlagen-Forderungen an ihre Mieter vorzulegen.

Dabei war und ist es immer wieder interessant, die tatsächlichen (oder abgerechneten) Daten der Betriebskostenentwicklung (DM/m2 im Monat) und des Energieverbrauches (z.B. GJ, kWh) mit den Modernisierungsangaben über die Höhe eingesetzter Energieträger (z.B. GJ mWh) zu vergleichen und daraus Anfragen an die Vermieter zur zukünftigen, kontrollierbaren Entwicklung der Verbrauchsgrößen herauszuarbeiten.

Das MHG mit § 3 Abs. 1 gibt dem Vermieter in Abweichung von allgemeinen Grundsätzen des Vertragsrechts die Möglichkeit, eine Mieterhöhung durch einseitige Erklärung durchzusetzen. Das Gegengewicht zu dieser Befugnis ist die Berechnungs- und Erläuterungspflicht des Vermieters gemäß Abs. 3 der Bestimmung. Hingewiesen sei hier auf die Rechtslage, dass unter "nachhaltigen Energieeinsparungen" - und nur diese können Modernisierungsumlagen nach § 3 MHG nach sich ziehen - eine Energieeinsparung von mindestens 10 % verstanden wird.

Mit dem Rechtsentscheid des Kammergerichtes (Beschluss vom 17.08.2000; 8 RE-Miet 6159/00) wird nun endlich Klarheit für Vermieter und Mieter geschaffen. Als Leitsatz gilt: Der Vermieter, der einen Modernisierungszuschlag nach MHG § 3 Abs. 2 geltend macht, muss in der Mieterhöhungserklärung durch eine Wärmebedarfberechnung darlegen, in welchem Maß sich eine Verringerung des Verbrauchs an Heizenergie ergibt.

Die von Vermietern bereits bei der lnstandsetzungs- / Modernisierungs-Ankündigung bekannt gegebenen Informationen oder eine Einsichtnahme des Mieters in die Wärmebedarfsberechnung vor Beginn der Maßnahmen hat auf die zwingende Begründung im Mieterhöhungsverlangen keinen Einfluss.

Für den mietpreisrechtlichen Modernisierungsbegriff ist entscheidend (OVG Berlin 1987), dass die Wärmedämmung die nach der Wärmebedarfberechnung mögliche Energieeinsparung tatsächlich auch bewirkt. Falschrechnungen der Vermieter könnten evtl. dann später angegriffen werden! Mieter sollten hierzu die Energieeinsparungen kontrollieren, indem in bestimmten Abständen - empfohlen zu Beginn bzw. Ende der Abrechnungsperiode - die Zählerstände (und damit der jeweilige Verbrauch) der Hausanschlussstationen (HAST) abgefragt werden. (In nicht wenigen Fällen gehört die Erfassung der HAST-Werte zu den Arbeitsaufgaben der Hausmeister!)

Nach Abschluss von Wärmedämmmaßnahmen beinhalten diese Verbrauchsgrößen die Effekte aus der Instandsetzung / Modernisierung und dem Mieterverhalten! In der Regel schreiben sich letztere Einflüsse die Vermieter auf ihre Fahnen; eine konkrete Trennung / Nachweisführung der Einflussteile ist nicht möglich bzw. schwer nachweisbar. Zu beachten ist: Der Maßstab ist die Energieeinsparung (in GJ oder mWh od. a.), nicht die Einsparung von Energiekosten oder die Reduzierung von Vorauszahlungen. Exakt zu erfassen und zu prüfen ist in den nächsten Monaten und Jahren das Verhalten der Vermieter beim Ansteigen der Heizölpreise oder anderer Energieträgerkosten.

Joachim Stephan
ME 284/2001, S. 25/26

Kommentar:

Stellen Sie sich auch hier die simple Frage: wem nützt es?

Gehen Sie davon aus, dass die Wärmebedarfsberechnung ein reines Theoretisieren bedeutet. Die ausgewiesenen Einsparungen sind rein fiktive Größen. Mehr aber verlangt der Gesetzgeber nicht!

Sobald Sie die Zustimmung zur Modernisierungsankündigung unterschrieben haben, werden jährlich die 11% Modernisierungsumlage fällig - solange Sie dort wohnen. Völlig uninteressant ist, ob eine Einsparung überhaupt eintritt.

Selbst wenn Sie sich völlig sicher sind, dass überhaupt keine Einsparung erzielt wird, stehen Sie allein im Regen. Weil Sie es nie beweisen können. Der Vermieter wird abweichende Werte darauf zurückführen, dass Sie "falsch heizen und lüften".

Insofern relativiert sich der oben gegebene Hoffnungsschimmer: "Falschrechnungen der Vermieter könnten evtl. dann später angegriffen werden!". Die Theorie wird an der Praxis unseres Rechtsstaates scheitern.

Seien sie nicht so naiv zu glauben, dass der Gesetzgeber an Ihr Portemonnaie gedacht hat. Angeblich geht es um Umweltschutz, auf keinen Fall um Verbraucherschutz, auf jeden Fall aber noch mehr um handfeste wirtschaftliche Interessen der Industrie.

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Wärmedämmung & EnEV

An die Wärmedämmung von Neubauten sowie größere Erneuerungsmaßnahmen von bestehenden Gebäuden werden in der BRD (alt) seit 1977 durch die sog. Wärmeschutzverordnung (WSchVO) Mindestanforderungen gestellt. 1984 erfolgte eine erste Erhöhung der Normen, seit dem 01.01.1995 ist die derzeit gültige Fassung in kraft. Zur Zeit wird eine weitere Verschärfung in Richtung der "Niedrig-Energie-Haus" (NEH) -Standards bearbeitet (max. 70 KWh/ m2a).

So wurde am 07. März 2001 die neue EnergieEinsparVerordnung (EnEV) vom Bundeskabinett verabschiedet. Jetzt befindet sich die EnEV kurz vor dem Bundesrat und mit einem Inkrafttreten im Jahr 2002 ist zu rechnen. Die Enquetekommission "Schutz der Erdatmosphäre" des Deutschen Bundestages fordert, den C02-Ausstoß bis zum Jahr 2050 um 80% zu reduzieren.

Die Einsparung gilt dabei heutzutage als eine der wichtigsten Arten der ,,Energiegewinnung", da der Energiebedarf weder durch Atomstrom noch durch regenerative Energien (z.B. Windkraft) gedeckt werden kann bzw. soll.

Da die privaten Haushalte 32% der gesamten Endenergie (z.B. Heizöl, Erdgas, Strom und Femwärme) verbrauchen und sich deren Anteil damit nicht unwesentlich vom Anteil der Industrie bzw. des Verkehrs unterscheidet, sind umweltpolitische Ansätze hier sicherlich richtig. Da ca. 90% aller Gebäude in der BRD vor 1977, also vor Inkrafttreten der 1. WSchVO gebaut worden sind, lassen sich hier mit grundsätzlichen wirtschaftlichen Energieeinsparmaßnahmen 50% der derzeit eingesetzten Heizenergie einsparen. Solche Maßnahmen sind aus dem Blickwinkel des globalen Umweltschutzes sicherlich zu begrüßen. Der Teufel steckt hier jedoch - wie die Debatten im ME zeigen im Detail bzw. in der Frage, von wem diese Maßnahmen finanziert werden sollen.

Als Berechnungsgrundlage für den baulichen Wärmeschutz dient zur Zeit der Wärmedurchgangskoeffizient, der sog. K-Wert. Er gibt den Transmissionswärmeverlust als Wärmeleitungsverlust durch die Außenbauteile an. Ein k-Wert von z.B. 0,2 W/m2 K bedeutet: Bei einem Temperaturunterschied zwischen den beiderseits angrenzenden Luftschichten von 1 Kelvin (K) bzw. 1 Grad Celsius geht durch 1 m2 eines Bauteils durch Wärmeleitung pro Stunde die Wärmemenge von 0,2 W verloren. Je kleiner der k-Wert, desto besser der Wärmeschutz. Die WSchVO 1995 basiert auf dem Jahresheizwärmebedart Q Ha als entscheidender Größe für den Wärmeschutz.

Der Jahresheizwärmebedarf ist der Energiebedarf, der zur Aufrechterhaltung der gewünschten Raumtemperaturen in der Heizperiode ohne Berücksichtigung der Heizanlagenverluste notwendig ist. Er wird berechnet aus:
- den Transmissionswärmeverlusten durch die Gebäudehülle
- den Lüftungswärmeverlusten
- den solaren Wärmegewinnen
- den nutzbaren inneren Wärmegewinnen.

Aus dem Jahresheizwärmebedarf wird die Energiekennzahl (EKZ) eines Gebäudes ersichtlich. Die Energiekennzahl stellt den jährlichen Heizwärmebedarf eines Gebäudes pro Quadratmeter Nutz- bzw. Wohnfläche in der Einheit kWh/m2a dar. Für ein Mehrfamilienhaus bspw. ist der Heizwärmekennwert 82 kWh/m2a im Neubaustandard.

Die derzeit gültige WSchVO 1995 stellt für den Wärmeschutz im Wohngebäudebestand bei erstmaligem "Einbau, Ersatz oder Erneuerung von Bauteilen" Mindestanforderungen, die zwar an der Baustelle nicht kontrolliert werden (keine Baugenehmigungs- oder Bauanzeigepflicht), aber sich u.a. auf die Verglasungsqualität und Dämmmaßnahmen auswirken. Die maximalen k-Werte bei Modernisierung sind: Dach 0,3; Außenwand 0,4/0,5; Fenster 1,8; Keller 0,5. Ausgenommen sind lediglich kleinere Sanierungsmaßnahmen, die sich auf weniger als 20% einer Fassadenfläche erstrecken.

Durch die neue EnEV 2001 wird sich dies ändern. An die Stelle des k-Werts wird der u-Wert treten und für Änderungen am Gebäudebestand sollen folgende Anforderungen gelten: Dach 0,25/0,3; Außenwand 0,35/0,45; Fenster 1,5/1,7; Keller 0,4/0,5. Zum Vergleich: Eine Wand aus Vollziegel von 36,5 cm Dicke hat einen k-Wert von 1,2 Mit zusätzlichen 6 cm Dämmung wird ein k-Wert von 0,45 erreicht; mit 10cm 0,3; mit 12cm 0,25. Anders herum müsste eine ungedämmte Vollziegelwand eine Dicke von ca. 3 m aufweisen, um einen k-Wert von 0,3 zu erreichen. Was außerdem durch diese Rechenbeispiele deutlich wird, ist dass die ersten Zentimeter Dämmung am effektivsten sind.

Unter Wärmedämmmaßnahmen am Altbau wird normalerweise das Anbringen eines Dämmstoffs an der Außenwand (in der Regel auf dem Altverputz) verstanden. Dies wird auch als Thermohaut, Wärmedämmverbundsystem (WDVS) oder Vollwärmeschutz bezeichnet. Die Dämmung wird mit einem (gewebearmierten) Außenputz versehen, je nach Material mit oder ohne Putzträger. Eine Dämmung der Außenwand an der Innenseite, nachträgliche Kerndämmung oder Außendämmung mit einer Vorhangfassade sind eher selten.

Besonders wichtig ist es, Wärmebrücken zu vermeiden oder zu verringern. Wärmebrücken sind Störstellen in der 9edämmten Gebäudehülle, über die mehr Wärme abfließt als über die umgebenden Bereiche. Sie entstehen beispielsweise. wenn Stahlbetonplatten oder Stahlträger die Außenwand durchstoßen (Balkone) oder Anschlüsse von Wand- und Dachdämmungen nicht sauber ausgeführt werden. Wärmebrücken beeinträchtigen nicht nur den Wärmeschutz, sondern können durch Tauwasserbildung (Wasserdampf kondensiert an den kälteren Bereichen) zu Schimmelbildung und weiteren Bauschäden führen. Daher ist wichtig, dass auskragende Bauteile wie z.B. Balkonplatten sowie Anschlüsse z.B. der Fensterbänke oder Fensterlaibungen mit mindestens 2 bis 3 cm gedämmt werden.

Häufig wird der Verdacht geäußert, dass bei der Produktion der Dämmstoffe mehr Energie verbraucht würde, als nachher durch sie eingespart werden könne. Dies ist jedoch nicht zutreffend: Der Energieensatz zur Herstellung von Dämmstoffen ist im Verhältnis zur Einsparung sehr gering. Hier muss mit dem Primärenergieinhalt (PEI in kwh/m³) gerechnet werden, dem Einsatz an Energie, der notwendig ist, um einen Baustoff herzustellen. Mitberücksichtigt wird hierbei der Energiebedarf für die Herstellung und den Transport der Ausgangsstoffe und die Herstellung von Produktionsstätten, Maschinen und Geräten. Das Verhältnis von PEl zum Energieeinsparpotenzial über die gesamte Nutzungsdauer gesehen wird als Primärenergiebilanz eines Dämmstoffs bezeichnet. Die Primärenergiebilanz ist bei allen Dämmstoffen in jedem Fall positiv zu bewerten. Selbst beim relativ energieaufwendigen Polystyrol wird die zur Produktion eingesetzte Energie auch in ungünstigen Fällen in weniger als zwei Jahren wieder eingespart, wobei von 25 Jahren Haltbarkeit auszugehen ist.

Für das Material der Dämmung gilt, dass sie um so wirksamer ist, je geringer die Wärmeleitfähigkeit der Baustoffe ist. Deshalb müssen wärmedämmende Materialien möglichst leicht sein und viele Poren enthalten, die Luft oder Gase einschließen, gleichzeitig aber ausreichende Haltbarkeit und Festigkeit aufweisen. Für die Anwendung im Bauwesen dürfen nur genormte bzw. bauaufsichtlich zugelassene Dämmstoffe verwendet werden. Allerdings ist nicht jeder Dämmstoff aufgrund seines Feuchte- oder Brandverhaltens für jeden Anwendungsfall geeignet. Wenn Dämmstofte unter den Aspekten der Ökologie oder Nachhaltigkeit bewertet werden, ergeben sich große Unterschiede.

Am meisten werden für eine Thermohaut entweder Mineralfaserdämmstoffe in Form von Matten oder Polystyrol-Schaumplatten verwendet. Mineralfaserdämmstoffe: Mineralische Grundstoffe werden bei Temperaturen von 1200-2000 Grad geschmolzen und durch Zentrifugieren oder Zerblasen zu dünnen Fasern verarbeitet. Je nach Rohstoffeinsatz unterscheidet man zwischen Glaswolle (Glasrohstoffe und Altglas) und Steinwolle (Gesteine wie Diabas, Basalt etc.), auch unter (dem Markennamen) ,,Rockwool" bekannt. Als Bindemittel werden Formaldehydharze zugesetzt, die bei Produktion, Verarbeitung und Entsorgung problematisch sind. Bei eingebautem Material ist jedoch keine Formaldehydbelastung feststellbar. Der Primärenergiegehalt liegt zwischen 100 und 700 kWh/m³. Der Mineralfaserstaub enthielt (oder enthält) einen geringen Anteil an lungengängigen Fasern und gilt als möglicherweise krebserregend. Die Produktion ist mittlerweile so umgestellt, dass nach behördlichen Kriterien der Krebsverdacht nicht mehr besteht, was jedoch nichts an der Haut- und Augenreizung bei der Verarbeitung ändert, insbesondere wenn keine entsprechenden Schutzmaßnahmen eingehalten werden.

Polystyrol-Hartschaumplatten: Expandierter Polystyrol-Partikelschaum, auch als Styropor (PS, weiße Platten) oder Extrudierter Styrodur (XPS, grüne oder blaue Platten) bekannt, wird aus dem petrochemischen Produkt Polystyrolgranulat mit Wasserdampf (für PS) oder CO2 (für XPS) aufgeschäumt. Als Treibmittel werden teilweise auch HFCKW oder Pentan verwendet, die wie auch CO2 treibhauswirksam sind. Der Primärenergiegehalt liegt bei 400 bis 800 kWh/m3. Styrol ist ein giftiges Gas, welches bei der Produktion in die Atmosphäre entweicht. Wegen Restnachschwindungen benötigen Polystyrolplatten eine Ablagerungszeit vor dem Einbau. Durch Zusatz von Brandschutzmitteln können im Brandfall hochgiftige Dioxine und Furane entstehen. Der Ausgangsstoff Erdöl für die Produktion ist nur beschränkt verfügbar. Das Recycling ist wegen der Verschmutzungsreste problematisch, bei der Deponierung wird viel Volumen beansprucht, und von Schadstoffbelastung durch Ausgasung und Abbauprodukte ist auszugehen.

Sowohl Polystyrol als auch Mineralwolle ist gemeinsam, dass sie eine sehr geringe Wärmeleitfähigkeit haben, relativ billig auf dem Markt erhältlich sind und von vielen Bauunternehmen verarbeitet werden können. Es gibt eine Vielzahl von anderen ökologischlbaubiologisch unbedenklicheren Dämmstoffen, wie leichte Porenbetonplatten, Schaumglas, Holzfaserdämmplatten, Zellulose, Flachs/Hanf-Dämmvliese, Kork, Kokosfaser, Schafwolle, Baumwolle, die jedoch nur bedingt für ein Wärmedämmverbundsystem in Frage kommen. Die Ursachen hierfür liegen in den Unterschieden von: Preis, Brandverhalten, Anfälligkeit für Feuchtigkeit, Verarbeitungsfähigkeit und der Wärmeleitfähigkeit. Eine realistische Alternative liegt bei der nachträglichen Fassadendämmung von Bestand möglicherweise nur bei den mineralischen Dämmplatten.

Der Faktor Wärmeleitfähigkeit eines Dämmstoffs wirkt sich dahingehend aus, dass ein Dämmstoff mit einer schlechteren Wärmeleitfähigkeit eine entsprechend größere Dicke aufweisen müsste, um den benötigten k-Wert zu erzielen. Dies wirkt sich nicht nur auf den Preis aus, sondern auch auf das äußere Erscheinungsbild der Fassade und die Wohnqualität, da die Außenwand dicker wird, die Fenster "tiefer" in den Öffnungen liegen und der Lichteinfall durch die Fenster in die Wohnungen geringer wird.

Für Mieter wirken sich die Kosten für Wärmedämmmaßnahmen üblicherweise in der Miete aus. Wünschenswerterweise sollten sich diese Mehrkosten natürlich durch die Einsparung von Heizkosten amortisieren. Der Bauherr/Vermieter ist hier nachweispflichtig, indem er ein Wärmebedarfsgutachten vorlegen muss, das 1. den Zustand vor der Maßnahme, 2. die Kosten der Instandsetzung der Fassade und 3. die Kosten für die Fassadendämmung wiedergibt.

Die Kosten der Dämmung, also der Modernisierungsmaßnahme, sind umlagefähig, aber nur bis zu einem Zwei- bis Dreifachen der Kosten für die eingesparte Energie. Bei einer Fassadendämmung muss daher genau zwischen den Anteilen von Modernisierung und Instandsetzung unterschieden werden.

In den meisten Fällen ist ein Wärmedämmverbundsystem nur sinnvoll, wenn ohnehin eine Instandsetzung der Fassade angebracht ist. Dies wird notwendig, wenn der Putz schadhaft ist, wodurch nicht nur das Mauerwerk beschädigt werden kann, sondern auch die Wand nicht mehr winddicht ist. (Der Erneuerungszyklus von Außenputz beträgt etwa 20 bis 40 Jahre bei einem Wärmedämmverbundsystem kann von einer zu erwartenden Nutzungsdauer von 25 Jahren ausgegangen werden).

Wenn eine Fassade instand gesetzt wird, fallen Kosten für Gerüst, Abschlagen des alten Putzes und Anbringen des neuen Putzes an. Wird eine Fassade gedämmt, fallen Kosten für Gerüst, Dämmung und Neuverputzen an bzw. die Kosten für das entsprechende Wärmedämmverbundsystem. Auf das Abschlagen des alten Putzes kann in der Regel verzichtet werden. Insofern wird schnell klar, dass die meisten Kosten im Instandsetzungsanteil liegen.

In Berlin kann von ca. DM 120,00 pro m2 Fassade für ein Wärmedämmverbundsystem ausgegangen werden. Allein die Kosten für das Gerüst und die Erneuerung des Anstrichs würden DM 40,00 pro m2 kosten. Die Preise für Erneuerung und Überarbeiten von Außenputz liegen zwischen DM 35,00 und DM 75,00 pro m2, falls dieser teilweise schadhaft ist.

Generell kann man aber sagen, dass der Modernisierungsanteil bei einem Drittel liegt. Wenn eine Thermohaut angebracht wird, müssen allerdings auch alle Fensterbänke erneuert werden. Wenn diese zuvor schadhaft waren, fallen die Kosten hier unter den lnstandsetzungsanteil, wenn sie intakt waren, fallen sie unter den Modernisierungsanteil.

Renate Berg
ME 284/2001, S. 25/26

Kommentar:

Der Begriff NEH ist m.E. allerdings anders zu definieren, derzeit: wenn der Energieverbrauch 25% unter der Norm (Vorgabe) liegt. Die angegebenen 70 KWh/ m2a beziehen sich zudem nur auf ein Einfamilienhaus. Im Mehrfamilienhaus sind es nur noch 55 KWh/ m2a (Reihenhaus = 65 kWh/ m2a). Aber das ist wahrhaftig nicht die Crux. Das Thema Finanzierung werden Hauseigentümer eher anders sehen.

Das Kardinalproblem besteht aber darin, dass der k-Wert / u-Wert (hier wird uns ein u für ein k vorgemacht) nicht das Allheilmittel ist und vor allem: es gibt keine objektiven, tatsächlichen (soll heißen: gemessenen) Werte, die eine Einsparung belegen. Stellen Sie sich auch hier die simple Frage: wem nützt es?

Seien Sie nicht so naiv zu glauben, dass der Gesetzgeber an Ihr Portemonnaie gedacht hat. Angeblich geht es um Umweltschutz, auf keinen Fall um Verbraucherschutz, auf jeden Fall aber noch mehr um handfeste wirtschaftliche Interessen der Industrie.

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Energetische Bewertung von Gebäuden

(Vornorm) DIN V 18599-1 Ausgabe:2005-07
Energetische Bewertung von Gebäuden -
Berechnung des Nutz-, End- und Primärenergiebedarfs
für Heizung, Kühlung, Lüftung, Trinkwarmwasser und Beleuchtung

Teil 1: Allgemeine Bilanzierungsverfahren, Begriffe, Zonierung und Bewertung der Energieträger
Teil 2: Nutzenergiebedarf für Heizen und Kühlen von Gebäudezonen
Teil 3: Nutzenergiebedarf für die energetische Luftaufbereitung
Teil 4: Nutz- und Endenergiebedarf für Beleuchtung
Teil 5: Endenergiebedarf von Heizsystemen
Teil 6: Endenergiebedarf von Wohnungslüftungsanlagen und Luftheizungsanlagen für den Wohnungsbau
Teil 7: Endenergiebedarf von Raumlufttechnik- und Klimakältesystemen für den Nichtwohnungsbau
Teil 8: Nutz- und Endenergiebedarf von Warmwasserbereitungssystemen
Teil 9: End- und Primärenergiebedarf von Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen
Teil 10: Nutzungsrandbedingungen, Klimadaten

Kommentar:

Endlich noch eine Norm. - Wozu ist die DIN 18599 mit über 750 Seiten erschienen?. Die Richtlinie 2002/91/EG fordert bei "nicht Wohngebäuden", den Energiebedarf für Beleuchtung und Kühlung mit einzubeziehen. Energieausweise für "nicht Wohngebäude" müssen nach dieser Norm berechnet werden.

Weiterhin ist der Vergleich mit einem Referenzgebäude vorgeschrieben. Die Randbedingungen dieses Referenzgebäudes werden aber erst in der EnEV 2006 festgelegt. Bis zum Erscheinen der EnEV 2006 können somit keine Energieausweise für solche Gebäude erstellt werden.

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Heizlast-Norm erneut überarbeitet

Haustechnikdialog.de berichtet in seinem Newsletter vom 08.09.2006 über die Überarbeitung der EN 12831

"EN 12831 erneut überarbeitet

Die Norm zur Ermittelung der Heizlast bzw. der deutsche Anhang ist nochmals überarbeitet worden und liegt nunmehr im Entwurf vor. Als Ziel dieser Überarbeitung wurde die Anpassung der Berechnungsergebnisse an die der alten DIN 4701 genannt.

Die Frage, warum dann erst eine andere Norm und neue Rechenverfahren, stellen wir vorerst nicht. Die EN12831 kam im August 2003 heraus, der erste deutsche Anhang im April 2004. Handwerkliche Mängel machten eine Überarbeitung zum März 2005 erforderlich, wir haben darüber berichtet.

Was soll sich nach dem Entwurf nun wieder ändern? Ganz vorn steht die Abkehr von der nach außen orientierten Bemaßung. Wurde am Anfang noch als Grund angegeben, dass für den Wärmeverlust die gesamte Außenwandfläche entscheidend ist***, stellt man nun auf die üblicherweise bemaßten Innenmaße ab. Es wird also einfacher. Und die resultierende Heizlast dürfte allein aus diesem Grund um 5-10% sinken. ..."

Die Frage nach dem Sinn der Normenflut ist indes leicht zu beantworten: das Possenspiel beim DIN hat in erster Linie eine Umsatz fördernde Ausrichtung. Anders lässt sich die Menge an Vornomen, Korrekturen, Beiblättern, Überarbeitungen usw. nicht zu erklären. Der Planer zahlt und zahlt. Was kostet dann die Überarbeitung der Überarbeitung? Und am Ende merkt er, dass er über Jahre den größten Unfug gerechnet hat, z.B. weil aus Brutto plötzlich Netto wird. Was da mit "handwerklichen Mängeln" umschrieben wird, ist offenbar Experten-Stümperei, die deutlich vor Augen führen sollte, dass Normen-Hörigkeit fehl am Platze ist. Und dennoch sind wir gehalten, danach zu rechnen, denn der Gesetzgeber - der auf den Sachverstand und die Objektivität der Experten setzt - will das so.. Usw. usf. Tipp: lesen Sie den ganzen Artikel unter
http://www.haustechnikdialog.de/artikel.asp?id=6700

Querverweis:
:: Über den Sinn und Unsinn der DIN Normen
:: Bauregeln, Regeln der Technik


*** Ein kleiner fachlicher Exkurs: natürlich ist für den Wärmeverlust des Gebäudes die Gebäudehülle zuständig, weil hier über Abstrahlung und Konvektion die Wärme entfleucht. Logisch, dass man da die Bruttowerte nimmt, also Hausecke bis Hausecke und z.B. Kellerdeckenhöhe bis Traufe. Innen geht das allerdings schlecht über diese Fläche, weil da noch die Außenwände dazwischen sind, die innen nur von Zimmerecke zu Zimmerecke und von Fußboden bis Decke reichen.

Was aber wird nun aus der Differenz zwischen Brutto und Netto? Es genügt nicht, hier alles auf die Wärmeleitung zu reduzieren, die Speicherung spielt eine entscheidende Rolle (auch wenn das von Experten hartnäckig bestritten wird).

Bei der Brutto-Außenfläche, die Wärme über Abstrahlung verliert, sollte man gelegentlich an den Umstand denken, dass auch Energie über Strahlung zugeführt wird, sogar im Winter. Das bedeutet, der Wärmestrom kann schlecht von +20°C Zimmertemperatur zu +40°C Temperatur der äußeren Wandschichten fließen. Aber das hat man vorsichtshalber in der DIN 4108 weggenormt und dafür eine verblüffende Formel kreiert, die für den stationären Zustand Absorption., Emission und Wärmeleitung kühn durcheinander würfelt (die Thermodynamik ist tot - es lebe die Dynamothermatik).

Doch, Gottlob, nun haben wir eine Möglichkeit an die Hand bekommen, das Weltklima mittels Heizlastreduzierung zu retten - ganz ohne teure Fassadendämmsysteme und ohne Gebäudetechnik. Man definiere schlichtweg die zugrunde liegenden Naturgesetze neu um, und schon hat man die Lösung. Genial. Mal sehen, was noch alles an Überraschungen kommt, im Zeitalter der bemannten Raumfahrttechnik wird irgendwann auch so ein kompliziertes System wie ein Wohnhaus erforscht sein.

Querverweis:
:: Bauphysik, Physikalische Grundlagen und Phänomene

DIMaGB, 08.09.2006

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Daniela Bunte, Peter Göricke und Hermann-Josef Wagner
Theorie und Praxis beim Heizwärmebedarf von Neubauten
 - das Beispiel einer Reihenhauszeile

Für Häuser, die nach der gültigen Wärmeschutzverordnung (WSVO '95) errichtet werden, wird im Vorfeld ein Jahres-Heizwärmebedarf errechnet, der, ausgeführt als Wärmeschutznachweis, Bestandteil der Baugenehmigung ist. Bezogen auf die Nutzfläche sind je nach Gebäudegeometrie (A/V-Verhältnis) vorgegebene Höchstwerte zwischen 54 und 100kWh/(m2a) zulässig. Die spätere Einhaltung der Werte wird, ebenso wie die bautechnische Ausführung der Wärmeschutzmaßnahmen, nicht überprüft. Eine näherungsweise Ermittlung des tatsächlichen Heizwärmeverbrauchs über den Brennstoffbedarf bleibt dem interessierten Bewohner vorbehalten.

Im nachfolgend beschriebenen Hausobjekt einer Essener Wohnungsbaugesellschaft haben die beteiligten Firmen von vorn herein für Meßwertaufnahmen gesorgt.

Der frühzeitig festgestellte, unerwartet hohe Heizwärmebedarf der Häuser gab den Anlaß, die Abweichungen zwischen vorausberechnetem und gemessenem Verbrauch genauer zu untersuchen. Die analysierten Ursachen und damit verbundenen Grenzen von Berechnungsverfahren sind im folgenden Beitrag dargestellt.

Quelle:
Inhaltsverzeichnis 3/1998 gi - Gesundheitsingenieur
Haustechnik - Bauphysik - Umwelttechnik
122. Jahrgang 1998. ISSN 0932-6200

Kommentar DIMaGB:

Daran, dass die spätere Einhaltung der Werte nicht überprüft wird, hat sich auch 7 Jahre später nichts geändert. Warum auch? Die Überprüfung der bautechnischen Ausführung indes sollte Bestandteil der Bauüberwachung sein (LPh 8 nach HOAI). Ansonsten hat sich einmal der Fachverband Wärmedämmverbundsysteme damit befasst: 99% sind mangelfrei. Sicher ein verblüffendes Ergebnis, aber wer wagt es, es anzuzweifeln?

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Kaum hat die Energieeinspar-Verordnung (EnEV) das Licht der Welt der Gebäudetechnik erblickt, zeichnet sich bereits die Notwendigkeit einer Novellierung ab. Grund ist die Absicht der Europäischen Kommission, noch in diesem Jahr (2002) den bisherigen Entwurf einer

Richtlinie über die Energieeffizienz von Gebäuden
"Directive on the Energy Performance of Buildings" -

in Kraft zu setzen. Anders als bei anderen Vorschriften der Europäischen Kommission, bei denen die Gewerke der Haus- und Gebäudetechnik allenfalls am Rande berührt werden oder bei denen unklar ist, ob sie für Heizungs- und Klimaanlagen überhaupt gelten (wie es zum Beispiel bei der Maschinen-Richtlinie der Fall ist), gibt es hier kein Vertun: dieser Richtlinien-Entwurf trifft in das Herz der Tätigkeiten der gebäudetechnischen Unternehmen. Zwar gilt, dass die EnEV weithin als eine vorweggenommene Umsetzung der Energieeffizienz-Richtlinie (EER) verstanden werden kann. Einige Anforderungen der EER sind jedoch neu und werden praktischerweise in eine Neuauflage der EnEV einfließen müssen.

Im einzelnen handelt es sich um drei Maßnahmenbündel, die Gegenstand der neuen Richtlinie sein werden.

Erstens werden die Mitgliedsstaaten aufgefordert, Verfahren zur Berechnung der Gesamtenergieeffizienz zu entwickeln. Was man unter "Gesamtenergieeffizienz" zu verstehen hat, wird bedauerlicherweise tautologisch erläutert, etwa so, wie wenn man einen weißen Schimmel als einen Schimmel erklärt, der weiß ist. "Gesamtenergieeffizienz eines Gebäudes" wird als die gesamte Energieeffizienz eines Gebäudes, dargestellt durch einen oder mehrere numerische Indikatoren, die ... den Energiebedarf beeinflussen, definiert. Indikatoren, die den Energiebedarf beeinflussen, sind nach Brüsseler Lesart: Wärmedämmung, technische Merkmale und Installationskennwerte, Bauart und Lage eines Gebäudes in Bezug auf klimatische Aspekte, Sonneneinstrahlung, Eigenenergieerzeugung, Innenraumklima sowie "andere" zunächst nicht besonders bezeichnete Faktoren. In den einführenden Erläuterungen zur Richtlinie liest man sodann, dass man unter "anderen" Faktoren zum Beispiel Heizungssysteme und Klimaanlagen, die Nutzung erneuerbarer Energien und die Konstruktionsart des Gebäudes zu verstehen habe.


Mindestanforderungen müssen eingehalten werden

Für die aus den geschilderten Indikatoren bestehende Methode müssen die Mitgliedsstaaten im nächsten Schritt Mindestanforderungen an die Gesamtenergieeffizienz festlegen. Es kann dabei zwischen neuen und bestehenden Gebäuden sowie nach wechselnden Gebäudekategorien unterschieden werden. Neue Gebäude müssen die Mindestanforderungen stets erfüllen. Bei bestehenden Gebäuden müssen die Mindestanforderungen erst ab einer Gesamtnutzfläche von 1000 Quadratmetern eingehalten werden.

Energieausweis als Zertifikat für Gebäude

Der zweite größere Komplex der EER behandelt den "Ausweis" der Gesamtenergieeffizienz in Form eines Zertifikats. Es ist dies eine ziemlich alte Forderung der Kommission, die, da sie bisher in Europa - Deutschland und Dänemark ausgenommen - nicht auf fruchtbaren Boden fiel, in neuer Form Eingang in die Richtlinie gefunden hat. Der Energieausweis, dies ist der Kern, sollte eine Beschreibung der Gesamtenergieeffizienz des Gebäudes liefern. Er muss Bezugswerte wie gültige Rechtsnormen und Vergleichskennwerte enthalten, aus denen der Verbraucher eine vergleichende Beurteilung mit anderen Gebäuden ableiten kann. Immer wenn Gebäude verkauft, neu gebaut oder vermietet werden, ist dem Nachfrager vom Anbieter ein Energieausweis vorzulegen. Ulkigerweise legt die Richtlinie fest, dass die Gültigkeitsdauer des Energieausweises die Spanne von zehn Jahren nicht überschreiten darf. Behördengebäude und Gebäude mit starkem Publikumsverkehr sollten durch Einbeziehung von Umwelt- und Energieaspekten ein Vorbild geben. Für sie sollten daher in kürzeren Abständen Energieausweise erstellt werden.

Inspektion ist verbindlich

Der dritte Komplex der EER befasst sich mit der Inspektion von Heizkesseln und Klimaanlagen. Die Inspektion von Heizkesseln kann nach einer von zwei Alternativen geregelt werden: entweder die Mitgliedsstaaten ergreifen Maßnahmen, damit Heizkessel regelmäßig inspiziert werden, oder aber, weniger scharfe Möglichkeit, sie treffen Maßnahmen, um sicher zu stellen, dass die Verbraucher "Ratschläge" für den Austausch der Kessel, für sonstige Veränderungen am Heizungssystem und für Alternativlösungen erhalten. Die regelmäßige Inspektion von Klimaanlagen gilt für Anlagen ab 12 Kilowatt Leistung. Sie umfasst eine Prüfung des Wirkungsgrades der Anlage und ihrer Dimensionierung im Verhältnis zum Kühlbedarf des Gebäudes. Die Inspektion von Heiz- und Klimaanlagen muss künftig von qualifizierten bzw. zugelassenen Fachleuten durchgeführt werden, die entweder selbständige Unternehmer oder Angestellte von Behörden oder privaten Einrichtungen sein können.

Kritik am Richtlinien-Entwurf

In der Gesamtschau ist die neue Richtlinie keineswegs präziser als die alte SAVE-Richtlinie aus dem Jahr 1993, die auf ein ähnliches Ziel ausgerichtet war, im Gegenteil: in mehreren sehr wesentlichen Teilen tritt sie hinter diese zurück. Neben der bereits kritisierten nebulösen Definition des Begriffes "Gesamenergieeffizienz" sind mindestens drei Teile der EER als bedenklich einzustufen:

1. Bei bestehenden Gebäuden werden Maßnahmen der Kommission für eine Gesamtgrundfläche von über 1000 Quadratmetern verlangt. Damit wird der Wohnungs- und Dienstleistungsbereich weit gehend aus dem Geltungsbereich der Richtlinie entfernt, obwohl sich gerade dort beträchtliche Potenziale für Einsparungen befinden.

2. Die Forderung nach Einhaltung von Mindestanforderungen an die Gesamtenergieeffizienz durchzieht die Richtlinie wie ein roter Faden. Nirgends befindet sich eine Aussage darüber, wie dieses Mindestprofil aussehen soll, ob es in den Staaten der Europäischen Union gleich sein soll oder verschieden sein kann und, am wichtigsten, welcher Energiemaßstab - Primär- oder Endenergie - zugrunde gelegt werden soll.

3. Die Richtlinie lässt alle Aussagen über die Vergleichbarkeit des Inhalts der geforderten Energieausweise in den einzelnen Mitgliedsländern der Europäischen Union vermissen. Ohne Vergleichbarkeit sind jedoch Angaben über Energieprofile insbesondere im kommerziellen Sektor nahezu wertlos.

Dr. Herbert Rudolf, Hauptgeschäftsführer des BHKS
Bonner Themen, Oktober 2002, 217. Folge

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Bolle-Brief vom 07.07.05 an die Kollegen

Guten Tag liebe Kollegen und Betroffene,
Verbandszwangsmitgliedschaftler und wählwillige Steuerzahler,
natürlich auch alle solche (-Innen),

der Architekt haftet mehr und mehr für alles, was der klimarettungsgeile Gesetzgeber ökomarxistisch zu papierreichen und arbeitsenergievergeudenden Verordnungen macht, deren bezogene statische und dynamische Verweise auf Normen und deren regelmäßige KORREKTUREN (!) beruflich Betroffene dem Beuth-Verlag, welcher ein "Staatsverlag" ist (!), teuer abkaufen müssen.

Wer protestiert IM BERUFLICHEN EIGENINTERESSE bei zuständigen Stellen? Woody Allens "Schläfer" ist lustig. Die Architektenkammern als verwaltungsorganische Permanentschläfer und -schnarcher und Mißachter der Berufsinteressen ihrer Mitglieder sind jedoch eine Tragödie erster Güte für zwangsmitgliedsschaftliche Beitragszahler. Wer sich nicht wehrt leidet auch nicht? So einfach läßt sich zwangsmitgliedschaftliche Lethargie erklären.

Andere Gründe für Passivität und Duldung:? Zuviel Geld , zuwenig Ehre? Freunde und Sponsoren bei der Haftpflichtversicherung? Haftungsrisiko macht Spaß? Mehr Risiko macht mehr Spaß? Keine Haftpflichtversicherung, sowieso schon pleite? Keine Zeit?

Der Architekt schuldet primär den Erfolg, nicht die Einhaltung irgendwelcher Normen und Verordnungen. Wer hier staunt, übersieht die BGH-Rechtsprechung der letzten Jahre. Keine Zeit zum Lesen? Das enthaftet nicht.

Nun sollen auch die Handwerker amtlich energiespekulieren dürfen und Architekten und Planer in haftungsfolgenschwere Taten umsetzen, was schnellgeschulte Energieberater (nicht etwa Baufachleute!) dem Bauherrn ins energiesparwillige Ohr geflüstert haben. Im übrigen habe ich nichts gegen Berufsfortbildung, wenn diese dem Streben zu mehr Kompetenz unterliegt.

Der Verkehrtwert (nicht Freud, sondern Absicht) einer Immobilie wird künftig auch den Faktor "Energieeffizienz" enthalten. In bester Absicht ermittelt vom gelernten Teppichleger als Energieberater. Denkst du noch oder gehorchst du schon? (frei nach Ikea).

Wie vernichtet man Volksvermögen und Gesundheit ohne Krieg? Per Bauordnung! Dagegen hilft auch kein Bundeswehrschießerlaubnisschein.

Lesen Sie komplett was ein hochbezahlter Dilettant und stellvertretender Normenausschußvorsitzender über seine Zunge rollen läßt. http://www.enev-online.de/interviews/040126_bmvbw_hegner.pdf

Vielleicht schafft das neue Arbeitsplätze? Beim Schimmel im Haus sind erste Erfolge erkennbar. BD Hegner ist womöglich ein Frühpisa, was seine Inkompetenz nicht entschuldigt aber erklären könnte. Zusatztip: Leichte nebenberufliche Nachmittagstätigkeit für Lehrer: Energieberater. Ein Ausschnitt:

EnEV-online: Unsere Leser sind Energieberater, Architekten, Planer, Fachplaner, Kommunalbeauftragte und Bauausführende. Welche speziellen Aufforderungen wollen
Sie dieser Zielgruppe zusätzlich übermitteln?

BD Hegner: Bei den Handwerkern gab es große Diskussionen zu ihrer Einbeziehung in den dena-Feldversuch. Wir haben klargestellt, dass wir auch in diesem Feldversuch mit den Handwerkern zusammenarbeiten wollen. Allerdings ist eine entsprechende Qualifizierung notwendig. Es gibt die Qualifizierung zum „Gebäudeenergieberater im Handwerk", die aus unserer Sicht und aus Sicht der Experten durchaus geeignet ist, Handwerker hinreichend zu qualifizieren um Energiebedarfsausweise ausstellen zu können. Wir sehen diese Qualifikation, die unter maßgeblicher Mitwirkung des Zentralverbande des Deutschen Handwerks entwickelt wurde, als eine sehr gute Lösung an und unterstützen sie dementsprechend. Mir ist bekannt, dass viele Betriebe in den Startlöchern stehen: Sie sollen guten Mutes sein, wir werden hier auch für sie die geeigneten Rahmenbedingungen schaffen. Die Qualifikation hängen wir dabei - qualitativ gesehen - relativ hoch. „Crash-Kurse", die nur über zwei Tage laufen, wollen wir nicht anerkennen.

Es darf gedacht werden. Mehr traut sich ja keiner?

Mit freundlichem Gruß
Rainer Bolle

Ingenieur- und Sachverständigenbüro
www.rainer-bolle.de

Kommentar:

... die Welt ist klein und die Hegners sind überall. DIMaGB liegen Informationen vor, die belegen, dass Herr Hegner bestimmte Industriezweige bedient. Dem soll aber nicht vorgegriffen werden. Klar wird daraus, dass so einer es gut findet, wenn man noch ein paar „Experten“ mehr das Rechnen beibringt und sie dann zur energetischen Sanierung zur Umweltrettung aufs tumbe Volk losjagt.

Das Motto lautet: „Qualifikationsnachweis gegen Geld“. So wird ein sonst eher papierkramscheuer Handwerker zum Energieberater, so wird ein Uniabsolvent mit 0 Praxis zum SiGeKo – und sicher gibt es noch mehr Beispiele der unbefleckten Empfängnis.

Dipl.-Ing. M. Bumann

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Zum Referentenentwurf der EnEV
 Vorbemerkungen

  1. Die Bundesarchitektenkammer begrüsst grundsätzlich alle Bemühungen, die CO2-Emissionen bei der Errichtung und Bewirtschaftung von Gebäuden zu reduzieren. Der vorliegende Referentenentwurf unterstützt diese Zielsetzung.

    Die BAK begrüsst auch den Ansatz zur ganzheitlichen Betrachtungsweise des Gesamtenergieverbrauchs/bedarfs (Energiebilanzverfahren); dabei muss die ganzheitliche Betrachtungsweise des Architekten als Treuhänder des Bauherren für das gesamte Gebäude im Vordergrund stehen.

    Auch Claus Meier, Konrad Fischer und (ich) Paul Bossert arbeiten an den Grundlagen die den Energieverbrauch von Gebäuden senken. Allerdings ist heute allgemein bekannt, dass "Bemühungen" nur unwirksame Tätigkeiten vortäuschen, denn jeder weiss, wer sich bemüht, der will nichts ändern.

    Interessant ist die obenstehende Vorbemerkung vor allem, wenn man sich vorstellt, wie die BAK den oben erwähnten Herrn "Ansatz" begrüssen will. Wie schafft das mein "alter Freund" Peter Conradi, der ganzheitlichen Betrachtungsweise die Hände zu schütteln? Ist das plötzlich für Peter Conradi opportun? Er hat ja so Recht, dass wir Architekten und Ingenieure als Treuhänder dem Bauherrn gegenüber in der Pflicht stehen.

    Doch hat nicht Peter Conradi selbst, als ehemaliges Mitglied des Bundestages (MdB) und als verflossener "architektonisch angehauchter" Energie-SPD-Mit-Vordenker die heutige Bau- und Energieverluderung mitverursacht? Jetzt ist er Präsident der BAK und heult gegen das an, was er hätte 1985 verhindern können.

    Blenden wir kurz zurück:

    Der heutige Präsident der BundesArchitektenKammer (BAK) beführwortete seinerzeit als "Energie-Fachmann" innerhalb der SPD die am 1. 1. 1984 in Kraft getretene zweite Wärmeschutzverordnung. Anlässlich einer Anhörung am 21. Oktober 1985 in Bonn zu Energiefragen, liess sich Peter Conradi - als Gastgeber - in Anwesenheit von Prof. Ehm, Ministerialdirektor im BMBau heute BMVBW, von den Professoren Gertis und Hauser anlügen. Obwohl Gertis und Hauser schon damals Kenntnis davon hatten, dass die Wärmespeicherung den k-Wert positiv beaufschlagt, stellten diese Beiden die unter ihrer Obhut gemessenen Fakten in Wort und Schrift in Abrede. Dass Ehm den Schwindel von Gertis schluckte verwundert nicht, denn die Beiden vertrauten einander offensichtlich bedingungslos. Sie hatten ja schon 1974 in der "Allgemeinen Bauzeitung" unter dem Titel: "Heizungsenergieverbrauch im Hochbau" zusammen publiziert.

    Nun sind also diese zwei "Wissenschaftler" seit 25 Jahren am Ball und haben scheinbar immer noch nicht bemerkt, dass der Energieverbrauch eines Gebäudes mit der Berechnungsmethode nach der herrschenden Lehrmeinung nicht bestimmt werden kann. Peter Conradi aber, liess damals in Bonn alle übrigen Architekten (auch Prof. Seidlein, München) und auch mich im Regen stehen und unterstützte die unbewiesenen Behauptungen von Ehm, Gertis und Hauser aus politischen Gründen.

    Wenn nun Peter Conradi für die BAK schreibt, dass er das Energiebilanzverfahren gutheisst, kann das nur bedeuten, dass er noch immer nicht weiss, um was es eigentlich geht, oder, dass er versucht die Architekten der Bundesrepublik Deutschland erneut über den Tisch zu ziehen. Das ist ja eigentlich logisch, denn Conradi kann ja kein Interesse daran haben, dass sein damaliges Fehlverhalten durch Offenlegung der tatsächlichen Fakten bekannt wird. Hätte Conradi seinerzeit und auch zwischenzeitlich, in Sachen Wärmespeicherlüge bei Gertis und Hauser nachgehakt, müsste er nicht den in 4. vermuteten Glaubenskrieg herbeibeschwören.

    Merke: Eher würde der Papst das Kondom befürworten, als dass Peter Conradi die k-Wert-Theorie leugnet.

  2. Die verschärften Anforderungen an den baulichen Wärmeschutz werden von der Bundesarchitektenkammer kritisch beurteilt; die Aussagen in der Begründung "durch Gutachten belegt", können nicht nachvollzogen werden; die Bundesarchitektenkammer fordert, die angeführten Gutachten offenzulegen, damit sie auf ihre Plausibilität überprüft werden können.

    Das ist nun der Fluch der Bösen Tat.

    Als ich und die andern Architekturkollegen bereits 1985 bei der Anhörung in Bonn verlangten, dass die Professoren Gertis und Hauser ihre Behauptungen wissenschaftlich belegen sollen, waren Conradi und Ehm der Meinung, dass das nicht erforderlich sei.

  3. Die Wirtschaftlichkeit, die in weiten Teilen des Referentenentwurfs zur Begründung einzelner Verfahrensweisen angeführt wird, ist nach Meinung der Bundesarchitektenkammer durch vom Bundesministerium für Verkehr-, Bau- und Wohnungswesen zu veranlassende Gutachten, gerade auch im Zusammenhang mit § 5 des Energieeinspargesetzes, wissenschaftlich nachzuweisen.

    Hier besteht Peter Conradi als BAK-Vertreter darauf, dass die Energieeinspargesetze wissenschaftlich nachzuweisen seien und merkt nicht, dass er genau das seit Jahrzenten selbst mitverhindert hat.

    Es sei hier an dieser Stelle Peter Conradi versichert, dass die wissenschaftlichen Beweise immer noch nicht vorliegen, doch dürfte es mittlerweile arg spät sein, diese nachzufordern, zumal er selbst in dem Boot hockt, das er vom Untergang bewahren will.

  4. Die Handhabbarkeit der im Referentenentwurf dargestellten Berechnungsverfahren ist bisher nicht gegeben. Die Bundesarchitektenkammer fordert das BMVBW auf, eine wissenschaftliche Untersuchung bezüglich des Wärmedurchgangskoeffizienten (U-Wert bzw. alt k-Wert) als Kenngröße für Wärmebedarfsberechnungen in Auftrag zu geben, um damit die Plausibilität der im Refererentenentwurf dargestellten Berechnungsverfahren nachzuweisen und auf diese Weise Klarheit in die mittlerweile an einen Glaubenskrieg erinnernde Diskussion zur Gültigkeit der stationären bzw. instationären Betrachtungsweise hinsichtlich des Wärmedurchgangs zu bekommen. Für diese wissenschaftliche Untersuchung sollten vorhandene Beispielgebäude durchgemessen und diese Messergebnisse anschließend mit den Werten verglichen werden, die anhand statischer und dynamischer EDV-Berechnungsprogramme zur EnEV ermittelt worden sind.

    Hier argumentiert die BAK und/oder Peter Conradi (?) schizoid.

    Genau das, was oben verlangt wird, fordern Professor Claus Meier, Nürnberg, Karl-Wilhelm Ohrendorf aus Hagen und ich seit Jahren von dem im Bundesministerium Bau (BMVBW) Verantwortlichen Prof. H. Ehm sowie von dem Normenverantwortlichen Prof. H. Werner aus dem Hause DIN. Ehm verfasste selbst das X-te und auch unnötigste k-Wert Buch, das bereits vor der Drucklegung Makulatur war und Kollege Werner hat nach über zwei Jahrzehnten noch immer nicht neben einem Ziegelstein geschlafen, um wenigsten aus esoterischer Sicht erleben zu können, was in dem Stein vorgeht, wenn der nass und kalt wird.

    Seit 25 Jahren erstelle ich Energie-Verbrauchs-Analysen (EVA) und weise nach, dass die Berechnungswerte - je nach Bausubstanz und Erstellungsjahr - zwischen 200 und 500 Prozent neben den Verbrauchswerten liegen.

    Seit Jahren verlange ich vom BMBau bzw.vom BMVBW, dass sie die Messergebnisse von Beispielgebäuden mit den Berechnungen vergleichen sollten. Ja denkste Ehm, Boos oder Schettler-Köhler vom BMVBW hätten den Gedanken je nur angedacht? Conradi bläst also stellvertretend in mein schon stark gealtertes Kuhschweizer-Alphorn und glaubt damit die k-Wert-Sekte senkeln zu können, obwohl er eigentlich Einer der Ihrigen ist.

    Doch Conradi bläst wieder mit falschen Tönen ins Horn, indem er einen Glaubenskrieg herbeischwört. Er will einfach nicht wahrhaben, dass Berechnungen falsch sein können und reale Messungen ein anderes Resultat ergeben.

    Im Gegensatz zu Conradi faxte mir Frau Professorin Dipl.-Ing. Monika Ganseforth, aus 31535 Neustadt - auch MdB - am 23. 9. 1996: "Sie wiederholen die nicht bestrittene Tatsache, dass der Wärmeschutz bei um die Jahrhundertwende gebauten Häuser besser ist als bei neuen Gebäuden." O.K. das wärs!

    Doch was ist nun denn so faul am Begehren der BAK?

    Die BAK verlangt, dass Klarheit zwischen der stationären und instationären Betrachtungsweise - hinsichtlich des Wärmedurchgangs - mittels EVA bei Beispielgebäuden geschaffen werden soll, und dass hierzu dynamische EDV-Berechnungsprogramme zur Anwendung gelangen sollen.

    Hier steht die Frage im Vordergrund, ob das heute überhaupt möglich ist?

    Die Antwort heisst NEIN!

    Warum? Bis jetzt existieren im deutschsprachigen Teil Europas lediglich 4 instationäre Messungen "neueren Datums", die sich mit der Wärmespeicherfähigkeit und der Wärmeleitung von Aussenwänden befassen.

          1. Die "Bruchsaler Messung" von Varsek/Wiechmann im Winter 1982 legt primär dar, dass die herrschende Lehrmeinung falsch ist. Prof. Gertis machte die Messung mit irren Behauptungen und falschen Grundlagen in der "Allgemeinen Bauzeitung" Nr. 53/1983 "zur Sau" und wollte, wie es so seine nette Art ist, am Fraunhofer Institut in Holzkirchen mit Messungen beweisen, dass die k-Wert Theorie doch richtig ist.

          2. Doch der Schuss ging hinten hinaus, weil seine Messungen im Winter 1984/85 im Auftrag des Bundesverbandes ZIEGEL ergaben, dass die Strahlungsabsorption und die Wärmespeichermasse den k-Wert bis 40% positiv beaufschlagen können. Dieses Resultat hat Gertis anlässlich der Anhörung im Jahr 1985 in Bonn dem Auditorium in Anwesenheit von Peter Conradi verschwiegen und Prof. Werner hat, nach Aussagen des Ziegelverbandes, hinterher die Messdaten vernichtet bzw. verloren. Man stelle sich einmal vor, dass ein renommiertes physikalisches Institut Messdaten verliert, die der ZIEGEL-Verband bezahlt hat. Übrigens: Der Bericht EB-8/1985 ist bis heute nicht veröffentlicht!

          3. Eine weiterer Messversuch wurde von Prof. Kupke vom FEB-Stuttgart im Winter 1985/86 für den Bundesverband ZIEGEL durchgeführt. Bei einem bis heute nicht abgeklärten Einbruch, wurden die Computer und damit auch die Daten entwendet. Ein Bericht wurde mit Datum vom 16. März 1987 erstellt, doch ob Daten vorhanden sind, die noch ausgewertet werden können, ist mir nicht bekannt.

          4. Die vierte Messung initiierte ich selbst an der Eidgenössischen Materialprüfungs Anstalt (EMPA) in Dübendorf im Jahr 1991/92 als Vorversuchsmessung. Der vollständige Datensatz über 9 Monate ist gesichert. Der offizielle Bericht erschien im Dezember 1994 und ein paar Kollegen und ich arbeiten heute noch immer an der Auswertung..

    Mit den oben beschriebenen Fakten wird dargelegt, dass im deutschsprachigen Europa überhaupt keine Grundlagenmessungen vorhanden sind, die es zur Zeit erlauben würden, mit EDV-Programmen Berechnungen durchzuführen. Die notwendigen Messungen wurden somit nachweislich über 25 Jahre verschlafen.

    Um Grundlagenwerte über Bausysteme und Baustoffe für instationäre Berechnungen zu erhalten, sind mindestens 2 bis 3 Messwinter abzuwarten und 2 Jahre für die Auswertung vorzusehen.

    Falls die U-Wert-Sekte davon überzeugt werden kann, dass es noch etwas anderes geben könnte als ihre abstruse U-Wert-Theorie, so würde das etwa 20 Millionen Mark kosten und insgesamt 5 bis 6 Jahre dauern. Da ich mittlerweile mit meinen Kollegen den physikalischen Grundmechanismus recht gut erforscht habe, kann mich ja das BMVBW, Rentner-Ehm, der DIN-Werner oder die BAK fragen wie das Ganze denn wirklich funktioniert, um die 5 bis 6 Jahre (Oh Schreck und Schande das wird ja 2005!) etwas abzukürzen, doch an den Grundlagen-Messungen kommt niemand vorbei.
     

  5. Die Bundesarchitektenkammer ist der Auffassung, dass die EnEV zukünftig weiterentwickelt werden muss, insbesondere auf den Energieaufwand für Gewinnung, Herstellung, Transport, Einbau, Ersatz und Entsorgung von Baustoffen und Bauteilen. Eine Gesamtenergiebilanz eines Gebäudes darf diesen Energieaufwand nicht ausser acht lassen.

    Hier irrt die BAK und Conradi erneut: Die vorliegende EnEV muss nicht weiter entwickelt, sondern sie muss drastisch gekürzt oder wegen Unbrauchbarkeit sogar weggeschmissen werden. Wie es richtig gemacht werden sollte, servierte ich den "Rechthabern" im heutigen BMVBW x-mal gratis.

    Es ist richtig, dass sich der Staat dafür einsetzen soll, dass Energie und CO2 eingespart wird. Also muss der Staat unter "Abwägung aller Interessen" (so nennt man das doch in einer westlichen Demokratur) bestimmen, wieviel Energie pro Kubikmeter beheiztem Brutto-Gebäudevolumen verbraucht werden darf.

    Gemessen an der heutigen, angeblich fortschrittlichen Wärmedämmtechnik schlage ich als Qh-Grundwert 10 kWh/m3a vor, das entspricht einer zulässigen Energieverbrauchsmenge von 1 m3 Erdgas oder 1 Liter Heizöl pro m3 Gebäude und Jahr. Dann folgen ein paar Zuschläge wie z.B. für Klimazone, Meereshöhe, Situation der örtlichen Lage (Beschattung).

    Der Warmwasser-Energieverbrauch wird z. B. auf 1500 kWh/Person und Jahr festgeschrieben und der Heizungsanlagen-Wirkungsgrad wird auf einen Minimalwert von 85% begrenzt.

    Nun werden anstatt theoretischer Vorberechnungen die effektiven Energieverbrauchswerte von amtlich vereidigten Bausachverständigten im Nachhinein erfasst und überprüft. Hier ist anzumerken, dass der Ingenieur-Honoraraufwand geringer ausfällt, weil es sich ja nur um eine Kontrolle handelt. Der effektive Energieverbrauch wird darauf durch das beheizte Brutto-Gebäudevolumen geteilt.

    Überschreitet der Verbrauch die 10% Marke, erhält der Gebäudebesitzer eine Zusatzrechnung für zuviel verbrauchte Energie, zu Gunsten des Staates und der Allgemeinheit - eine vernünftige ökologische Steuerreform.

    Nun hat aber diese EnEV nach Bossert, mit Titelblatt, Inhaltsverzeichnis, Verordnung, Strafandrohung infolge Nichteinhaltung etc. und dem Hinweis auf Inkraftsetzung auf maximal 4 DIN-A4 Seiten Platz und das ist eben für germanische Verhältnisse doch sehr wenig. Also fügt doch 5 Leerseiten bei, dann wird die EnEV gewichtiger, doch gehaltvoller wird sie nicht.

    Und nun der Vorteil:

    Erst jetzt kann Wettbewerb im Bau stattfinden, jetzt ist Bau- und Heizungskunst gefragt. Im BMVBW kann man dann 80 % der nutzlos gewordenen Leute entlassen und Kosten sparen. Die Herren Ehm, Boos und Schettler-Köhler können nun mit ihrem k-Wert-Sektenwissen wie Normalsterbliche versuchen, wie weit sie auf der freien Wildbahn mit ihren Ansichten und Meinungen kommen und müssten ihr Geld einmal mit sinnvoller Arbeit verdienen.

    Und die Wärmedämmstoffproduzenten müssten Baustoffe entwickeln die tatsächlich funktionieren.

    Anmerkung: Die Dämmstoffindustrie weiss, dass ich seit 1964 den am besten funktionierenden Dämmstoff für allenfalls erforderliche Perimeterdämmungen herstelle. (Das ist der Grund, warum ich eine grosse Klappe riskieren kann - nicht wahr - Herr Prof. Güldenpfennig und Herr Prof. Liersch!)

    Doch zu der oben beschriebenen Lösung wird es wohl kaum kommen, weil sie für deutsche Verhältnissse viel zu einfach ist, weil zu viele k-Wert-Professoren das Handtuch werfen müssten. So wie bei Galilei keiner der Inquisitoren durch das Fernrohr gucken wollte, um die Jupitermonde nicht sehen zu müssen, wird wohl auch Peter Conradi verhindern, dass genügend Beispielhäuser unterschiedlicher Bauart und Baujahrgänge durchgemessen und verglichen werden.

  6. Insgesamt wird der vorliegende Referentenentwurf in der Architektenschaft kritisch gesehen und kontrovers diskutiert. Einzelne Architektenkammern der Länder werden dem BMVRW ihre Stellungnahme einreichen, die in einzelnen Punkten von der Stellungnahme der BAK abweichen können. Um so wichtiger scheint es uns, die von uns geforderte Klarheit durch die klärenden Untersuchungen und Gutachten zu gewinnen.

            Für mich stellt sich hier die Frage: will Peter Conradi und die BAK tatsächlich die oben angesprochene Klarheit? Zweifel sind angebracht. Peter Conradi hätte ja nur in seinem politischen Fundus nachsehen müssen und das BMVBW erneut mit der Tatsache konfrontieren können, dass die EnEV 2000 das Grundgesetz verletzt und verfassungswidrig ist. Fertig! Aus! Ende! Amen!

            Warum tut er das nicht?

            Im BAURECHT 6/1984 wird von Verfassungsrechtler und Rechtsanwalt Johannes Kirchmeier, Saarbrücken, eindeutig und unmissverständlich aus juristischer Sicht dargelegt und bewiesen, dass die damalige Wärmeschutz VO verfassungswidrig war. Die heutige EnEV erhebt grundsätzlich den gleichen Anspruch mit dem Unterschied, dass seither nur die Anforderungswerte erhöht wurden und die ganze EnEV noch komplizierter ausformuliert ist als die vergangenen Wärmeschutzverordnungen. Anstatt der Einzel-k-Werte wird nun eine Systemberechnung mit Namen Energiebilanzverfahren vorgeschlagen, welches natürlich wiederum - wie kann es auch anders sein - auf Einzel-k-Werten beruht.

            Anlässlich der Anhörung am 21. Oktober 1985 in Bonn, ging BMBau bzw. BMVBW-Professor Herbert Ehm kaltschnäuzig über die Vorhaltungen der Verfassungswidrigkeit hinweg und meinte, da keine Klage beim Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe hängig sei, sei das Thema nicht behandelbar. SPD-MdB Peter Conradi hat diese Abwiegelung von Ehm widerspruchslos geschluckt, doch damit haben damals Beide bewiesen, dass ihr Demokratieverständnis arg unterentwickelt ist. Eine Verbesserung des Verhaltens von Ehm und Conradi konnte bis heute nicht beobachtet werden.

            Ich hoffe, dass damit auch der von mir geprägte Begriff "ENERGIEFASCHISMUS" besser verstanden werden kann.

            Wer die oberen Argumente begriffen hat, dem müssen die nachfolgenden Einwendungen der BAK zur EnEV bestenfalls als Erbsenzählerei vorkommen, denn da wird ja etwas verhandelt, über das keine Grundlagen und Messungen vorliegen und das in Tat und Wahrheit verfassungswidrig ist und gegen das GRUNDGESTZ verstösst.

    Zu den Paragraphen im einzelnen:

    Zu A7 3 "Gebäude mit normalen Innentemperaturen" Absatz (4) 3. Satz:
    In den hier beschriebenen Bedingungen wird der Einsatz elektrischer Speicherheizungen unter Berücksichtigung des zu reduzierenden Jahresprimärenergiebedarfs zu stark begünstigt: soll doch der CO2- Ausstoß insgesamt reduziert werden.

            Hier sollte die BAK schreiben, wenn schon der Jahresprimärenergiebedarf im Vordergrund stehen soll: Elektrische Heizungen sind bis auf auf folgende Ausnahmen, 1. 2. 3. etc. verboten!

    Zu Absatz (5):
    Das hier angesprochene sogenannte ,.Vereinfachte Verfahren" sollte nochmals überdacht werden, zumal die unter dieses Verfahren zuzuordnenden Reihen- und Doppelhäuser einen Großteil des Neubauvolumens innerhalb des Wohnungsbaus ausmachen. Nicht nur für diese Gebäude, sondern für alle Vorhaben gilt, dass immer komplizierter werdende Berechnungsvorgänge, die mehrere Parallel zu lesende Grundlagen erfordern, Anwendung und Einhaltung dieser Verordnung so erschweren können, dass das eigentliche Ziel der CO2-Einsparung auch durch Ausnahmeregelungen nur bedingt erreicht werden kann.

            Auch hier jammert Conradi zu spät, zumal auch für das vereinfachte Verfahren keine wissenschaftlichen Messungen vorliegen.

    Zu A7 6 (3):
    Der im letzten Satz geforderte Wärmedurchgangskoeffizient der Fenster im Bereich von Heizkörpern von maximal 1,5 W/m2K würde geringere Anforderungen stellen als an sonstige Fenster (1,4 W/m2K). Diese Inkonsistenz ist unlogisch.

            Richtig wäre hier festzuhalten, dass vor Fenster keine Heizkörper gehören.

    Zu A7 7 "Änderung von bestehenden Gebäuden":
    Die in diesem Paragraphen formulierten Anforderungen werden insgesamt kritisch gesehen, da keine strukturierte Zusammenführung der Einzelmassnahmen vorgesehen ist. Auch hier gilt wieder der Vorrang der Gesamtbetrachtung vor den Einzelbetrachtungen, wie sie durch die ganzheitliche Beratungsleistung des Architekten bei Sanierungsmassnahmen im Gebäudebestand gewährleistet wird und bleiben muß.

            Hier wird der EnEV-Schwindel greifbar. In Satz 2 wird erlaubt, dass der Jahresenergiebedarf von Altbauten den von Neubauten um 35% überschreiten darf. In der Regel hat ein normal verputztes Eineinhalbstein-Vollziegelmauerwerk der 40-ziger Jahre bei A/V 0,6 einen effektiven Energieverbrauch von 20 kWh/m3a.

            Es handelt sich also um ein Niedrigenergiehaus. Der U-Wert der Wand liegt bei 1,5 W/m2K, also muss der Hausbesitzer die Wand dämmen, wenn er nicht mit dem Gesetz in Konflikt kommen will. Hier sollte doch Conradi verlangen, dass es heisst: Wer nachweist, dass sein Heizenergieverbrauch den Heizenergiebedarf gemäss Tabelle 1 um weniger als 35% überschreitet, wird von der Dämm-Massnahme entlastet.

            Wer geht denn schon hin und berechnet eine alte Hütte - er schaut doch zuerst was sie effektiv verbraucht und erstellt zuvor eine EVA!

    Zu A7 8 ,,Nachrüstung bei bestehenden Gebäuden und Anlagen":
    Die Bundesarchitektenkammer bezweifelt. ob die hier geforderten Massnahmen bis zum genannten Zeitpunkt durchführbar sind und ob diese organisatorisch mit einem noch zu vertretenden Aufwand kontrolliert werden können. Aus diesen genannten Gründen lehnt die Bundesarchitektenkammer diese Fristsetzung ab. (Insoweit erscheint der Absatz (4) insgesamt unlogisch.)

            Dieser Einwand ist korrekt und macht Sinn.

    Zu den A7 10/11 ,,Inbetriebnahme von Heizkesseln/Verteilungseinrichtungen und Warmwasseranlagen":
    In diesem Paragraphen fehlt die für eine vollständige Energiebilanz notwendige Definition des Energieverbrauchs für Kühllasten.

            Auch dieser Einwand ist ebenfalls korrekt und macht Sinn.

    Zu A7 13 ,,Ausweise über Energie- und Wärmebedarf, Energieverbrauchszahlen":
    Rein theoretisch ist der Versuch nach Gebäudekennwerten zu klassifizieren zu begrüßen. Die Umsetzung erscheint allerdings schwierig und mit vielen Problemen behaftet, da rechnerische Werte und tatsächliche Werte unter Umständen nicht übereinstimmen und somit Haftungsprobleme auftreten können. Diese müssten über entsprechende Formulierungen in der Verordnung ausgeschlossen werden können. Aus diesem Grunde stehen wir der Ausstellung von Energiepässen skeptisch gegenüber. Es ist aber unerlässlich, die Nutzer über die Konsequenzen ihres Verhaltens im Umgang mit Heizung und Lüftung und damit über den von ihnen selbst beeinflussten Energieverbrauch aufzuklären.

            Dieser Einwand ist eigentlich der Wichtigste. Was nützt ein Energiepass (z.B. nach Hauser) wenn ein theoretisch errechneter Bedarf von 15 kWh/m3a hingeblufft wird und die Hütte dann - siehe GEWOS-Bericht (Hauser) das 3 bis 4-fache an Energie verbraucht. Anders herum macht es keinen Sinn bei einem Haus mit Jahrgang 1910 und einem Zweistein-Ziegelvollmauerwerk einen Energiepasswert von 80 kWh/m3a hinzurechnen, wenn das Haus nur 15 kWh/m3a verbraucht.

            Beinahe makaber ist die Tatsache, dass in Deutschland bereits 1925 (!!!) eine Energie-Kenziffer vorhanden war, die als Normwert verwendet wurde. Umgerechnet entspricht die damalige Energie-Kennziffer den heutigen Vorstellungen der EnEV. Das Dumme daran ist lediglich, dass diese Häuser die heute vorgegebenen Werte ohne konfuse Dämmtechnik erreichen und die heutigen Bauten aber immer noch zwei- bis dreimal darüber liegen.

            Wenn also alte Häuser mit Jahrgang 1850 bis 1930 - heute ! - zwischen 15 und 25 kWh/m3a verbrauchen, sollte doch mit der angeblich tollen Wärmedämmerei die Halfte - also rund 10 kWh/m3a möglich sein! Dieser Wert sollte aber dann kein Bedarfs- sondern ein Verbrauchswert sein.

            Ausweise mit Energiebedarfswerten nach A7 13 EnEV sind somit Ettikettenschwindel.

    Zu A7 15 "Regeln der Technik": Das notwendige Normenwerk für das vorgesehene Berechnungsverfahren wird voraussichtlich erst einige Zelt nach der Verabschiedung der Novelle vorliegen. Aus diesem Grunde ist die Frist gem. 20 für das Inkrafttreten der Novelle mit dem Inkrafttreten der heranzuziehenden Normen zu koppeln.

            Warum weist der Architekt Conradi hier nicht auf den Unterschied zwischen "Regel der Technik" und "Anerkannte Regel der Baukunst" hin? Regel der Technik ist doch das was uns Bauschaffenden jeden Tag in Prospekten, Normen und Bauvorschriften verklickert wird. Bis eine Regel der Technik, die für gestern heute und morgen gilt, zur anerkannten Regel der Baukunst mutiert, dauert es doch normalerweise 20 bis 30 Jahre.

            Conradi hat hier darauf hinzuweisen, dass die vorhandenen Regeln der Technik, beispielsweise für Aussendämmungen, hinterlüftete Fassaden, Zweischalenmauerwerke noch lange nicht das Prädikat "anerkannte Regel der Baukunst" zukommt.

            Die obengenannten Systeme verfügen ja nicht über die hineininterpretierte Energiewirksamkeit. Ausserdem gehen die meisten Systeme innerhalb 15 bis 25 Jahren kaputt!

    Zu A7 16 "Ausnahmen" Absatz (2):
    Die Bundesarchitektenkammer begrüsst den hier vorgesehenen Gestaltungsspielraum für den verantwortlich handelnden Architekten und die sich hieraus ergebenden Möglichkeiten, jede Einzelmaßnahme auf die gesamte Baumaßnahme nach allen zu berücksichtigenden Kriterien abzustimmen.

            Wiederum liegt Peter Conradi daneben. Mehrmals habe ich für deutsche Kollegen das Spiel nach Absatz (2) versucht. Wenn man etwas anderes als eine U-Wert-Berechnung eingibt, hört die Intelligenz der Prüfer bereits auf. Stellt man sich vor, dass eine instationäre thermodynamische Berechnung mit hohen U-Werten und dicken Ziegelwänden die Zustimmung des Bundesrates erfordert, so ist das sicherlich nicht verhältnismässig.

            Und was sagt Conradi zu A7 17 Härtefälle? Wortlos schluckt. er den Passus über den unangemessenen Aufwand. Ist es doch nicht so, dass alle nach der EnEV hergestellten Gebäude unangemessene Härtefälle darstellen, weil sie sich nicht auszahlen bzw. nicht amortisierbar sind.

            Lesen Sie mehr darüber im Bericht von Johannes Kirchmeier, Saarbrücken, BAURECHT 6/1984 "Verfassungswidriges Bundesbauordnungsrecht."

    Zu A7 19 "Übergangsregelungen" 2. Satz:
    Hier wird vorgeschlagen, als Stichtag das Einreichdatum der Bauanträge, bzw. eingereichten Unterlagen für genehmigungsfreie Bauvorhaben, festzulegen.

            O.K.

    Zu Anhang 1 "Anforderungen an zu errichtende Gebäude mit normalen Innentemperaturen"
    Die unter 1.1 und 1.2 dargestellten Berechnungsverfahren sind inkonsistent. Die hier genannten Definitionen von Normgrößen werden bezweifelt und müssen überprüft werden. Es wird kritisiert, dass die unter Tabelle 3 "Heizungsanlagen" definierten Anforderungen für dezentrale elektrische HeizungsanIagen es nicht erlauben, Warmwasserbereitungen durch Solarenergie oder Kraft-Wärme-Kopplung zu integrieren, wenn kein eigenes Warmwassernetz installiert wird.

            Auch Da ist Peter Conradi nicht auf der Höhe des aktuellen Wissens.

            Seit 10 Jahren weist Professor Claus Meier, Nürnberg nach, dass die nach A/V-Werten ermittelten Energiebedarfszahlen in den Bereich des absoluten "Schwachsinns" gehören. Hier liegt ein Versagen der EnEV-Ausarbeiter auf Grundschulniveau vor - und Peter Conradi verliert kein Wort dazu.

            Ich habe bei weit über 1000 klimabezogenen Energie-Verbrauchs-Analysen (EVA) noch nie eine Korrelation zwischen der Gebäudeoberfläche und dem Energieverbrauch desselben Gebäudes beobachtet..

            Fazit: Der Energieverbrauch wird in 99% aller Fälle per Kubikmeter verbraucht!

    Zu Tabelle 4 "Begrenzung des Wärmedurchgangskoeffizienten von Außenbauteilen"
    wird bemängelt, dass normal profilierte Holzfensterrahmen die vorgegebenen Werte nicht erreichen können. Die Bundesarchitektenkammer fordert, in diesem Zusammenhang realistische Werte vorzugeben.

            Und wo steht oben der Hinweis von Conradi, dass Isolierverglasungen mit Edelgas und Metalloxydbeschichtungen an den Süd- und Westseiten eines Gebäudes nur 12 bis 15 Jahre halten werden und damit die anerkannten Regeln der Baukunst nicht erfüllen. Warum lässt Conradi zu, dass das Volk mit einem nur vorübergehend tauglichen EnEV-Wert von 1,4 W/m2K zur Kasse gebeten und abgezockt wird?

    Zu Anhang 3 "Anforderungen bei Änderung von Aussenbauteilen bestehender Gebäude":
    Die unter 6 "Gewährleistung der Luftdichtheit der erneuerten Bauteile" vorgeschlagene Regelungen sind in Sachen Praktikabilität und Angemessenheit zu überprüfen. Nicht ausreichend berücksichtigt sehen wir nach wie vor die Problematik der immer dichter werdenden Gebäudekonstruktion hinsichtlich der Kondensatbildung und den damit verbundenen Bauschäden.

            Dieser Einwand ist mehr als berechtigt, denn die Feuchtigkeit bildet eigentlich den Schlüssel zum gesamten Energieunfug der EnEV.

            Zur Schimmel-Pilz-Bildung:/ "SchiPiBi"-Theoretiker Karl Gertis meinte am Bauphysik Kongress 1997 in Berlin, dass man mit tiefen U-Werten Schimmelpilz verhindern kann.

            Das ist nur bedingt richtig, weil doch schon bei normalen Innentemperaturen eine Wand mit einem U-Wert von 1,5 W/m2K frei von Schimmelpilz ist, wenn die Aussenwand eine ausreichende Sorptionsfähigkeit aufweist. ETH-Professor Max Hottinger schrieb am 29. November 1941 im GESUNDHEITS-INGENIEUR sinngemäss, dass die Feuchtigkeit immer im Sinne des Wärmestromes (also in Echtzeit) nach aussen abgeleitet wird. Diese Feststellung wurde dann ja auch von ETH-Professor Paul Haller zwischen 1953-1958 experimentell nachvollzogen.

            Darum schrieb ich Karl Gertis am 17. März 1998:

            Zu Deiner "SchiPiBi"-Untersuchung merke ich an:

            Zuerst terrorisierst Du mit Deinen "Seilschaftskollegen " Ehm und Hauser eine ganze Nation mit schizoiden Wärmeschutzverordnungen, indem Du mit Ehm zusammen unwissende Menschen nötigst ihre Häuser zu verkleben und abzudichten. Weil Du die systemimmanenten Werk-Stoff-Probleme nicht verstehst, noch nie verstanden hast und sie auch nie verstehen wirst, entstehen - basierend auf Deinem propagierten k-Wert-Wahn - Feuchtigkeitsprobleme die folgerichtig im Schjimmelpilz enden. Anstatt Dir über die fragwürdigen Thesen Gedanken zu machen - und zwar bevor die Ganze BRD im Kondensat ersäuft - schreibst Du wörtlich: "Es bedarf auf jeden Fall einer Anhebung des Mindestwärmeschutzes, um zuverlässig Schimmelpilz zu verhindern." Wie willst Du denn das machen, wenn eh keine Werkstoffe vorhanden sind, die das leisten was Du initiierst?

    Zu Anhang 5 ",Begrenzung der Wärmeverluste von Rohrleitungen und Armaturen"
    Die in der Tabelle 1 "Wärmedämmung von Rohrleitungen und Armaturen" definierten Mindestdicken der Dämmschichten sind für Rohrleitungen innerhalb der Solartechnik unüblich. Die Stärken solcher Dämmschichten betragen sinnvollerweise in der Regel das anderthalbfache des Ouerschnitts der eigentlichen Rohrleitung. Die BAK bittet daher um entsprechende Änderung dieser Regelung in der genannten Tabelle.

            O.K. das ist richtig.

            Zum Schluss noch dies:

            Einen Vorteil habt ihr Bauleute in Germanien: wäret ihr in der Schweiz, so müsstet ihr Euch noch mit einem weit dümmeren Energiegesetz befassen, weil nämlich das dümmste Energiegesetz der Welt - dasjenige des Kantons Zürich - unter dem Codenamen MINERGIE ist.

Copyright © 2001 Paul Bossert, UNIVERSE Architecture and Engineering Ltd.

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