Bauen wir noch richtig?
Um das Klima zu retten, werden in den letzten
Jahrzehnten mit Vorschriften Bautechniken durchgesetzt, die vielerorts zu
Bau- und Feuchteschäden führen. Schimmelpilzkolonien in Innenräumen mehren
sich, Mietminderungen sind oft die Folgen. Vorausgesagte Energieeinsparungen
treten nicht ein, die neuen Bauten gewährleisten keine Langlebigkeit. Ärger
und Verdruß breiten sich aus, die Wohnungswirtschaft wird dadurch stark
verunsichert. Was ist nur los mit dem Bauen ?
Haus & Grund Rheinland-Pfalz hat hierzu Prof.
Dr.-Ing. habil. Claus Meier, ehemals Leiter des Hochbauamtes Nürnberg und
ausgezeichneten Kenner der Wissenschaftsszene befragt. Er verfolgt die
Aktivitäten lobbyistisch motivierter Gruppierungen seit Jahrzehnten und
weist demgegenüber immer wieder auf das richtige Bauen hin, damit der Kunde,
der Bauherr und der Investor endlich redlich und seriös beraten wird.
Frage: Sie sprechen vom “Richtigen Bauen”
Wird denn zur Zeit falsch gebaut?
CM: Diese Frage muß bejaht werden. Es werden
bautechnische Fehlentwicklungen vorangetrieben, wobei zu viele Irrtümer und
Fehleinschätzungen Pate stehen. Bewährtes Erfahrungswissen wird negiert, die
Grundlagen des Wissens werden vernachlässigt. Sich dem zu entziehen, bedarf
es endlich der Wiedergeburt alten Wissens, dokumentiert auch in alten
Büchern. Die Vergangenheit hat gut gebaut, die Gegenwart jedoch wird von zu
vielen Bauschäden begleitet. Es gilt, diesen Trend zu stoppen.
Frage: Was ist beim Bauen denn nun
bautechnisch schief gelaufen?
CM: Hier muß vor allem der Wärmeschutz
angesprochen werden. Früher diente er dem hygienischen Anspruch,
Feuchteschäden und Schimmelpilze zu vermeiden. Heute dagegen wird
Wärmeschutz als ”Energieeinsparung” gesehen – nur allein dies wird
propagiert. Dabei muß gesagt werden: Früher wurde mit ”schlechtem”
Wärmeschutz Schimmel vermieden, heute mit ”gutem Wärmeschutz” dagegen
gedeiht er, also kann es nicht am “Wärmeschutz” liegen. Der Grund ist: Die
dominierende Ursache von Schimmelpilz ist ein mangelhaftes Lüften und
Heizen. Ungenügendes Lüften führt zu einer zu hohen Feuchte im Raum – und
dann eben zur Schimmelpilzbildung. Bei einer normalen Feuchte im Raum
dagegen besteht keine Gefahr für eine Schimmelpilzbildung, selbst bei einem
”schlechten Wärmeschutz”, wie er früher üblich war. ”Energieberater”, die
dies diagnostizieren, liegen falsch. Allerdings wird ein zu feuchtes
Innenraumklima auch unterstützt durch zu dichte Fenster. Falsch verstandenes
”Energiesparen” führt hier zum bautechnischen Dilemma.
Frage: Wird nicht ein ”guter Wärmeschutz”
wegen der notwendigen Energieeinsparungen notwendig?
CM: Nicht unbedingt. Wenn durch den
geforderten ”guten Wärmeschutz” Bau- und Feuchteschäden zunehmen, dann muß
darauf verzichtet werden, zumal Wärmeschutz, wie er heute in einfältiger
Weise verstanden wird, sich ausschließlich auf die Dämmung beschränkt.
Speicherung einer Wand ist jedoch genau so wichtig. Hier liegt der
entscheidende Fehler bei der wärmetechnischen Beurteilung einer
Außenkonstruktion. Bei den täglichen Temperaturschwankungen durch
Sonnenstrahlen muß eine temperaturstabile Konstruktion gewählt
werden, besonders im Sommer, aber auch im Winter. Nur eine Massivwand mit
großer Speicherfähigkeit kann dies leisten. Dämmstoff besteht nur aus Luft
und ist deshalb viel zu leicht, um den Temperaturveränderungen widerstehen
zu können.
Frage: Ein Wärmedämmverbundsystem ist doch
auch eine massive Konstruktion, ist dies nicht eine Alternative?
Frage: Energieeinsparung, Klimakatastrophe
und Minderung der CO2-Emissionen halten Sie für eine bewußte
Irreführung – warum eigentlich?
CM: Es hat sich gezeigt, daß eine
nachträgliche Verbesserung der Dämmung kaum energetische Vorteile bringt,
damit aber wird auch kein CO2 gespart. Aber was viel wichtiger
ist: Die Klimakatastrophe ist schlichtweg eine Fata Morgana. Die seit
Urzeiten vorliegende Wellenbewegung der globalen Temperatur hängt von der
Sonne ab, nicht aber vom CO2-Gehalt der Atmosphäre. Die
”Klimakatastrophe” ist ein Konstrukt der Atomindustrie, die ja Energie ohne
CO2-Ausstoß liefert. Hier sei nur an folgendes erinnert: Die vor
etwa 1,5 Millionen Jahren beginnenden sechs Eiszeiten wurden ja durch
Warmzeiten unterbrochen. Schuld an diesen Warmzeiten war mit Sicherheit aber
nicht der Mensch. Die Linie Prag-Frankfurt-Südengland-Irland kennzeichnet
die größte Ausdehnung des Eises in Europa. Heute beschränkt sich das Eis auf
Grönland und ein paar Alpengletscher. Es ist einfach ungehörig, den Menschen
ein schlechtes Gewissen einreden zu wollen und ihn glauben zu lassen, er
könne globales Klima beeinflussen – und dafür müßten finanzielle Opfer
erbracht werden.
Frage: Die finanzielle Belastung beim Energie
sparen ist groß. Was sagen Sie dazu?
CM: Die investierten Kosten sind in der Tat
sehr groß und amortisieren sich nicht. Ein wesentlicher Part in der
Desinformation der Kunden ist deshalb die Frage nach der Wirtschaftlichkeit.
Es gibt keinen seriösen Nachweis, der die heute geforderten oder empfohlenen
”Energieeinsparungsmaßnahmen” als wirtschaftlich ausweist. So mancher
Hauseigentümer hat damit schon seine ganz persönlichen Erfahrungen gemacht.
Die mögliche Umlegung der Investitionskosten auf die Mieter stößt auf
Widerstand, weil die versprochenen Heizkosteneinsparungen nicht eintreten -
ein typischer Fall von fehlerhaften Aussagen durch falsche Berechnungen. Der
Kunde wird hinters Licht geführt.
Frage: Warum ist dann trotzdem überall zu
lesen, daß sich die Energieeinsparmaßnahmen bereits nach wenigen Jahren
amortisieren würden?
CM: Dies alles sind nur Wunschträume der
Initiatoren dieser Dämmhysterie. Begünstigt werden solche Aussagen auch noch
durch fehlerhafte Interpretationen von Wirtschaftlichkeit. Was hier dem
Kunden vorgesetzt wird, ist Lug und Trug. Die positiven
Wirtschaftlichkeits-Nachweise sind manipuliert und schön gerechnet.
Frage: Was aber sind nun die empfehlenswerten
Konstruktionen für den Althausbestand?
CM: Da der Altbaubestand aus massiven
Wandkonstruktionen besteht, ist hier alles so zu belassen, zumal infolge der
Absorption von Solarenergie die ”berechneten” Energiebedarfszahlen sowieso
nicht stimmen. Darüber hinaus sollten aus schalltechnischen Gründen
eventuell vorhandene Kastenfenster unbedingt erhalten bleiben, denn die
offerierten ”Wärmeschutzgläser” haben gegenüber den Kastenfenstern einen
schlechten Schallschutz. Besonders ist darauf hinzuweisen, daß eine
Strahlungsheizung sehr große Vorteile hat und deshalb erhalten oder
eingebaut werden sollte. Heute kann man, in Ergänzung zum alten Kachelofen,
mit Strahlplatten oder temperierten Wänden die enormen Vorzüge dieser
Heiztechnik verwirklichen.
Frage: Warum empfehlen Sie eine
Strahlungsheizung?
Frage: Von Firmen und Bauleuten wird meist
auf einzuhaltende DIN-Normen hingewiesen. Sind diese beim Bauen verbindlich?
CM: Die hehren Vorstellungen vieler über DIN
müssen korrigiert werden. All die bauphysikalisch-technischen Widersprüche
und Fehler werden in den DIN-Vorschriften wiederholt. Fehlerhaftes Bauen
wird damit durch DIN sogar legitimiert. Dies allerdings ist nicht
verwunderlich, denn DIN ist ein Instrument der Wirtschaft; DIN-Normen haben
nur den Charakter von Empfehlungen. Die Förder- und Kostenbeiträge der
Wirtschaft sind ein Gradmesser für die Notwendigkeit von Normungsvorhaben
und ein praxisnahes Steuerungsinstrument für die Normungsprogramme. Da durch
das Anwenden von Normen sich niemand der Verantwortung für eigenes Handeln
entzieht und somit auf eigene Gefahr handelt, ist die Verläßlichkeit der
DIN-Normen nicht gegeben. Damit wird klar, wie DIN einzuordnen ist. Wer sich
also in bautechnischen Fragen auf DIN stützt, kann deshalb Überraschungen
erleben. Deshalb ist Vorsicht geboten, wenn DIN-Vorschriften zum
Vertragsbestandteil werden.
Frage: Seit über einem Jahr gilt die
Energieeinsparverordnung. Ist diese für den Gebäudebesitzer verbindlich?
CM: Nicht zwingend, der Grund ist eindeutig.
Bei den inhaltlichen und methodischen Fehlern beim bauphysikalischen Gerüst
kann dann natürlich auch nicht die Energieeinsparverordnung stimmen. Mit der
EnEV werden Unwirtschaftlichkeit und Fehlerhaftigkeit zum Standard
neuzeitlichen Bauens. Wichtig ist hierbei der Hinweis, daß die DIN EN 832
”Berechnung des Heizenergiebedarfs”, auf die sich die EnEV stützt, ein
Rechenergebnis mit einer Streuung von
±43,3%
präsentiert. Berechnungen, auch die von sogenannten ”Energieberatern”,
können deshalb getrost in den Papierkorb wandern. Die Befreiung von der EnEV
nach § 17 kann deshalb generell genutzt werden. Bei Widerspruch sollte immer
darauf bestanden werden, daß für die offerierten Aussagen Garantie und
Haftung übernommen werden. Sehr schnell wird sich dann die Spreu vom Weizen
trennen.
Meier, C. Richtig bauen – Bauphysik im
Widerstreit – Probleme und Lösungen. Renningen-Malmsheim: expert verlag, 2.
Auflage 2003, 265 Seiten. ISBN: 3-8169-2187-6
Internet-Adressen, bei denen Texte von mir
zu finden sind:
http://ClausMeier.tripod.com
http://www.prof-meier-bauphysik.de
http://home.t-online.de/home/konrad-fischer
www.sancal.de
http://wilfriedheck.tripod.com
http://www.ernst-vill-verlag.de
www.dimagb.de
Architekt SRL, Bay AK
Neuendettelsauerstr. 39
07.03.2003
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