Das Lichtenfelser Experiment - Die Auswertung in Langfassung in HTML
Claus Meier
Dämmstoff im Vergleich
Bauphysikalische Grundlagen einer frappierenden Temperaturmessung
Die Baufachleute Fischer, Köneke, Lipfert, Meier
und Parsiegla haben mit dem "Lichtenfelser Experiment"
Temperaturveränderungen verschiedener Dämmstoffe ermittelt; der erste Vorbericht
erfolgte in [7]. Die Einstrahlung einer 150 W Lampe führte auf der Rückseite einer 4 cm
Schicht nach 10 Minuten zu sehr unterschiedlichen Temperaturen:
| |
Anfangstemperatur |
Endtemperatur |
| Mineralwolle |
21,4°C |
59,8°C |
| Polystyrol |
21,4°C |
35,4°C |
| Holzfaserplatte |
21,4°C |
22,2°C |
| Fichte |
20,6°C |
20,9°C |
| Vollziegel |
20,9°C |
23,4°C |
Bemerkenswert ist, dass Styropor, aber besonders
Mineralwolle entgegen der allgemeinen Vorstellungen sehr hohe Oberflächentemperaturen
aufwiesen. Diese Ergebnisse lösten Überraschung und Erstaunen, aber auch Proteste der
etablierten Bauphysik aus, denn immerhin wird der Fachwelt seit über 20 Jahren gesagt,
die Dämmung (sprich U-Wert) sei der entscheidende Part im Wärmeschutz von Gebäuden. Der
Tabelle ist jedoch zu entnehmen, dass bei den "Dämmstoffen" die Temperatur im
Bauteil sehr schnell hindurcheilt. Hängt dies vielleicht mit dem Speichervermögen
zusammen? Immerhin steht in [2]: "Für alle Räume, die unter Sonneneinstrahlung
leiden können, sollte ein gewisser Wärmeinhalt der Wände sichergestellt sein".
Zunächst müssen zwei Begriffe geklärt werden:
Die Temperatur ist das Maß für den Wärmezustand
eines Körpers, der sich infolge unterschiedlicher Wärmeeinwirkungen ständig
ändert. Demzufolge werden im Bauteil stets auch Temperaturströme in Gang gesetzt.
Hierfür sind Temperaturänderungen der umgebenden Luft, aber vor allem die Absorption der
externen Solarenergie mit daraus resultierenden hohen äußeren Oberflächentemperaturen
verantwortlich. Temperatur ist ein Qualitätsmerkmal.
Wärme dagegen ist eine Energieform,
die immer vom höheren zum niedrigeren Temperaturniveau fließt und damit einen
Wärmestrom hervorruft. Je größer die Temperaturdifferenz, desto größer der
Wärmestrom. Wärme ist Bewegungsenergie der Moleküle und ein Quantitätsmerkmal. Somit
bestimmen allein die Temperaturverhältnisse in einem Bauteil die Wärmeströme und
Energiebewegungen, die deshalb immer die Folge von Temperaturzuständen sind. Der
funktionelle Zusammenhang zwischen der Temperaturdifferenz und dem Wärmestrom lautet:

q = Wärmestrom (W/m²)
l =
Wärmeleitfähigkeit (W/mK)
Dd =
Temperaturdifferenz (K)
Ds =
Streckendifferenz im Bauteil (m)
Es wird deutlich, dass der Wärmestrom q durch das
Verhältnis der Temperaturdifferenz zur Streckendifferenz, dem Temperaturgradienten,
bestimmt wird. Ein sich ständig verändernder Temperaturgradient, gekennzeichnet durch
kurvige Isothermen, zeigt instationäre Verhältnisse an. Der Temperaturgradient spielt
für die Beschreibung der Wärmeströme also eine wichtige Rolle [14]. Auch die Definition
der Wärmeleitfähigkeit l ist bemerkenswert. In [3] steht: "Die
Wärmeleitfähigkeit l gibt an, welche Wärmemenge in einer Sekunde (J/s = W) durch
einen m² einer 1m dicken Schicht eines Stoffes im stationären Temperaturzustand
(Temperaturbeharrungszustand) hindurch geleitet wird, wenn das Temperaturgefälle
zwischen den beiden Oberflächen 1 K beträgt". Die Gültigkeit der Wärmeleitfähigkeit
l fordert
also den Temperaturbeharrungszustand, der jedoch, wie das Experiment zeigt, nie vorliegt
und in Realität auch nie vorliegen kann.
Deshalb ist in [4] zu lesen: "Die
Temperaturbewegungen werden durch periodisch auftretende Strahlungsvorgänge verstärkt,
so dass von den Elementen der Bauwerkshülle weniger Wärmedämmleistungen als
Wärmebeharrungsvermögen und Wärmespeicherfähigkeit verlangt wird. Damit kommen die
Rechengrößen c (spezifische Wärmekapazität), a (Temperaturleitfähigkeit) und b
(Wärmeeindringvermögen) ins Spiel".
Auch das Wärmespeichervermögen Qs muss bei einer
energetischen Beurteilung eines Bauteils beachtet werden, da es immerhin bedeutsam ist, ob
ein Bauteil viel oder wenig Energie zu "horten" imstande ist; Energie, die von
der Sonne kostenfrei geliefert wird.
Wichtige bauphysikalische Daten
Die spezifische Wärmekapazität c ist die
Wärmemenge, die erforderlich wird, um 1 kg eines Stoffes um 1 K zu erwärmen (Wh/kg K)
und ist nachfolgender Tabelle zu entnehmen (aus DIN 4108, Teil 4, Tabelle 7 - dort in J/kg
K).
Tabelle : Rechenwerte der spezifischen
Wärmekapazität c verschiedener Stoffe.

Holz und Holzwerkstoffe haben eine hervorragende
Wärmekapazität, deshalb sind massive Holzhäuser so vorteilhaft. Wasser ist
überragend und eignet sich somit als Wärmeträger bei Heizungen. Pflanzliche Fasern und
Schaumkunststoffe liegen zwar höher als die anorganischen Bau- und Dämmstoffe, sind
jedoch wegen geringer Raumgewichte als Speicher ungeeignet. Die Temperaturleitfähigkeit a
ist ein Maß für die Geschwindigkeit, mit der sich unterschiedliche Temperaturen
innerhalb des Materials ausgleichen, ist also ein Maß für den Temperaturstrom, der sich
bei Temperaturveränderungen im Bauteil einstellt. Deshalb steht auch in [8]: "Eine
Temperaturänderung pflanzt sich in einem Stoff umso schneller fort, je größer
die Temperaturleitfähigkeit a dieses Stoffes ist". Die Formel lautet:

Es ist besonders darauf hinzuweisen, dass bei der
Temperaturleitfähigkeit a nicht allein die Wärmeleitfähigkeit l maßgebend ist,
sondern darüber hinaus das Raumgewicht und die spezifische Wärmekapazität des Materials
mit einfließen. Der Wärmeeindringkoeffizient b ist ein Maß für die Fähigkeit eines
Materials, Wärme aufzunehmen oder wieder abzugeben. Je größer der
Wärmeeindringkoeffizient ist, desto mehr wird aufgenommen bzw. abgegeben und desto
langsamer erfolgt die Wärmeaufnahme bzw. -abgabe. Die Formel lautet:

Auch der Wärmeeindringkoeffizient b hängt
weitgehend vom Raumgewicht und von der spezifischen Wärmekapazität ab [3].
Bei der Wärmeaufnahme bzw. -abgabe spielt das
Wärmespeichervermögen eine Rolle. Dies ist die Wärmemenge, die das Material bei einer
Temperaturdifferenz von 1 K speichern oder abgeben kann. Das Wärmespeichervermögen Qs
bestimmt maßgebend die instationären Verhältnissen einer Konstruktion. Je höher dieses
ist, desto träger reagiert die Konstruktion auf Temperatur- und
Wärmestromveränderungen. Die Formel lautet:

Die Kurzzeichen in den drei Formeln bedeuten:
a = Temperaturleitfähigkeit (m²/h)
l =
Wärmeleitfähigkeit (W/mK)
r =
Raumgewicht (kg/m³)
c = spezifische Wärmekapazität (Wh/kg K)
b = Wärmeeindringkoeffizient (Wh0,5/m²K)
Qs = Wärmespeichervermögen (Wh/K)
V = Baustoffvolumen (m³)
Fazit
Hier schon wird klar, dass die spezifische
Wärmekapazität und das Raumgewicht in die energetischen Überlegungen mit einbezogen
werden muss, wenn sachgerecht Temperatur- und Wärmetransportvorgänge bewertet werden
sollen. Dies aber wird bei der energetischen Bewertung einer Außenwand von der
etablierten Bauphysikszene strikt negiert.
Messdaten und Erläuterungen
Bei dem Versuch wurden unterschiedliche Materialien
für 10 Minuten mit einer 150 W Infrarot-Lampe bestrahlt [7]. Dabei handelte es sich um 4
cm dicke Schichten in den Abmessungen 33 x 33 cm. Die Zusammenstellung von Stoffgrößen,
umfangreicheren Messdaten und zum Schluss der maßgebenden bauphysikalischen Kenndaten
für die gewählten fünf Platten zeigt die folgende Tabelle:
Die gemessenen Temperaturverläufe auf der
bestrahlten Seite, also bei 0 cm, werden in nachfolgender Abbildung 1 grafisch
dargestellt:

Abb. 1 Temperaturveränderungen auf der direkt
bestrahlten Oberfläche einer jeweils 4 cm Schicht
Erläuterung:
Die Oberflächentemperaturen auf der bestrahlten
Seite differieren während der 10minütigen Bestrahlung sehr, hier sei besonders die hohe
Temperatur der Mineralwolle erwähnt. Sie klingen dann aber nach weiteren 10 Minuten auf
ein Temperaturniveau um die 30°C ab. Bedeutsam für die energetische Bewertung von
Baustoffen werden die unterschiedlichen Temperaturen auf der Rückseite der 4 cm Schicht,
dies zeigt die Abbildung 2:

Abb. 2 Temperaturveränderungen auf der Rückseite
einer jeweils 4 cm Schicht
Erläuterung:
Hier zeigt sich deutlich, dass nach der
Bestrahlungszeit von 10 Minuten die "Dämmstoffe" verheerende Temperaturen
aufweisen, während Holz, Holzfaserplatte und der Ziegel, also die Speicherstoffe, kaum
nennenswerte Temperaturerhöhungen zulassen. Während der Abklingzeit in den
anschließenden 10 Minuten steigen bei den "Dämmstoffen" die Temperaturen
zunächst kurz an, um dann wieder abzufallen. Die Temperaturen nach 20 Minuten sind aber
immer noch höher als die der Speicherstoffe. Bei diesen erhöht sich nach der Bestrahlung
sogar die Oberflächentemperatur, obgleich keine Strahlungsenergie mehr eingebracht wird.
Speicherfähige und schwere Baustoffe bewirken also einen Verzögerungseffekt. Die
eingestrahlte Energie wird im Baustoff eingelagert und gespeichert und dann später erst
weitergegeben das Speichervermögen kommt zum Tragen.
"Dämmstoffe" dagegen können keine Wärme
speichern und reagieren prompt sie sind sehr empfindlich gegenüber Temperatur- und
damit Wärmestromveränderungen. Diese empirisch ermittelten unterschiedlichen
Temperaturveränderungen können mit den in der Tabelle ebenfalls angeführten
bauphysikalischen Speicherdaten erläutert werden: Mineralwolle und Styropor haben hohe
Temperaturleitfähigkeiten a, also schnelle Temperaturbewegungen, aber auch kleine
Wärmeeindringkoeffizienten b, also eine geringe und schnelle Energieaufnahme.
Dieser Nachteil der Dämmstoffe drückt sich auch im
kaum vorhandenen Speichervermögen Qs aus. Die Speicherstoffe dagegen haben geringe
Temperaturleitfähigkeiten a, also langsame Temperaturbewegungen, und hohe
Wärmeeindringkoeffizienten b, also eine hohe und langsame Energieaufnahme, weil das
Speichervermögen Qs wesentlich höher ist. Der Ziegel gleicht hier die etwas höhere
Temperaturleitfähigkeit a durch einen sehr hohen Wärmeeindringkoeffizienten b und
besonders hohes Speichervermögen Qs aus.
Diese bauphysikalischen Speicherkennwerte sind für
das Temperaturverhalten einer Außenkonstruktion somit bestimmend und äußerst wichtig.
Diese positiven Eigenschaften der Speicherstoffe gegenüber Temperaturveränderungen
können den U-Werten keineswegs entnommen werden. Im Gegenteil, die "guten"
U-Werte der Dämmstoffe nutzen bei Temperaturveränderungen nichts, wenn keine
Speicherfähigkeit vorhanden ist. Die "schlechten" U-Werte von Holz und
besonders Ziegel dagegen reagieren auf Temperaturveränderungen hervorragend, weil eine
genügende Speicherfähigkeit vorliegt.
Fazit
Da sich im Tagesrhythmus die Temperaturen in der
Außenkonstruktion infolge der Solareinstrahlung ständig ändern, diese Temperaturen
jedoch erst den Wärmestrom bestimmen, wird für die Beschreibung von Energieströmen die Temperaturleitfähigkeit
in Verbindung mit der Speicherkapazität entscheidend und maßgebend. Holz, die
Holzfaserplatte und der massive Ziegel bieten sich deshalb als geeignete Baustoffe an, die
üblichen "Dämmstoffe" dagegen sind unbrauchbar.
Es muss bei instationären Verhältnissen eigentlich
ein "Temperaturdurchgangskoeffizient" und nicht der "Wärmedurchgangskoeffizient",
der U-Wert, Verwendung finden; wesentlich ist nicht der Wärmeschutz, sondern der
Temperaturschutz. In allen Energiebedarfsberechnungen gilt jedoch nur der U-Wert,
der eben nur bei eingependelten, festen Temperaturen (eine Utopie) anwendbar ist.
Außerdem wird dieser imaginäre Wärmestrom auch noch durch die Lufttemperaturdifferenz
zwischen Innen und Außen bestimmt.
Maßgebend für den Wärmedurchlass im Bauteil ist
jedoch ausschließlich die Oberflächentemperaturdifferenz zwischen Innen und
Außen und diese ist wesentlich geringer als die Lufttemperaturdifferenz. Zur Definition
des U-Wertes steht deshalb in [3]: "Der Wärmedurchgangskoeffizient U (k-Wert)
bezeichnet die Wärmemenge in Joule, die in einer Sekunde durch 1 m² eines Bauteils im
stationären Temperaturzustand hindurchgeht, wenn der Temperaturunterschied
zwischen den beiderseits angrenzenden Medien (z. B. Luft) 1 Kelvin beträgt".
Der U-Wert entpuppt sich damit als Fata Morgana [12],
[14].
Analoge Überlegungen zur Temperaturstabilität
Nun bestehen Außenkonstruktionen
selbstverständlich nicht aus 4 cm Schichten, aber allein schon dieser durchgeführte Test
zeigt, wie wichtig das Speichern für das Temperaturverhalten eines Baustoffes ist. Die
Speicherfähigkeit ist für die Stabilität des Raumklimas bedeutsam und darf schon aus
diesem Grunde nicht vernachlässigt werden. Das Maß hierfür ist das
Temperatur-Amplituden-Verhältnis (TAV) oder der Kehrwert, die
Temperatur-Amplituden-Dämpfung (TAD). Speicherfähiges Material dämpft die
außenseitigen Oberflächentemperaturschwankungen auf der Innenoberseite, deshalb sollte
wegen der Behaglichkeit das TAV den Wert 0,15 nicht übersteigen. Für bauübliche
Abmessungen zeigt die Abbildung 3 dieses so wichtige Beurteilungskriterium:

Abb. 3 Temperatur-Amplituden-Verhältnis homogener
Wände aus verschiedenen Stoffen, abhängig von der Wanddicke [8]. Es werden folgende
Baustoffe gewählt: Holz: l = 0,13 W/mK, r = 600 kg/m³; Gasbeton: l = 0,16 W/mK, r = 500 kg/m³;
Leichtbeton: l = 0,50 W/mK, r =1200 kg/m³; Beton: l = 2,10 W/mK, ñ = 2400 kg/m³;
Wärmedämmstoff: l = 0,04 W/mK, r = 30 kg/m³.
Erläuterung:
Je nach Baustoff ergeben sich recht unterschiedliche
Ergebnisse. Ein TAV von 0,1 (20 K Oberflächentemperaturschwankung außen wird innen mit 2
K Oberflächentemperaturschwankung wirksam) werden etwa durch 20 cm Holz, 36,5 cm Leicht-
und Gasbeton (auch durch massive Ziegel) und etwa 50 cm Schwerbeton erzielt.
Wärmedämmstoff dagegen muss bei Abmessungen von etwa 12 bis 16 cm (dies sind bereits
effizienzlose und damit unwirtschaftliche Dämmstoffdicken) mit
Temperatur-Amplituden-Verhältnissen von 0,8 bis 0,9 belegt werden (eine
Oberflächentemperaturschwankung außen von 20 K wird innen mit 16 bis 18 K
Oberflächentemperaturschwankung wirksam).
Reine Leichtkonstruktionen aus Dämmstoff bedingen
deshalb ein "Barackenklima". Interessant ist, dass Beton und Wärmedämmstoff im
TAV gar nicht allzu weit auseinander liegen. Die beiden Extrembaustoffe für Speicherung
(Beton) und Dämmung (Wärmedämmstoff) können also bei ähnlichen Dicken ihre jeweiligen
Schwachstellen in etwa kompensieren. Beton erfüllt die TAV-Anforderung schon mit 50 cm,
eine durchaus mögliche Konstruktion. Dämmstoff dagegen muss nun noch mehr Dicke
aufbringen, um annehmbare TAV-Werte zu erzielen dies aber ist konstruktiv nicht
umsetzbar und außerdem wirtschaftlich völlig unakzeptabel [14].
Auch Haferland hat bereits auf die Bedeutung einer
Temperatur-Amplituden-Dämpfung hingewiesen und zeigt in [9] die folgende Abbildung 4.

Abb. 4 Temperatur-Amplituden-Dämpfung und
Temperatur-Amplituden-Verhältnis unterschiedlicher Baustoffe.
Erläuterung:
Auch hier wird "Schaumkunststoff" an unterster
Stelle ausgewiesen, noch unterhalb des Betons. Der Porenziegel erreicht annehmbare und
gute Werte, doch das Nadelholz zeigt seine ganze Stärke: Vollholzkonstruktionen sind
hervorragend. Außerdem werden noch aus [15] die TAV-Werte für Vollholzwände
übernommen, die sogar noch günstiger als die Haferland-Angaben sind.
Insofern verwundert es dann auch nicht, dass das
für ein angenehmes Raumklima so entscheidende Maß des
Temperatur-Amplituden-Verhältnisses von den Herstellern von Fertighäuser in
Leichtbauweise bagatellisiert und für überflüssig gehalten wird. So steht unter der
Überschrift "TAV nicht mehr aktuell" in [18]:
"Das Temperatur-Amplituden-Verhältnis der
Außenwände wird nicht mehr als wichtigste Größe für den sommerlichen Wärmeschutz
angesehen" und weiter heißt es dort: "Im Verlauf der Diskussion entwickelte
sich eine Prioritätenfolge, die derzeit folgendermaßen dargestellt werden kann:
1. Energiedurchlässigkeit und Fläche der
transparenten Außenbauteile.
2. Sommerliche Gebäudelüftung (Nutzen der nächtlichen Abkühlung).
3. Orientierung der transparenten Außenbauteile.
4. Wärmespeicherfähigkeit der Innenbauteile.
5. Instationärer Wärmeschutz (TAV) der nicht-transparenten Außenbauteile.
Hier zeigt sich das ganze Dilemma
"moderner" Bauentwicklungen. Bewährtes Erfahrungswissen wird nicht mehr als
solches angesehen, es wird einfach wegdiskutiert. Die Sonne wird nur beim
Fenster akzeptiert, die speicherfähige Außenwand wird ignoriert. Der Energieeintrag
über die Fenster führt zu Überheizungen hierfür braucht man dann nur
"speicherfähige Innenbauteile".
Um die Leichtwand zu retten, wird einfach das
Temperatur-Amplituden-Verhältnis abgeschafft. Es wird die Parole ausgegeben, das TAV sei
nicht mehr wichtig und alle haben willig und gehorsam zu folgen, schließlich würde in
der DIN 4108, wie in [3] zu lesen ist, der Nachweis des TAV auch nicht gefordert. So
einfach ist das beim globalisierten Geschäft mit dem Kunden. Nur leider ist der Kunde
dabei der Dumme.
Fazit
Auch hier zeigt sich klar, dass Holz und massive
Baustoffe wie der Ziegel hervorragend geeignet sind, klimatisch stabile
Innenraumverhältnisse zu schaffen. Aus diesem Grunde ist die "zukunftsweisende"
Bauweise mit viel Dämmstoff sehr kritisch zu sehen. Immerhin werden in [17] für
Leichtkonstruktionen recht ungünstige TAV-Werte ausgewiesen. Auf die Problematik des
kapillaren Feuchtetransportes bei Schichtkonstruktionen wird besonders hingewiesen [14].
Immerhin wird dieser sehr behindert, wenn nicht sogar unterbrochen, was dann zu
Durchfeuchtungen der Wände und damit zu Schimmelpilzbildungen führt.
Schimmelpilzseminare haben Hochkonjunktur.
Schlussbemerkung
Im Interesse bestimmter Industriezweige wird
"moderne" Bauphysik je nach Bedarf diskutiert und umformuliert.
Nicht Erkenntnisse bestimmen die (deshalb pseudo) wissenschaftlichen Aussagen, sondern
Kooperationsbekenntnisse zur Industrie und all dies geht zu Lasten des Kunden. Dem
wird dann durch Werbekampagnen klar gemacht, dass dies ja alles letzter Stand der
Technik und deshalb erstrebenswert sei außerdem diene es der Umwelt. Aber gerade
das Umweltargument ist nur ein Scheinargument, es wird arg missbraucht [13]. Die Medien
veranstalten wahre Täuschungsorgien.
Als "Behaglichkeits-Ausgleich" beim
Barackenklima wird nun empfohlen (oder verordnet), auftretende Missstände beim Raumklima
durch eine aufwendige und kostenintensive technische Gebäudeausrüstung zu
"bereinigen". Wieder geht alles zu Lasten des Kunden. Es werden, wie immer,
nicht die Ursachen beseitigt, sondern lediglich die Symptome bekämpft.
Da sich die Speicherfähigkeit einer Außenwand
besonders günstig auf die Behaglichkeitskriterien im Innenraum auswirkt, wäre es
leichter und billiger, für die Außenkonstruktion eben speicherfähiges Material zur
Dämpfung und Pufferung der unliebsamen Temperatureinflüsse im Sommer vorzusehen. Im
Winter aber kann durch speicherfähiges Material die kostenlose Sonnenenergie
"geerntet" werden, so dass sich dadurch erhebliche Energieeinsparungen ergeben.
Auch wenn dagegen polemisiert wird [6], es hat sich gezeigt, dass auf das
Speichervermögen einer Außenkonstruktion nicht verzichtet werden kann eben auch
in energetischer Hinsicht [12], [14].
Die energetische Beurteilung einer
Außenkonstruktion nur auf den U-Wert zu beschränken, ist deshalb völlig unzureichend
und irreführend, da die Voraussetzung für die Gültigkeit, nämlich der
Beharrungszustand, nie vorliegt. Diese Beschränkung des U-Wertes wird auch in [10]
bestätigt. Dort steht:
"Folgendes ist vorauszuschicken: der k-Wert
(jetzt U-Wert) eines Bauteils beschreibt dessen Wärmeverlust unter stationären, d. h.
zeitlich unveränderlichen Randbedingungen. Die Wärmespeicherfähigkeit und somit die
Masse des Bauteils geht nicht in den k-Wert ein. Außerdem beschreibt der k-Wert nur die
Wärmeverluste infolge einer Temperaturdifferenz zwischen der Raum- und der Außenluft.
Die auch während der Heizperiode auf Außenbauteile auftreffende Sonneneinstrahlung
bleibt unberücksichtigt".
Es ist recht bemerkenswert, dass Hauser, selbst ein
Protagonist des U-Wert-Dogmas, einmal etwas derartig Fundamentales festgestellt hat. Wenn
Leute nur das, was sie einmal gesagt haben, nicht wieder vergessen würden, wäre im
Disput um den Gebäudewärmeschutz und die Behaglichkeit schon vieles gewonnen. Insofern
ist es dann schon recht merkwürdig, wenn Hauser drei Jahre später in [11] versucht, die
Allgemeingültigkeit des U-Wertes durch eine "Literaturstudie" zu retten, indem
er die vielfältige Verwendung des U-Wertes auflistet. Damit aber wird nur dokumentiert,
wer alles mit dem U-Wert hantierte und selbst dem Irrtum unterlag, dieser sei zur
Bestimmung der Transmissionswärmeverluste brauchbar. Keinesfalls jedoch wird damit die
Gültigkeit und Richtigkeit des U-Wertes bewiesen. Die zitierten Literaturstellen in [11]
zeigen, wer alles an "Experten" hier irrte und immer noch irrt [14].
Der U-Wert wird somit von offizieller Seite nicht
zur Disposition gestellt. Dies aber ist gerade jetzt besonders verantwortungslos, weil mit
der EnEV [5] vor allem die speicherfähige Altbausubstanz durch U-Wert-Verbesseung
"energetisch saniert" werden soll. Damit aber werden nur die Bauschäden
zunehmen die Schwierigkeiten bei Wärmedämmverbundsystemen werden gerade jetzt
offenkundig.
Mit dem "Lichtenfelser Experiment" werden
die bauphysikalischen Zusammenhänge einer erstrebenswerten Außenkonstruktion wieder in
Erinnerung gerufen. Dies ist wichtig, denn die etablierte Bauphysikszene ist weit davon
entfernt, davon überhaupt Kenntnis zu nehmen. Sie ist in heller Aufregung und polemisiert
in Ermangelung stichhaltiger Gegenargumente in gewohnter Weise. Beleidigungen und
Diffamierungen ersetzen jedoch keine Argumente. Die Dämmstoff-Industrie hat die Order
ausgegeben, das Lichtenfelser Experiment "totzuschweigen". Eine
Informationssperre aber löst keine bautechnischen Probleme. Umfassende Aufklärung ist
notwendig, um hier die Spreu vom Weizen zu trennen, [16], [19]. Unabhängige Fachleute
sind bemüht, hier den Nebel von Fehl- und Falschinformationen zu lichten, unter anderem
auch die AGH, der Arbeitskreis Gesundes Haus [1].
Abraham Lincoln hat gesagt: "Man kann einige Leute die
ganze Zeit, und alle einige Zeit zum Narren machen, nicht aber alle die ganze Zeit".
Allerdings wurde Lincoln 1865 in seiner Theaterloge erschossen, wie so mancher
amerikanische Präsident später auch.
Literatur
[1] AGH: Arbeitskreis Gesundes Haus. Zusammenschluss
von unabhängigen Wissenschaftlern, Architekten, Fachingenieuren und Sachverständigen
(Böttiger, Eisenschink, Fischer, Gagelmann, Gerlich, Köneke, Kühnel, Meier, Thüne); u.
a. Petition zur EnEV an den Bundestag vom März 2001 Aktenzeichen: Pet
1-14-12-232-031592 (siehe auch Internet-Adressen).
[2] Cords-Parchim, W:: Technische Bauhygiene.
Teubner Verlag Leipzig 1953.
[3] Cziesielski, E.; Daniels, K.; Trümper, H::
Ruhrgas Handbuch - Haustechnische Planung. Hrsg. Ruhrgas AG, Karl Krämer Verlag Stuttgart
1985.
[4] Eichler, F; Arndt, H:: Bautechnischer Wärme-
und Feuchtigkeitsschutz. 2. Auflage, VEB Verlag für Bauwesen Berlin 1989.
[5] Energieeinsparverordnung EnEV.
"Verordnung über energiesparenden Wärmeschutz und energiesparende Anlagentechnik
bei Gebäuden" Februar 2002.
[6] Feist, W:: Ist Wärmespeichern wichtiger als
Wärmedämmen ? Institut für Wohnen und Umwelt GmbH Darmstadt, Mai 1987.
[7] Fischer, K.; Köneke, R.; Lipfert, F.; Meier,
C.; Parsiegla, H:: Temperaturmessung Dämmstoffe im Vergleich. Bautenschutz +
Bausanierung 2001, H. 8, S. 9.
[8] Gösele, K.; Schüle, W:: Schall, Wärme,
Feuchte. Bauverlag Wiesbaden Berlin 1985.
[9] Haferland, F:: Forschungsbericht aus
"Wirtschaftlich Bauen", Sonderheft 9, Bauverlag Wiesbaden; in Hebel Handbuch
für den Wohnbau 1986.
[10] Hauser, G:: Der k-Wert im Kreuzfeuer - ist der
Wärmedurchgangskoeffizient ein Maß für Transmissionswärmeverluste? Bauphysik 1981, H.
1, S. 3.
[11] Hauser, G:: Einfluss des
Wärmedurchgangskoeffizienten und der Wärmespeicherfähigkeit von Bauteilen auf den
Heizenergieverbrauch von Gebäuden. Literaturstudie. Bauphysik 1984, H. 5, S. 180 und H.
6, S. 207.
[12] Meier, C:: Praxis-Ratgeber zur Denkmalpflege
Nr.7, Januar 1999. Altbau und Wärmeschutz - 13 Fragen und Antworten.
Informationsschriften der Deutschen Burgenvereinigung e.V. Marksburg - 56338 Braubach.
[13] Meier, C:: Die Mär von der Klimakatastrophe.
Bausubstanz 2001, H. 5, S. 59.
[14] Meier, C. Richtig bauen Bauphysik im
Widerstreit Probleme und Lösungen. Renningen-Malmsheim: expert verlag 2001, 248
Seiten.
[15] Nürnberger, W:: Vollholzbauweise.
Informationsdienst Holz e.V. Düsseldorf, November 1985.
[16] Postman, N:: Die zweite Aufklärung. Berlin
Verlag 1999.
[17] Schulze, H:: Außenwände und Dächer.
Informationsdienst Holz e.V. Düsseldorf, März. 1977.
[18] Spethmann, H. J:: Sommerlicher Wärmeschutz.
BMF Rundschau, Bauen mit Fertigteilen Nr. 26, 1976, S.17.
[19] Wertheimer, J.; Zima, P. V:: Strategien der
Verdummung. Infantilisierung in der Fun-Gesellschaft. Becksche Reihe 1423, Verlag C.
H. Beck, München, 3. Auflage 2001.
Weitere Texte sind auch bei folgenden Internet
Adressen zu finden:
a) Hintergrundinformationen und Veröffentlichungen:
http://ClausMeier.tripod.com
b) Umfangreiches Material:
http://www.konrad-fischer-info.de
c) Strahlungsheizung: www.sancal.de
d) besonders Feuchteschutz: http://www.ernst-vill-verlag.de
e) www.dimagb.de
Das Lichtenfelser Experiment - Die Auswertung
Langfassung in HTML, erstellt 20.05.2002 von DIMaGB
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