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Bedarfsausweis im Praxistest

In einem Praxistest der Immobilien-Spitzenverbände ist der Bedarfsausweis indes durchgefallen.

Die beteiligten Verbände hatten zwei Objekte ausgewählt und unabhängig voneinander von Energieberatern untersuchen lassen. Mehrere Bedarfsausweis nach dem dena-Verfahren wurden ausgestellt. Analyseziele: Die vermuteten Unterschiede bei der Ermittlung der festzustellenden Werte waren aufzudecken.

Die Ergebnisse sowohl für das Einfamilienhaus, als auch für das Mehrfamilienhaus hätten deutlicher kaum ausfallen können. 60 % Unterschied in der Disziplin Primärenergiebedarf beim Mehrfamilienhaus und 54 % für das Einfamilienhaus.

Bei einer Einteilung nach dem – erfreulicherweise nicht mehr diskutierten - Stufenlabel wären damit Klassifizierungen von C bis E möglich gewesen. Theoretisch hätte den Objekten damit nach einer durchgeführten Modernisierung ein schlechteres Ergebnis als vor der Modernisierung bescheinigt werden können.

Betrachtet man daneben noch die teilweise abenteuerlichen Modernisierungstipps bleibt festzuhalten: Die Ausweise waren Ihren Preis von bis zu 1.070 EURO nicht wert.

aus:
Energieausweis für den Gebäudebestand jetzt einführen

Haus & Grund Deutschland
Zentralverband der Deutschen Haus-,
Wohnungs- und Grundeigentümer e.V.
Ansprechpartner/in RA Wolf-Bodo Friers
Datum Juni 2006

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Hintergrundpapier zur Pressekonferenz am 12. Januar 2006
Was kann und soll ein Energieausweis für Wohngebäude leisten?
Ergebnisse eines Praxistests

1 Hintergrund

Mit der Umsetzung des Energieeinsparungsgesetzes (EnEG) vom 08. September 2005 wird unter anderem ein Energieausweis für bestehende Wohngebäude eingeführt, der bei Verkauf oder bei Vermietung zu erstellen ist. Dessen konkrete Ausgestaltung im Rahmen einer Energieeinsparverordnung wird in Kürze erwartet. Der Energieausweis soll der Information von potentiellen Käufern oder Mietern dienen, um ihnen einen Vergleich und eine Beurteilung der Gesamtenergieeffizienz des jeweiligen Gebäudes zu ermöglichen. Ziel der zugrunde liegenden EU-Richtlinie 2002/91/EG ist es, die Verbesserung der Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden zu unterstützen.

Die Verbesserung der Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden ist auch für Eigentümer und Vermieter von großer Bedeutung. Energiepreissteigerungen führen stets zu erheblichen Erhöhungen der Betriebskosten für Raumwärme und Warmwasser. Dies betrifft nicht nur die Mieter durch Nachzahlungen für warme Betriebskosten und steigende Vorauszahlungen, sondern auch die Wohnungsunternehmen und Privatvermieter. Sie haben viel in die Modernisierung ihrer Bestände investiert, was zu sinkenden warmen Betriebskosten führte und die Vermietungsattraktivität gesteigert hat. Jetzt werden diese Vorteile von steigenden Energiekosten wieder aufgefressen. Die höhere finanzielle Belastung für die Mieter führt in den Wohnungsunternehmen zu steigenden Erlösausfällen bei Betriebskostenzahlungen, aber auch bei Mieten. Da die Wohnungsunternehmen die gestiegenen Energiekosten teilweise vorfinanzieren, steigen die wirtschaftlichen Belastungen auch aufgrund sinkender Liquidität. Sollten durch die steigenden Heizkosten mehr Mieter versuchen, durch ihr Verhalten Energie zu sparen, können Räume zuwenig beheizt und gelüftet werden, wodurch die Gefahr bautechnischer Schäden ansteigt.

Trotz der zunehmenden Bedeutung des Energieverbrauchs muss die Einführung neuer Instrumente mit Augenmaß erfolgen, d.h. auch in ihren Auswirkungen außerhalb der reinen Energieeinsparung betrachtet werden. Dies trifft auch auf den Energieausweis zu, da er als reines Informationsinstrument selbst keine Energie einsparen kann, weswegen Aufwand und Nutzen sehr genau abzuwägen sind. Zu diesem Zweck wurde in den Jahren 2003 und 2004 ein umfangreicher Feldversuch der Deutschen Energieagentur (dena) durchgeführt und evaluiert. Insgesamt wurden 3.925 Energieausweise (für 1.384 EFH und 2.517 MFH) für 1.138 Eigentümer erstellt. An einer Eigentümerbefragung nahmen 582 Eigentümer (51%) teil, davon waren drei Viertel Eigentümer von EFH und ein Viertel Eigentümer von MFH.

Die umfassende Bewertung dieses Feldversuches erfolgte mit dem Schlussbericht der Evaluation durch die Fraunhofer Institute für System- und Innovationsforschung (ISI) sowie für Bauphysik (IBP) und das Ökoinstitut e.V. Auszüge aus der Evaluation wurden durch die dena ab März 2005 vorgestellt und intensiv in der Öffentlichkeit kommuniziert. Der ausführliche Bericht wurde am 15. September 2005 vorgelegt, den Verbänden der Wohnungswirtschaft aber erst nach mehrfachem Nachfragen am 30. Dezember 2005 zugänglich gemacht.

2 Einleitung

Die Evaluation des dena-Feldversuches zum Energieausweis sollte unter anderem die Praxistauglichkeit der Berechnungsverfahren und deren Randbedingungen untersuchen. Dabei sollten Erkenntnisse über die Handhabbarkeit der Verfahren und die Genauigkeit der unterschiedlichen Datenerfassungen und Berechnungsverfahren gewonnen werden. Aus Sicht der Wohnungswirtschaft weist der Feldversuch in diesem Bereich zwei wesentliche Lücken auf:

1. Es fehlt im Feldversuch der dena eine Analyse der Methode „verbrauchsbasierter Energieausweis“, um dessen Akzeptanz, die Randbedingungen und die Grenzen seiner Einsatzmöglichkeiten zu untersuchen. Diese Analyse wurde durch die Wohnungswirtschaft nachgeholt. Die Ergebnisse finden sich in der GdW-Information „Konzept für die Einführung von Energieausweisen im Gebäudebestand – Vorschlag für einen verbrauchsbasierten Energieausweis“ vom 26. April 2005. Darüber hinaus entstand unter Mitwirkung der Wohnungswirtschaft im Auftrag der GASAG ein Verfahrensvorschlag für einen verbrauchsbasierten Energieausweis für Objekte mit Gasetagenheizungen. Im Feldversuch der dena wurde lediglich der Energieverbrauch der Gebäude erhoben und dem Endenergiebedarf vergleichend gegenüber gestellt. Dabei zeigen sich durchaus erhebliche Abweichungen zwischen Energiebedarf und Energieverbrauch. Diese sind jedoch nicht allein dem Energieverbrauch anzulasten. Weiter fand für den Feldversuch keine einheitliche Methodik zur Ermittlung von Energieverbrauchskennwerten Anwendung. Es ist auch nicht klar, inwieweit und welche Gradtagsbereinigungen für den Verbrauch stattgefunden haben, um die Vergleichbarkeit zum Bedarf herzustellen. Insofern sind die Abweichungen nicht bewertbar. Entsprechend dem Evaluationsbericht wiesen ca. 30% der Daten zum Energieverbrauch Mängel auf, die vor allem in fehlenden Angaben, unklaren oder falschen Einheiten und unplausiblen Werten bestanden. Bei Verwendung vorliegender Heizkostenabrechnungen lassen sich diese Mängel vermeiden. Im Einzelfall kann die Erstellung eines Energieausweises auch Unplausibilitäten in einer Heizkostenabrechnung aufzeigen. In diesem Fall wäre die Abrechnung zu korrigieren, da diese rechtliche Wirkung hat.

2. Im Feldversuch der dena wurde versäumt, die Zielgenauigkeit bedarfsbasierter Energieausweise bei Erstellung durch mehrere - voneinander unabhängige - Fachleute zu untersuchen. Im Evaluationsbericht findet sich der Vergleich von Kurz- und Langverfahren (die beiden Verfahren unterscheiden sich durch die Tiefe der Datenaufnahme) für 7 Objekte durch den Bremer Energiekonsens. Dabei erfolgte die Erstellung im Kurz- und Langverfahren jeweils durch den gleichen Aussteller. Für ein weiteres Objekt wurde durch das IBP die Erstellung im Kurz- und Langverfahren durch zwei unterschiedliche Aussteller untersucht. Die Unterschiede im Primärenergiebedarf betrugen für die 7 Objekte aus Bremen bis zu 38%. Für das Objekt des IBP betrug der Unterschied im Primärenergiebedarf 9%. Der Evaluationsbericht betont, dass eine völlig getrennte Ermittlung der Daten schon bei Flächen- und Volumenermittlung erfahrungsgemäß zu Abweichungen führen wird. Da vor diesem Hintergrund auch untersucht werden muss, welche Abweichungen bei der Ermittlung der anderen Eingangsdaten – wie Wärmedurchgangskoeffizienten der Gebäudehülle und Anlagenaufwandszahl – entstehen können, wurden durch den BfW, GdW und Haus & Grund Deutschland eigene Erhebungen durchgeführt.

3 Methodik des Praxistestes zum bedarfswertbasierten Energieausweis

Im vorliegenden Praxistest der Spitzenverbände der Immobileinwirtschaft wurde für zwei Wohngebäude - ein Mehrfamilienhaus und ein Einfamilienhaus - jeweils unabhängig voneinander mehrere Energiebedarfsausweise mit dem im Feldversuch der dena verwendeten Verfahren erstellt (seine Bild 1 und 2).



Bild 1: Einfamilienhaus des Praxistests



Bild 2: Mehrfamilienhaus des Praxistests

Beauftragt wurden Fachleute, die bei der dena als Energieausweisaussteller gelistet sind. Den Erstellern wurde vorgegeben, ob der Ausweis nach Kurz- oder Langverfahren erstellt werden sollte. Beide Verfahren unterscheiden sich dadurch, dass beim Kurzverfahren Vereinfachungen bei der Datenaufnahme getroffen werden können.

  Mehrfamilienhaus Einfamilienhaus
Wohneinheiten 8 1
Wohnfläche  534 m² 125 m²
Baujahr Gebäude ca. 1900 1971
Baujahr Heizungsanlage 2004 2003
Energieträger Erdgas Erdgas
Warmwasserbereitung zentral zentral
Erstellte Ausweise 7 (drei kurz, vier lang) 3 (drei lang)
Qualifikation der Aussteller  Zwei geprüfte Gebäudeenergieberater
im Handwerk
Zwei Ausstellungsberechtigte
§13EnEV
Zwei Bauvorlageberechtigte
(Ein Ersteller erstellte zwei Ausweise,
kurz und lang)
Ein Vor-Ort-
Berater
Ein Ausstellungsberechtigter
§13EnEV
Ein Bauvorlage-
berechtigter

Alle Aussteller erhielten zeichnerische Unterlagen zum Gebäude und führten eine Begehung im Beisein eines fachkundigen technischen Vertreters des Eigentümers durch. Zum Einsatz kam je zwei Mal die Software von Hottgenroth, Enno-EnEV und EID und je ein Mal ROWA-Soft, Antares und Dämmwerk. Der Heizwärmebedarf wurde immer mit der Monatsbilanz nach DIN 4108-6 berechnet, die Anlagenverluste mit einer Ausnahme nach dem detaillierten Verfahren der Anlage 6 zum Pflichtenheft der dena. In einem Fall (beim Einfamilienhaus) wurden die Anlagenverluste nach Tabellenverfahren, DIN 4701-10, ermittelt. Analyseziele des Praxistestes waren die vermuteten Unterschiede bei der Ermittlung des Primärenergiebedarfskennwertes, der absoluten Werte für Primärenergie und Heizwärmebedarf, der Anlagenaufwandszahl sowie die Gebäudenutzfläche AN, die sich aus dem ermittelten Gebäudevolumen ergibt. Weiter wurden die Modernisierungstipps (Hinweise zur kostengünstigen Verbesserung der Energieeffizienz) betrachtet.

4 Ergebnisse des Praxistests

Bezüglich des Formulars des Energieausweises fiel auf, dass die Daten unsystematisch dargestellt sind, was die Auswertung erschwert. Auf dem Deckblatt ist der Primärenergiekennwert, bezogen auf die Gebäudenutzfläche, angegeben, dazu die Wohnfläche. Auf Seite 2 ist erneut der Primärenergiekennwert, bezogen auf die Gebäudenutzfläche, angegeben, dazu der Endenergiebedarf, bezogen auf die Wohnfläche. Die Gebäudenutzfläche selbst und weitere Kennwerte sind auf Seite 7 angegeben.

Leider lassen sich allein auf Basis des Energieausweises keine weiteren Auswertungen durchführen, da keine Eingangsdaten enthalten oder beizulegen sind. Im Zweifelsfall gehen diese wichtigen Daten (Wärmedurchgangskoeffizienten, Flächen, Beschreibung der Anlagentechnik) dem Eigentümer verloren.

Im vorliegenden Praxistest wurden für vier der Ausweise für das MFH (drei im Langverfahren, einer im Kurzverfahren) und einen Ausweis für das EFH die durch den Aussteller ermittelten Daten zur Hüllfläche und den Wärmedurchgangskoeffizienten beigelegt. Ermittelte Daten zur Anlagentechnik lagen nur drei Energieausweisen bei.

4.1 Mehrfamilienhaus

Für das Mehrfamilienhaus (MFH) wird ein Primärenergiebedarfskennwert zwischen 132 und 212 kWh/m²a ausgewiesen, das sind 60% Unterschied vom größten zum kleinsten Wert (s. Abb. 1).



Abb. 1 In den Energieausweisen dokumentierte Primärenergiebedarfskennwerte (MFH)

Der Primärenergiebedarfskennwert ist beim dena-Energieausweis der Vergleichswert, für den der absolute Bedarf auf die Gebäudenutzfläche bezogen wird. Bei der unterschiedlichen Einschätzung des Primärenergiebedarfskennwertes ist daher auch zu beachten, wie unterschiedlich der absolute Bedarf und die Gebäudenutzfläche AN ermittelt wurden.

Beim absoluten Primärenergiebedarf beträgt der Unterschied zwischen größtem und kleinstem Wert ca. 50% (113 MWh bis 171 MWh). Die Unterschiede bei der Gebäudenutzfläche betragen 44% (629 ..906 m²) (siehe Abb. 2). Die Gebäudenutzfläche AN ergibt sich aus dem unterschiedlich ermittelten beheizten Bruttovolumen Ve des Gebäudes (1.965 .. 2.831 m³) über die Beziehung AN = 0,32·Ve. Als Bezugsfläche hat die Gebäudenutzfläche für die Einordnung des Kennwertes wesentliche Bedeutung.



Abb. 2 In den Energieausweisen dokumentierte Werte für den Primärenergiebedarf und die Gebäudenutzfläche (MFH)

Die Unterschiede im Primärenergiebedarf beruhen auf sehr unterschiedlichen Bewertungen der Gebäudehülle und der Anlagentechnik (siehe folgende Abbildungen, im rechten Bereich ist jeweils der Primärenergiekennwert in kWh/m²a angegeben).




Abb. 3: Übersicht über die Bewertung der Gebäudehülle und der Anlagentechnik in den sieben Energieausweisen für das Mehrfamilienhaus

Die farbigen Balken zeigen die deutlich voneinander abweichenden Bewertungen der Energieverluste über die Gebäudehülle und die Anlagentechnik sowie die unterschiedlich bewerteten CO2- Emissionen. Die unterschiedliche Einschätzung von Gebäude und Anlagentechnik findet sich aber auch dann, wenn etwa ein gleicher Primärenergiebedarf ausgewiesen wird:

Nr.  Primärenergiebedarf     Nutzfläche   Heizwärmebedarf  Anlagenauf-
      in KWh/m²a  in kWh     in m²            in kWh               wandszahl
2    152              123.948    818              69.414               1,56
3    153              114.929    750              72.421               1,4
3:2 +1%             -7%         -8%             +4%                   -10%

Die Unterschiede beim Heizwärmebedarf liegen bei 137% (zwischen 47 und 111 MWh/a) und bei der Anlagenaufwandszahl bei 50% (zwischen 1,39 und 2,08) (siehe Abb. 4).

Bei der unterschiedlichen Einschätzung des Heizwärmebedarfskennwertes (Unterschiede 85%, 74 bis 137 kWh/m²a) ist zu beachten, dass auch unterschiedliche Nutzflächen AN ein gehen.



Abb. 4 In den Energieausweisen dokumentierte Werte für den Heizwärmebedarf und die Anlagenaufwandszahl (MFH)

Ursache für den unterschiedlich bewerteten Heizwärmebedarf sind vor allem Unterschiede in der Bewertung der Bauteile der Hülle. Der ermittelte spezifische Transmissionswärmeverlust liegt zwischen 0,68 und 1,2 W/m²K (76% Abweichung). Soweit ersichtlich, ist durchgängig mit einem Wärmebrückenzuschlag von 0,1 W/m²K gerechnet worden.

Die Außenwand wurde teilweise sehr ausführlich mit Verjüngungen je Geschoss erfasst (U zwischen 0,39 und 0,52 W/m²K), teilweise nur als ein Wert (0,45 W/m²K, 0,48 W/m²K, 1,0 W/m²K). Bei der unterschiedlichen Bewertung der Außenwände spielt u.a. die Einschätzung der Wärmeleitfähigkeit der Ziegel eine Rolle (0,58 bis 0,70 W/(mK)).

Eine Berechnung berücksichtigt Wärmeverluste von Wandflächen an unbeheizte Räume, ein Aussteller nimmt das Treppenhaus aus der beheizten Hülle heraus.

Die Unterschiede in der energetischen Bewertung sind besonders groß bei der Bewertung der Kellerdecke (0,50 bis 1,07 W/m²K) und der obersten Geschossdecke (0,24 bis 0,95 W/m²K).

Die Flächenermittlung, soweit ersichtlich (aus 4 der sieben Ausweise) weist verhältnismäßig geringe Unterschiede auf (1128 m² bis 1353 m², 20% Unterschied)

Eventuelle Einflüsse durch Verwendung unterschiedlicher Software konnten nicht untersucht werden. Es waren jedoch alle Programme auch für den Feldversuch der dena zugelassen.

4.2 Einfamilienhaus

Die Ergebnisse für das Einfamilienhaus (EFH) bestätigen den Befund des MFH. Die Unterschiede im ermittelten
Primärenergiebedarfskennwert betragen 54% (166 bis 256 kWh/m²a).



Abb. 5 In den Energieausweisen dokumentierte Primärenergiebedarfskennwerte (EFH)



Abb. 6 In den Energieausweisen dokumentierte Werte für den Primärenergiebedarf und die Gebäudenutzfläche (EFH)

Die farbigen Balken zeigen auch beim Einfamilienhaus die voneinander abweichenden Bewertungen der Energieverluste über die Gebäudehülle und die Anlagentechnik sowie die unterschiedlich bewerteten CO2- Emissionen.




Abb. 7 Übersicht über die Bewertung der Gebäudehülle und der Anlagentechnik in den drei Energieausweisen für das Einfamilienhaus



Abb. 8 In den Energieausweisen dokumentierte Werte für den Heizwärmebedarf und die Anlagenaufwandszahl (EFH)

4.3 Modernisierungstipps

Die Frage nach kostengünstigen Maßnahmen zur Verbesserung der Gesamtenergieeffizienz (sog. Modernisierungstipps im dena-Energiausweis), die gem. Energieeinsparungsgesetz den Energieausweisen beigefügt werden sollen, kann aus den Energieausweisen nicht beantwortet werden. Maßnahmen werden sehr unterschiedlich vorgeschlagen, insbesondere auch hinsichtlich der Dämmdicken.

Für das MFH werden von den Ausstellern überwiegend die Dämmung der obersten und untersten Geschossdecken empfohlen. Empfohlene Dämmdicken schwanken zwischen 5 und 10 cm (Kellerdecke) und 12 und 30 cm (oberste Decke bzw. Dach). Die dadurch erzielbare Primär-Einsparung schwankt zwischen 4 und 40 kWh/m²a.

Je einmal wird die Abdichtung von Türen zum Keller, die Durchführung eines hydraulischen Abgleichs, der Ersatz der Thermostatventile durch elektronische Regelung, der Ersatz der Thermostatventile durch Ventile mit verbessertem Regelverhalten, der Austausch der Fenster und der Einsatz einer Solaranlage zur Warmwasserbereitung empfohlen.

Bedenklich stimmen folgende Empfehlungen, weil sie unwirtschaftlich erscheinen:

In einem Fall wird die zusätzliche Dämmung der bereits mit 6 cm gedämmten Fassade mit weiteren 6 cm empfohlen und dafür eine Primär- Energieeinsparung von 17 kWh/m²a ausgewiesen. In einem Energieausweis wurde das Treppenhaus rechnerisch nicht in die beheizte Hülle eingeschlossen. Als Energiesparmaßnahme wird hier die Beheizung des Treppenhauses vorgeschlagen, die Primärenergieeinsparung ist mit 14 kWh/m²a angegeben. Es kann davon ausgegangen werden, dass die Einsparung zwar in den spezifischen Werten sichtbar ist, absolut jedoch ein Mehrverbrauch an Energie entsteht.

Auch für das EFH wird zur Verbesserung der Energieeffizienz eine Außenwanddämmung mit 6 cm Dämmstoff vorgeschlagen, was in Kombination mit einer Fenstererneuerung zu einer Primärenergieeinsparung von 31 kWh/m²a führen soll (bestehende Außenwand: U = 0,57 W/m²K).

Alle drei Energieausweise empfehlen für das EFH entweder den Austausch der Fenster oder den Einbau einer Lippendichtung in die vorhandenen Fenster sowie die Dämmung der obersten, einmal auch der untersten Geschossdecke. Allerdings wird die Dämmung der obersten Decke (angegeben mit U = 0,91 W/m²K) mit 6 cm (gerade Einhaltung EnEV) bzw. 10 cm vorgeschlagen. Hier wäre zumindest nachzufragen, ob es nicht sinnvoll ist, gleich eine dickere Dämmung einzubringen.

Eine solare Warmwasserbereitung mit Heizungsunterstützung wird für das EFH einmal vorgeschlagen.

Hinweise zur kostengünstigen Verbesserung der Energieeffizienz, die allgemein sinnvolle Maßnahmen bei Vorliegen bestimmter Ist-Zustände beschreiben, können aus Sicht der Wohnungswirtschaft Informationen in ähnlicher Qualität geben.

4.4 Kosten

Die Kosten für die Erstellung der Energieausweise (brutto) lagen für das MFH zwischen 240 € und
1.070 €, davon bei
  240 €, 310 € und 400 € für das Kurzverfahren und
  550 €, 700 € und 1.070 € für das Langverfahren.

Für das Einfamilienhaus entstanden Kosten von 232 €, 406 € und 414 €. Der Evaluierungsbericht zum Feldversuch der dena benennt folgende Bandbreiten für die Kosten der Energieausweise:
  EFH 100 € bis 300 € und
  MFH 200 € bis 500 €.

71% der Aussteller im dena-Feldversuch gaben an, mit dem aktuellen Preis keine Deckung ihrer Kosten zu erhalten. Diese Aussage wird mit dem vorliegenden Praxistest bestätigt, insbesondere für das Langverfahren beim MFH. Hier lagen alle Kosten über 500 €.

5 Zusammenfassung und Schlussfolgerungen

Die Energieeinsparverordnung, die in diesem Jahr novelliert wird, wird auch für den Gebäudebestand Energieausweise vorschreiben, die bei Verkauf oder bei Vermietung zu erstellen sind. Die Wohnungswirtschaft weist bereits seit 2 Jahren darauf hin, dass dieser Energieausweis praxisgerecht und einfach sein muss.

Ein Feldversuch zum Energieausweis im Auftrag der Bundesregierung wurde von der Deutschen Energieagentur GmbH (dena) in den Jahren 2003 und 2004 durchgeführt. Wohnungsunternehmen und Vermieter von Mehrfamilienhäusern unterstützten den Feldversuch und ließen Energieausweise erstellen. Die Ergebnisse ließen erkennen, dass der Feldversuch der dena wesentliche Lücken aufweist. Deshalb haben Verbände der Wohnungswirtschaft ein eigenes Verfahren für verbrauchsbasierte Energieausweise entwickelt, das im Dezember 2004 der Öffentlichkeit präsentiert wurde. In den letzten Monaten wurden mit dem vorliegenden Praxistest zum bedarfsbasierten Energieausweis Untersuchungsschritte nachgeholt, die die dena nicht durchführte.

Sechs von der Dena gelistete Aussteller haben unabhängig voneinander sieben Energieausweise für ein Mehrfamilienhaus und drei weitere Aussteller drei Energieausweise für ein Einfamilienhaus ausgestellt. Für alle betrachteten Bewertungsebenen (Primärenergiebedarf, Heizwärmebedarf, Anlagenaufwandszahl, Bezugsfläche) bestehen erhebliche Abweichungen bei der mehrfachen unabhängigen Erstellung des Energiebedarfsausweises für ein und dasselbe Gebäude. Für die Untersuchung wurde das im dena- Feldversuch zum Energieausweis eingesetzte Rechenverfahren verwendet. Folgende Unterschiede traten
auf:

  Mehrfamilienhaus Einfamilienhaus
Anzahl erstellter Energieausweise 7 3
Primärenergiebedarfskennwert 50% 6%
Anlagenaufwandszahl 60% 54%
Bezugsfläche 44% 71%

Die unterschiedlichen Ergebnisse sind im Wesentlichen auf die unterschiedlichen Eingangsdaten, d.h. die unterschiedliche Bewertung des Gebäudes und seiner Anlagentechnik bzw. des beheizten Volumens durch die Energieausweisersteller, zurückzuführen.

Mit den Ergebnissen werden die praktischen Grenzen des Einsatzes von Energiebedarfsausweisen deutlich gemacht. Damit sollen jedoch keinesfalls Energiebedarfsberechnungen an sich diskreditiert werden. Bei einer ausführlichen Energieberatung durch erfahrene Energieberater und mit der entsprechenden Zeit (und damit den Kosten) zur Begutachtung des Gebäudes sind derartig große Unterschiede – wie im Praxistest aufgetreten – eher nicht zu erwarten. Diese Qualität kann der gesetzlich vorgeschriebene Energieausweis jedoch aus zwei Gründen nicht leisten,
- als Breiteninstrument auch für Gebäude, in die in absehbarer Zeit nicht investiert wird, muss er
  einfach und kostengünstig (und damit im Aufwand begrenzt) bleiben
- es ist eine große Anzahl von Ausstellern notwendig.

Gleichzeitig muss der Energieausweis in seiner möglichen Wirkung richtig bewertet werden. Der gesetzlich vorgeschriebenen Energieausweis kann lediglich die Funktion einer reinen Erstinformation erfüllen. Diese kann – sowohl beim Bedarf als auch beim Verbrauch – Schwankungsbreiten haben. Die Stärken und Schwächen der beiden Verfahren – bedarfsbasierter Energieausweis und verbrauchsbasierter Energieausweis – müssen gerade unter Berücksichtigung des Aufwands zur Datenerfassung, der Interpretationsspielräume und evtl. anstehender Investitionen deutlicher gemacht werden, damit der Auftraggeber in der Lage ist, das passende Verfahren auszuwählen.

Die Kosten der im Praxistest ausgestellten Energieausweise bestätigen die Aussage im Evaluierungsbericht des dena-Feldversuches, dass die dort erstellten Energieausweise im Wesentlichen nicht kostendeckend waren.

Aufgrund der sehr unterschiedlichen und subjektiv geprägten Empfehlungen zur Verbesserung der Energieeffizienz im Energiebedarfsausweis (unwirtschaftliche Empfehlungen eingeschlossen) ist eine höhere Qualität gegenüber einer allgemeinen Information über wirtschaftliche Maßnahmen zur Verbesserung der Energieeffizienz nicht ersichtlich.

Das bedarfsbasierte Verfahren wurde bisher der Öffentlichkeit als objektive Methode vorgestellt. Soweit es das eigentliche Rechenverfahren betrifft, ist dies unstrittig. Die Datenaufnahme unterliegt aber einer subjektiven Bewertung, was sich im Ergebnis der Bedarfsberechnung spiegelt. Bei Betonung der Objektivität entsteht so eine Scheingenauigkeit in der energetischen Bewertung von Gebäuden.

Ein Energieausweis kann und soll nicht mehr und nicht weniger, als das Thema Energieverbrauch und –effizienz in das Bewusstsein sowohl potentieller Käufer und Mieter als auch der Eigentümer zu rücken und bei Bedarf einen Anstoß zu geben, genauere Untersuchungen durchzuführen. Der Energieausweis ersetzt keine Energieberatung und schafft keinen verbesserten Verbraucherschutz. Dies auch insofern nicht, als dass ein Energieausweis in Mehrfamilienhäusern keine Aussage zum konkreten Energieverbrauch einer bestimmten Wohnung geben kann.

Es kann auch nicht ernsthaft erwartet werden, dass allein aufgrund des Energieausweises in größerem Umfang Investitionen in die Energieeinsparung im Gebäudebestand ausgelöst werden. Investitionsentscheidungen sind sehr komplex und u.a. abhängig vom lokalen Markt, den Rahmenbedingungen und der Finanzierbarkeit

Dies bestätigt auch der Evaluationsbericht zum dena-Feldversuch. Die Hälfte der befragten Eigentümer will zwar später Modernisierungstipps ganz oder teilweise umsetzen oder hat sie schon konkret in Planung. Von dieser Hälfte der Eigentümer gaben nur ein Drittel der Eigenheimbesitzer und Privatvermieter sowie ca. 7% der Wohnungsunternehmen an, der Ausweis gäbe den Anstoß zur Durchführung energiesparender Maßnahmen. Zu berücksichtigen ist dabei, dass Teilnehmer des Feldversuches besonders interessierte und motivierte Eigentümer waren und noch keine gesetzliche Verpflichtung bestand.

Der Energieausweis kann kein Konjunkturprogramm sein. Eine viel größere Anreizwirkung zur Energieeinsparung geht von den zurzeit steigenden Energiepreisen aus von denen auch die Wohnungsunternehmen stark betroffen sind. Eine weitere große Unterstützung werden in den nächsten Jahren die im Koalitionsvertrag vorgesehenen stark erweiterten Fördermittel für die energetische Sanierung darstellen.

Ansprechpartner:

GdW
Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen e.V.
Dipl.-Phys. Ingrid Vogler
Tel:: 030 82403 176
E-Mail: vogler@gdw.de

Haus & Grund Deutschland
Wolf-Bodo Friers
Tel. 030 20216-0
E-Mail: friers@haus-und-grund.net

Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen e.V.
Ronny Herholz
Tel. 030 32781-0
E-Mail: office@bfw-bund.de

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung durch Haus & Grund.
18.07.2006
© DIMaGB.de auf die HTML-Fassung

Die Dokumentation steht demnächst als PDF zum Herunterladen zur Verfügung.

Querverweis:
:: Bedarfspass vs. Verbrauchpass: ein Praxisbeispiel aus Nürnberg (12.2005)

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Energieausweis für den Gebäudebestand jetzt einführen
Der Energieausweis kommt – und das ist gut so


Der Energieausweis muss endlich als Instrument eingeführt werden. Als Ausweis, dessen Berechnungsverfahren in den Hintergrund tritt. Der dafür aber von einem breiten Konsens aller getragen wird. Auch von denen, die ihn bezahlen sollen: den rund 20 Millionen Eigentümern in Deutschland.


Rahmenbedingungen des Energieausweises
In seinem Jahrbuch 2004 errechnet das statistische Bundesamt für Deutschland einen Bestand von über 17 Millionen Wohngebäuden. Für die Eigentümer sieht die so genannte Energieeffizienzrichtlinie aus dem Jahre 2002 einen „Ausweis über die Gesamtenergieeffizienz“ vor, kurz Energieausweis oder Energiepass.

Ziel der Richtlinie ist eine Verbesserung der Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden. Das Hauptinstrument zur Durchsetzung des Ziels ist die europaweite Einführung des Energieausweises. Art. 7 der Richtlinie verlangt, dass „beim Bau, beim Verkauf oder bei der Vermietung von Gebäuden dem Eigentümer bzw. dem potenziellen Käufer oder Mieter vom Eigentümer ein Ausweis über die Gesamtenergieeffizienz vorgelegt wird“.

Umgesetzt wurde die Richtlinie in Deutschland in einem ersten Schritt durch das im September 2005 in Kraft getretene Energieeinsparungsgesetz (EnEG). Einzelheiten zum Energieausweis sollen dann in der Energieeinsparverordnung (EnEV) geregelt werden. Die Vorlage des mit großer Spannung erwarteten Referentenentwurfs dieser Verordnung steht unmittelbar bevor.


Verbrauch und Bedarf
Der Verordnungsgeber muss eine Antwort auf die zwischen allen Beteiligten diskutierte Frage finden, ob dem Verbrauchsausweis (Energieausweis auf Basis des gemessenen witterungsbereinigten Verbrauchs) oder dem Bedarfsausweis (Ausweis der den Energiebedarf rechnerisch unter Normbedingungen ermittelt) der Vorzug gegeben werden soll.

Legt man den Text der Energieeffizienzrichtlinie zugrunde, kann die Auswahl zwischen Verbrauchs- und Bedarfsausweis dem betroffenen Gebäudeeigentümer überlassen werden.

Da beide Varianten mit Nachteilen behaften sind, erscheint dies auch sinnvoll. Eine überzeugende Begründung für die zwangsweise schematische Einführung eines bestimmten Ausweises gibt es jedenfalls nicht.


Bedarfsausweis im Praxistest
In einem Praxistest der Immobilien-Spitzenverbände ist der Bedarfsausweis indes durchgefallen.

Die beteiligten Verbände hatten zwei Objekte ausgewählt und unabhängig voneinander von Energieberatern untersuchen lassen. Mehrere Bedarfsausweis nach dem dena-Verfahren wurden ausgestellt. Analyseziele: Die vermuteten Unterschiede bei der Ermittlung der festzustellenden Werte waren aufzudecken.

Die Ergebnisse sowohl für das Einfamilienhaus, als auch für das Mehrfamilienhaus hätten deutlicher kaum ausfallen können. 60 % Unterschied in der Disziplin Primärenergiebedarf beim Mehrfamilienhaus und 54 % für das Einfamilienhaus.

Bei einer Einteilung nach dem – erfreulicherweise nicht mehr diskutierten - Stufenlabel wären damit Klassifizierungen von C bis E möglich gewesen. Theoretisch hätte den Objekten damit nach einer durchgeführten Modernisierung ein schlechteres Ergebnis als vor der Modernisierung bescheinigt werden können.

Betrachtet man daneben noch die teilweise abenteuerlichen Modernisierungstipps bleibt festzuhalten: Die Ausweise waren Ihren Preis von bis zu 1.070 EURO nicht wert.


Mängel der Bedarfsermittlung systembedingt
Wirklich überraschen durfte das Ergebnis des Praxistests aber niemanden. Wenn keine exakte Kenntnis über die verwendeten Baustoffe, die Schichtdicken und die Anlagentechnik vorliegt, können gravierende Fehleinschätzungen auftreten.

Was angesichts der tatsächlichen Situation diplomatisch ausgedrückt ist. Bei über 300.000 aktuell in Deutschland produzierten und einer noch größeren Anzahl „antiker“ Baustoffe, ohne Gewähr, dass das in der Baubeschreibung aufgeführte Material vor Ort auch verbaut worden ist und angesichts der Tatsache, dass 52 % aller Gebäude in Deutschland mit Baumängeln behaftet sind, liegt eine deutlichere Formulierung nahe.


Verbrauchsausweis zuverlässig
In der Praxis ist der Verbrauchsausweis regelmäßig genauer als der Bedarfsausweis.

Zwar kann nicht bestritten werden, dass ein Ausweis, der den Energieverbrauch eines Gebäudes ermittelt, vom Nutzerverhalten beeinflusst wird. Auf den ersten Blick scheint der Bedarfsausweis, der den Energiebedarf rechnerisch ermittelt, objektiver. Aber eben nur auf den ersten Blick.

Raumtemperaturen werden nur in einem Bereich zwischen 18° C und 24° C als behaglich empfunden. Außerhalb dieser Temperaturspanne wird nur eine statistisch nicht mehr relevante Anzahl an dauerhaft bewohnten Gebäuden beheizt. Veränderungen der Raumtemperatur innerhalb dieser üblichen Spanne beeinflussen den Verbrauch aber nur verhältnismäßig gering.

So steigt im Altbau der Heizwärmebedarf bei einer Erhöhung der Raumtemperatur von 19° C auf 22° C lediglich um 25 %. Diese durch einen Nutzer verursachte – dem Verbrauchsausweis immer wieder vorgehaltene - Ungenauigkeit liegt deutlich unter der Abweichung um bis zu 60 % die im Praxistest für den Bedarfsausweis ermittelt wurde.


Haus & Grund Optionsmodell
Die über 8 Milliarden EURO, die beispielsweise der dena-Bedarfsausweis gegenüber einem von Haus & Grund Deutschland favorisierten Options-Modell an Mehrkosten verursacht, könnten besser in energetische Sanierungen investiert werden.

Zur Erstellung des Haus & Grund-Ausweises übermittelt der Eigentümer eines Gebäudes einem Energieberater - aufbereitet - alle vorhandenen Daten zum Gebäude und zum Verbrauch. Der Energieberater prüft die Daten und entscheidet, nach einer Plausibilitätsprüfung, ob ein Verbrauchs- oder Bedarfsausweis ausgestellt werden kann oder, was auch möglich ist, ob weitere Untersuchungen vor Ort erforderlich sind.

Dabei soll nicht unterschlagen werden: Für viele Ein- und Zweifamilienhäuser kann es keinen Verbrauchsausweis geben. Wo keine nachvollziehbaren Angaben zum Gebäude oder zum Verbrauch gemacht werden können, muss der Bedarfsausweis errechnet werden. Aber, und darauf kommt es an, es gibt in Deutschland auch Ein- und Zweifamilienhäuser für die ein Verbrauchsausweis erstellt werden kann, der die Vorgabe der europäischen Richtlinie erfüllt.


Energieausweis jetzt einführen
Der Energieausweis soll Energie sparen und damit den Kohlendioxid-Ausstoß reduzieren. Ein Ziel, dass die wohnungswirtschaftlichen Verbände und ihre Mitglieder aktiv unterstützen. In den letzten Jahren wurde ein zweistelliger Milliardenbetrag in die energetische Sanierung des Gebäudebestandes investiert.

Dagegen ist der wissenschaftliche Streit um das perfekte Berechnungsverfahren wenig zielführend. Denn auch der Bedarfsausweislobby wird klar sein: Durch die Einführung eines Energieausweises allein wird keine Energie eingespart, kein Klimaschutz gefördert.

Mit einem Bedarfsausweis lässt sich indes Geld verdienen. Für gefüllte Auftragsbücher der Architekten, Ingenieure, Dämmstoff- und Gebäudetechnikindustrie und, neben weiteren, der Hersteller von Energiebedarfs-Software fühlen sich die Eigentümer in Deutschland jedoch nicht verantwortlich.

Das mag denjenigen, die den Wunsch nach einem aufregenden Berechnungsverfahren verspüren, nicht gefallen. Dennoch: Beide Berechnungsverfahren, also den Bedarfs- und den Verbrauchsausweis, zuzulassen, bringt uns dem gemeinsamen Ziel näher.

Haus & Grund Deutschland
Zentralverband der Deutschen Haus-,
Wohnungs- und Grundeigentümer e.V.
Ansprechpartner/in RA Wolf-Bodo Friers
Datum Juni 2006

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Argumentationshilfe zum Energieausweis
Aktuelle Diskussion zur Einführung eines Energieausweises

Die Bundesregierung muss 2006 die Energieeffizienzrichtlinie umsetzen und einen „Ausweis über die Gesamtenergieeffizienz“ (Energieausweis) einführen.

Der Ausweis soll Auskunft darüber geben, welche Energiemenge ein Gebäude tatsächlich verbraucht oder welche Energiemenge für das Gebäude rechnerisch veranschlagt wird.

Die Frage, ob dem Verbrauchsausweis (Energieausweis auf Basis des gemessenen witterungsbereinigten Verbrauchs) oder dem Bedarfsausweis (Ausweis der den Energiebedarf rechnerisch unter Normbedingungen ermittelt) der Vorzug gegeben werden soll, ist heftig umstritten.

Den Beteiligten, die sich von der Einführung des Energieausweises eine Belebung ihrer Auftragslage - auf Kosten der Immobilieneigentümer – erhoffen, kann der Energieausweis teilweise nicht komplex genug sein: Der Dämmstoff- und Gebäudetechnikindustrie, den Ingenieuren, Architekten, Energieberatern, dem Handwerk.

Dass es für die zwangsweise schematische Einführung eines Bedarfsausweises keine überzeugende Begründung gibt, soll diese Argumentationshilfe zeigen:


„Mehr Energie-Effizienz ist der richtige Weg“

Nein. Effizienz steht für ein System, in dem versucht wird, mit immer neuen Gesetzen und Vorschriften scheinbare Verbesserungen zu erreichen. Damit verhindert das Effizienzdenken Innovationen, weil sich alles um das Bestehende dreht, das man ein bisschen reduzieren will, sagt Michael Braungart (Gründer des Vorläufers der Bündnis 90/Die Grünen, die „Grüne Aktion Zukunft“ in „brand eins“ 3/2005). Sein Tipp: Nicht mit schlechtem Gewissen zum Recycling-Container gehen, sondern Produkte entwickeln, die „öko-effektiv“ aus dem Zugfenster geworfen werden können.


„Die Einführung eines Energieausweises spart Energie“

Kaum. Selbst die Befürworter des Energieausweises wissen, dass dessen Einführung unmittelbar keine Auswirkungen auf den Energieverbrauch in Deutschland haben kann. Sie setzen ihre Hoffungen auf mittelbare Auswirkungen - die ausbleiben werden.

Das ersehnte mittelbare Sparpotenzial beruht auf einer falschen Annahme: Die Einführung des Energieausweises soll zu einer Zunahme der Transparenz des Immobilienmarktes führen. Dies wiederum werde, so die Theorie, zur Folge haben, dass Miet- und Kaufinteressenten nur noch Objekte nachfragen, die „energetisch hochwertig“ sind, was die Eigentümer der übrigen Immobilien zur Modernisierung zwinge. Die Modernisierung bedeute dann Energieeinsparung.

Die Vertreter dieser Theorie sind Opfer ihrer eigenen Simplifizierungen geworden. Eine Immobilie ist kein Kühlschrank, keine Waschmaschine.

Kühlschrank und Waschmaschine sind industriell gefertigte Gebrauchsgegenstände. Die Modellvielfalt ist begrenzt. Die Geräte sollen einen Zweck erfüllen. Die Investition ist überschaubar. Niemand muss sich mit seinem Kühlschrank wohl fühlen. Hier mag der Energieverbrauch ein entscheidendes Kaufkriterium sein.

Anders eine Mietwohnung oder das zukünftige Eigenheim. Die Entscheidung eine Immobilie anzumieten oder zu kaufen wird nur ausnahmsweise von der energetischen Qualität bestimmt.

Hauptumzugsmotive sind (Mehrfachnennung möglich):

- Schlechtes Wohnumfeld über 60 %
- Eigentum fast 50 %
- Haushaltsvergrößerung über 30 %
- Schönere Wohnung über 30 %
- Alte Wohnung zu klein fast 30 %
- Schlechte Ausstattung der alten Wohnung fast 30 %
- Schlechte Bewohnerzusammensetzung fast 30 %

(Quelle: empirica, „Akzeptanz und Marktsituation für neue Wohnbauprojekte in Berlin“, Dritter Marktbericht, Berlin 1999)


„Der Energieausweis belebt die Konjunktur“

Falsch. Die Einführung des Energieausweises wird die Konjunktur nicht beleben. Die Anzahl der auszustellenden Ausweise wird gering bleiben. Modernisierungen in nennenswertem Umfang wird es nicht geben. Weder im Segment der großen Mehrfamilienhäuser, noch bei den Ein- und Zweifamilienhäusern.

a) Mehrfamilienhäuser
Im Bereich der großen Mehrfamilienhäuser gibt es zwar häufiger Mieterwechsel; dort liegt die Fluktuation bei rund 10 Prozent. Eine Auftragsflut für die Aussteller von Energieausweisen hat dies aber nicht zur Folge. Der Energieausweis wird gebäudebezogen erstellt werden müssen. Die Anzahl der betroffenen Gebäude ist aber verhältnismäßig gering. Und wenn ein Ausweis auszustellen ist, sind die Eigentümer dieser Immobilien hierzu selbst in der Lage.

Auch der Markt für energetische Gebäudemodernisierung wird in diesem Segment keinen nennenswerten Aufschwung verzeichnen können. Der Wohnungsbestand der Wohnungsunternehmen im GdW wurde in den letzten 10 Jahren mit einem Aufwand von fast 114 Milliarden Euro aufgewertet. Weitere Investitionen sind in diesem Bestand nicht notwendig und nicht geplant.

b) Ein- und Zweifamilienhäuser
Über 82 Prozent aller Wohngebäude sind Ein- und Zweifamilienhäuser. Damit betrifft dieses Segment zwar die überwiegende Anzahl der Gebäude. In diesem Ausschnitt des Marktes werden pro Jahr aber nur 42.000 Wohnungen vermietet und nur 400.000 Gebäude verkauft. Damit ist die Anzahl der auszustellenden Energieausweise gering. Die Anzahl der durch die Einführung der Ausweise initiierten Modernisierungen wird dann kaum noch ins Gewicht fallen.


„Der Energieausweis soll für Transparenz auf dem Immobilienmarkt sorgen“

Das einzige Ziel der Europäischen Energieeffizienzrichtlinie ist die Verbesserung der Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden.

Es gibt weder im Text der Richtlinie noch im Vorschlag der Kommission oder den Stellungnahmen der Ausschüsse Hinweise darauf, dass der Energieausweis die Transparenz des Immobilienmarktes erhöhen soll. Die Richtlinie geht in ihrer Einleitung lediglich davon aus, dass mehr Transparenz eine praktische Auswirkung der Umsetzung der Richtlinie sein wird.


„Der Energieausweis ist ein Verbraucherschutzinstrument“

Nein. Verbraucherschutz meint Maßnahmen, die Menschen in ihrer Rolle als Verbraucher von Gütern oder Dienstleistungen schützen sollen, wenn sie gegenüber Anbietern „strukturell unterlegen“ sind. Diesen Zweck verfolgt die Europäische Energieeffizienzrichtlinie nicht.


„Die Kosten der Immobilieneigentümer sind nicht zu berücksichtigen“

Im Gegenteil. Der Wirtschafts- und Sozialausschuss erinnert in seiner Stellungnahme (2002/C 36/04) daran, dass darauf zu achten ist, dass Eigentümer nicht unangemessene Lasten zu tragen haben, die den Zielen der Richtlinie zuwider laufen.


„Der Bedarfsausweis ist genauer als der Verbrauchsausweis“

Ein verbreiteter Irrtum. Die rechnerische Ermittlung des Energiebedarfs ist von vielen Annahmen abhängig.

Selbst bei einem neu errichteten Gebäude gilt: Die Berechnungen nach DIN 4108 bzw. 4107 sind lediglich Näherungsberechnungen. 40 % und mehr Abweichung (!) zwischen berechneten und tatsächlichen Werten sind dabei nicht unüblich.

Für den Gebäudebestand kann noch nicht einmal eine Aussage über mögliche Abweichungen getroffen werden. Wenn keine exakte Kenntnis über die verwendeten Baustoffe, die Schichtdicken und die Anlagentechnik vorliegen, können gravierende Fehleinschätzungen auftreten (Dr.-Ing. Klaus-Dieter Clausnitzer in „Schornsteinfeger“ 03/05).

Nur eins ist sicher: Die benötigte exakte Kenntnis über den Aufbau eines Ein- oder Zweifamilienhäuser liegt regelmäßig nicht vor.

Es gibt in Deutschland nicht nur über 300.000 aktuell produzierte und eine noch größere Anzahl „antiker“ Baustoffe und -materialien. Bauträger oder Bauunternehmer behalten sich auch üblicherweise in Baubeschreibungen mit der Formulierung „oder ähnlich“ eine Abweichung von der schriftlich fixierten Ausführung vor, wenn überhaupt eine aussagekräftige Baubeschreibung vorliegt.

Hinzu kommen selbst oder noch durch einen Voreigentümer durchgeführte Ausbauten und Modernisierungen.

Und auch wenn ein Eigentümer noch über alte Vertragsunterlagen zu seinem Gebäude verfügt, kann niemand mit Sicherheit sagen, dass das in der Baubeschreibung aufgeführte Material vor Ort auch tatsächlich verbaut worden ist. Mehr als die Hälfte aller Gebäude in Deutschland ist mit Baumängeln und Bauschäden behaftet.

Die Auswirkungen auf die energetische Qualität sind enorm. Hat beispielsweise der Bauunternehmer anstatt 15 cm Dämmstoffdicke nur 8 cm Dicke eingebracht, sind die Energieverluste über die Außenwand um bis zu 40 % höher.

Hinzu kommt, dass sich die Wirkung von Dämmstoffen alterungsbedingt oder durch Schädlingsbefall ändert. Berechnungen, wie sich diese Veränderungen auf den Energieverbrauch auswirken, gibt es nicht.

Bereits wenige Jahre nach dem Bau lässt sich damit der Energiebedarf eines Gebäudes rechnerisch nicht mehr exakt bestimmen. Und die Wahrscheinlichkeit, dass der „errechnete“ Bedarf schlicht falsch ist, steigt von Jahr zu Jahr.


„Für Ein- und Zweifamilienhäuser kann es nur Bedarfsausweise geben“

Auch für Ein- und Zweifamilienhäuser können Verbrauchsausweise erstellt werden. Verbrauchsausweise sind nicht weniger aussagekräftig, ungenauer oder weniger richtig als Bedarfsausweise.

Nachteil eines Verbrauchsausweises sei, so dessen Gegner, dass das individuelle Wohnverhalten den Verbrauch beeinflussen kann. Das schlage gerade bei Gebäuden mit wenigen Wohneinheiten durch.
Unbestreitbar ist, dass das Wohnverhalten den Verbrauch beeinflusst. Trotzdem ist der Verbrauchsausweis genauer und „richtiger“ als der Bedarfsausweis: Die praktisch möglichen Auswirkungen des Nutzerverhalten auf den Verbrauch sind geringer als die bei der Bedarfsermittlung zulässige Abweichung zwischen berechneten und tatsächlichen Werten von über 40 %.

Ein Wert, der in einem Praxistest der Spitzenverbände der Immobilienwirtschaft noch übertroffen wurde: Die beteiligten Verbände hatten zwei Objekte ausgewählt und unabhängig voneinander von Energieberatern untersuchen lassen. Mehrere Bedarfsausweis nach dem dena-Verfahren wurden ausgestellt. Analyseziele: Die vermuteten Unterschiede bei der Ermittlung der festzustellenden Werte waren aufzudecken.

Die Ergebnisse sowohl für das Einfamilienhaus, als auch für das Mehrfamilienhaus hätten deutlicher kaum ausfallen können. 60 % Unterschied in der Disziplin Primärenergiebedarf beim Mehrfamilienhaus und 54 % für das Einfamilienhaus.

Die viel beschworene Einflussgröße Nutzerverhalten nimmt sich dagegen bescheiden aus: Raumtemperaturen werden nur in einem Bereich zwischen 18° C und 24° C als behaglich empfunden. Außerhalb dieser Temperaturspanne wird nur eine statistisch nicht mehr relevante Anzahl an dauerhaft bewohnten Gebäuden beheizt. Veränderungen der Raumtemperatur innerhalb dieser üblichen Spanne beeinflussen den Verbrauch aber nur verhältnismäßig gering.

In einem Altbau erhöht sich beispielsweise der Heizwärmebedarf bei einer Erhöhung der Raumtemperatur von 19° C (EnEV-Referenzwert) auf 22° C um 25 %.


„Verbrauchs- und Bedarfsausweis können nicht nebeneinander existieren“

Verbrauchs- und Bedarfsausweise können ohne Verstoß gegen die Energieeffizienzrichtlinie auch dauerhaft nebeneinander bestehen.

Die Richtlinie gibt weder einen Bedarfs- noch einen Verbrauchsausweis vor. Sie lässt beide Varianten nebeneinander zu.


„Verbrauchs- und Bedarfsausweis können nicht miteinander verglichen werden“

Ein Vergleich ist ohne weiteres möglich. Der Unterschied zwischen beiden Varianten besteht nur in der Berechnungsmethode.

Der Verbrauchsausweis wird auf Basis des gemessenen witterungsbereinigten Verbrauchs erstellt. Beim Bedarfsausweis wird der Energiebedarf rechnerisch unter Normbedingungen ermittelt. Beide Varianten werden aber eine Zahl ausweisen, die den jährlichen Energiebedarf je Quadratmeter (kWh/m2 a) beschreibt. Der ausgewiesene Energiebedarf eines Verbrauchsausweises kann dann ohne weiteres mit dem Energiebedarf eines Bedarfsausweises verglichen werden.


„Der Verbrauchsausweis lässt keine individuellen Modernisierungsempfehlungen zu“

Individuelle Modernisierungsempfehlungen sind nicht erforderlich.

Gem. Art. 7 Abs. 2 der Gesamtenergieeffizienzrichtlinie sind „dem Energieausweis Empfehlungen für die kostengünstige Verbesserung der Gesamtenergieeffizienz beizufügen“. Ausreichend sind nach dem Wortlaut der Richtlinie damit auch in einem Informationsblatt zusammengestellte allgemeine Tipps.

Haus & Grund Deutschland
Zentralverband der Deutschen Haus-,
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Ansprechpartner/in RA Wolf-Bodo Friers
Datum Juni 2006

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