Verbände der Heizungsbranche fordern
Novellierung der 1. BImSchV noch in dieser Legislaturperiode
Mit dem Bundesindustriebverband Deutschland Haus-, Energie- und Umwelttechnik (BDH),
dem Bundesverband Solarwirtschaft (BSW-Solar) und dem Deutschen
Energie-Pellet-Verband (DEPV) fordern die wichtigsten Wirtschaftsverbände aus
dem Heizungssektor die Bundesregierung auf, die Verordnung über kleine und
mittlere Feuerungsanlagen (1. BImSchV) noch in dieser Legislaturperiode zu
novellieren.
Damit verbunden wären strengere Grenzwerte für die Feinstaubemissionen für neue
Heizungen wie auch entsprechende Regelungen für alte Feuerungsanlagen. Die
müssen nachgerüstet oder stillgelegt werden, wenn sie nicht den gesetzlichen
Standard erreichen. Anders als bei der Automobilindustrie sind die Hersteller
moderner Heizungen und Erneuerbarer Energientechnologie (EE) an strengeren
Grenzwerten interessiert.
Mehr als drei Millionen Heizungsanlagen sind in Deutschland älter als 20 Jahre
und damit nicht mehr auf dem Stand der Technik. Die nach Auffassung der Verbände
längst überfällige Verabschiedung der 1. BImSchV könne einen wichtigen Beitrag
zur Luftreinhaltung und zum Klimaschutz sowie zur Auflösung des
Modernisierungsstaus leisten. Die Heizungs- und EE-Branche erhofft sich dabei
einen deutlichen Wettbewerbsvorteil aufgrund des Technologievorsprungs
Deutschlands in der Umwelt- und Heizungstechnologie.
Vor allem der Energieträger Holz leide zudem darunter, dass aufgrund von
Feinstaubemissionen alter Öfen auch modernen Holz- und Pelletfeuerungen pauschal
vorverurteilt würden. Neben der Solarwärmebranche sind deshalb auch die
Hersteller moderner Holzfeuerungen an strengen Feinstaub- und Abgasgrenzwerten
interessiert. Industrie und Verbraucher benötigten nun Planungssicherheit und
Orientierung für anstehende Investitionsentscheidungen in Form einer
verabschiedeten Verordnung.
Im Falle eines Scheiterns der 1. BImSchV-Novelle ist nach Einschätzung der
Verbände mit einem Wildwuchs an unterschiedlichen Luftreinhaltungsregelungen im
kommunalen Bereich bei der Umsetzung der EU-Feinstaub-Richtlinie zu rechnen.
Dies würde zu einer Verunsicherung der Verbraucher und einer
Investitionszurückhaltung führen und letztlich das Klimaziel der Bundesregierung
gefährden, wonach im Jahr 2020 mindestens 14 Prozent der Wärme aus EE erzeugt
werden sollen.
Hintergrund
Da sich die Feinstaubemission aus der Holzverbrennung alleine durch saubere neue
Feuerungsanlagen nicht signifikant senken lässt, wurde in der 1. BImSchV neben
Feinstaubgrenzwerten auch eine Regelung für Altanlagen (Gültigkeit ab 1.1.2015)
aufgenommen. Deren Bestand liegt derzeit bei etwa 14 Mio. Feuerstätten (Öfen und
Kamine) auf Holzbasis, i.Vgl. dazu gibt es nur rd. 700.000 Holzheizungen. Ältere
Holzfeuerstätten verfügen über ein deutlich höheres Emissionsniveau und sind für
ca. 2/3 der Emissionen aus der Holzverfeuerung verantwortlich. Technische
Lösungen für die zukünftige Nachrüstung solcher emissionsreicher
Einzelraumfeuerstätten sind bereits verfügbar, ebenso Förderprogramme zur
Nutzung EE.
Über die Verbände
Der Bundesindustrieverband Deutschland Haus-, Energie- und Umwelttechnik e.V. (BDH)
vertritt die wirtschaftlichen, technischen und politischen Interessen seiner
Mitglieder gegenüber Politik, Verwaltung, den Organisationen der Marktpartner
und der Öffentlichkeit. Dem BDH gehören 83 Industrieunternehmen und drei
assoziierte Verbände an.
Der Bundesverband Solarwirtschaft e. V. (BSW-Solar) repräsentiert rund 700
Unternehmen der Solarbranche und vertritt die Interessen entlang der gesamten
solaren Wertschöpfung.
Der Deutsche Energie-Pellet-Verband e.V. (DEPV) vertritt die Interessen der
deutschen Pelletbranche. Kessel- und Ofenhersteller, Pelletproduzenten,
Komponentenhersteller sowie Vertriebspartner haben sich im DEPV organisiert.
DEPV
21.01.2009
Geht es um die Gefährdung der Klimaziele der Bundesregierung?
Oder um die wirtschaftlichen Interessen der Mitglieder?
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Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz (EEWärmeG)
Erneuerbare Energien sind Pflicht im Neubau
Seit Jahresbeginn 2009 gilt das Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz. Es schreibt
vor, dass bei Neubauten ein Teil des Wärmebedarfs über erneuerbare Energien
abgedeckt wird. Die Initiative Erdgas pro Umwelt (IEU) erläutert die Details und
zeigt auf, wie Bauherren die Pflicht auf kostengünstige Weise erfüllen können.
Das Ziel, das die Bundesregierung mit dem neuen Wärmegesetz verfolgt, ist
klar: Bis 2020 sollen erneuerbare Energien in Deutschland einen Anteil von 14
Prozent an der Wärmeversorgung erreichen. Deshalb muss ab sofort die Energie,
die in Neubauten für Heizung und Warmwasser benötigt wird, zum Teil aus
regenerativen Quellen stammen. Dies gilt für alle ab 2009 neu errichteten
Gebäude mit über 50 Quadratmeter Nutzfläche. Sanierungen sind nicht betroffen.
Auch Gebäude, für die der Bauantrag vor dem 1. Januar 2009 gestellt wurde,
fallen nicht unter die Nutzungspflicht. Eine Möglichkeit, um die gesetzlichen
Vorgaben zu erfüllen, sind beispielsweise Solarwärmeanlagen zur
Heizungsunterstützung und Warmwasserbereitung, die mit einem Gas-Brennwertgerät
gekoppelt werden.

Wer in seinem Neubau keine erneuerbaren Energien nutzen möchte, der hat nach
Auskunft der Initiative Erdgas pro Umwelt die Möglichkeit, auf Ersatzmaßnahmen
auszuweichen. Um die Anforderungen des Gesetzgebers zu erfüllen, reicht es auch
aus, wenn eine überdurchschnittliche Wärmedämmung mit einer Gas-Brennwertheizung
zum Einsatz kommt.
Eine zweite Säule des neuen Gesetzes ist die finanzielle Förderung erneuerbarer
Energietechniken. So wird beispielsweise die Installation von Solarkollektoren
weiterhin mit einem attraktiven Zuschuss unterstützt.
Die Initiative Erdgas pro Umwelt informiert über Heizsysteme mit
Brennwertnutzung und Solarunterstützung. Alle Informationen sind gratis
erhältlich und können telefonisch über 0 18 02/34 34 52 (6 Cent pro
Gespräch) oder im Internet unter www.moderne-heizung.info angefordert werden.
Berlin und Essen, 07.01.2009
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Kaum Energieeinsparung durch Sommerzeit
Licht macht nur ein Prozent am Energieverbrauch der Haushalte aus /
EU-Richtlinie zur einheitlichen Regelung der Sommerzeit
Berlin, 24. Oktober - "Die Einführung der Sommerzeit hat so gut wie keine
Energieeinsparung gebracht. Die Energiewirtschaft kann bereits seit Jahren keine
Sparwirkung durch den Dreh am Zeiger erkennen." Das erklärte Eberhard Meller,
Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW),
Berlin, zur Umstellung von Sommer- auf Winterzeit am Sonntag.
Die gesamtdeutsche Einführung der Sommerzeit 1980 habe darauf abgezielt, das
Tageslicht besser zu nutzen, um so Energie zu sparen. Das sei jedoch nicht der
Fall. "So wird abends zwar weniger Strom für Beleuchtung verbraucht, dafür aber
morgens mehr geheizt", erläuterte Meller. Da Licht nach BDEW-Angaben nur etwa
ein Prozent des Energieverbrauchs ausmacht und Energiesparlampen verstärkt
eingesetzt werden, sinke der ohnehin geringe Lichtspareffekt weiter. Durch das
veränderte Freizeitverhalten der Menschen am Abend könne sogar mehr Energie
verbraucht werden.
Seit 2001 ist die Zeitumstellung für Europa verbindlich festgelegt. "Für das
reibungslose Funktionieren eines angestrebten EU-Energiebinnenmarktes müssen
Anfang und Ende der Sommerzeit in der gesamten EU einheitlich geregelt sein",
betonte Meller. In allen EU-Mitgliedstaaten beginnt die Sommerzeit jeweils am
letzten Sonntag im März und endet am letzten Sonntag im Oktober.
24.10.2008
BDEW
Kommentar:
Das ist halt Politik: kein Nutzen, aber es wird daran festgehalten. Dass ein
Großteil der Menschen ein Problem damit hat, interessiert nicht. Wenn "für das
reibungslose Funktionieren eines angestrebten EU-Energiebinnenmarktes (...)
Anfang und Ende der Sommerzeit in der gesamten EU einheitlich geregelt sein"
müssen, kann man das auch ohne diese Zeitumstellung haben.
Dreh am Zeiger hat keinen Energie-Spareffekt
Für Freizeitaktivitäten am Abend wird mehr Energie benötigt
Licht hat nur einen Anteil von acht Prozent am privaten Stromverbrauch
Berlin, 18. März 2008 - “Der Dreh am Zeiger erhöht zwar den Freizeitwert für die
Menschen, aber er bewirkt seit Jahren keine spürbare Energieeinsparung.” Das
erklärte Eberhard Meller, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Energie-
und Wasserwirtschaft (BDEW), Berlin, zur bevorstehenden Umstellung von Winter-
auf Sommerzeit in der Nacht vom 29. auf den 30. März.
Es halte sich fälschlicherweise noch immer der Glaube, dass die Zeitumstellung
Energie spare, wie es bei der gesamtdeutschen Einführung 1980 beabsichtigt
gewesen sei. "Dies ist jedoch nicht der Fall. So wird abends zwar weniger Strom
für die Beleuchtung verbraucht, aber dafür wird wieder mehr Strom bei den
Freizeitaktivitäten am Abend benötigt. Dadurch kann insgesamt sogar mehr Energie
verbraucht werden, da der Anteil von Licht beim privaten Stromverbrauch nur bei
acht Prozent liegt", erläuterte Meller. Außerdem müssten morgens teilweise die
Heizungen länger laufen und das Licht länger brennen.
Licht hat nach BDEW-Angaben einen Anteil von acht Prozent des Stromverbrauchs in
einem Haushalt. Auf Unterhaltungselektronik, Telekommunikation und Computer
entfallen 12 Prozent. Kühl- und Gefrierschränke sowie andere Haushaltsgeräte
kommen auf 29 Prozent. Kochen, Bügeln und Wäschetrocknen machen etwa 19 Prozent
aus, so der BDEW. Die Warmwasserbereitung, zu der auch die von Wasch- und
Geschirrspülmaschinen zählt, verbraucht 17 Prozent des Haushaltsstroms. Die
Heizung schlägt mit 15 Prozent zu Buche.
18.3.2008
BDEW zur Zeitumstellung am 30. März
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Klimapolitik zu Lasten von Hauseigentümern und Stromverbrauchern
Haus & Grund kritisiert Beschluss des ersten Klimapaketes im Bundestag
Haus & Grund Deutschland kritisiert das heute im Bundestag verabschiedete
Gesetzesbündel zum Klimaschutz scharf. Die Bundesregierung betreibe ihre
Klimapolitik auf dem Rücken von Hauseigentümern und Stromverbrauchern. Der Bund
verzichte in seinem Wärmegesetz bewusst auf den Zwang zur Nutzung erneuerbarer
Energien im Wohnungsbestand. Vor diesem Hintergrund bleibe es unerfindlich,
warum der Bund im selben Gesetz den Ländern die Befugnis einräume, bei der
Durchsetzung erneuerbarer Energien im Wohnungsbestand zum Nutzungszwang zu
greifen. Dieser Zwang werde das Tempo der energetischen Sanierung im
Gebäudebestand stark abbremsen. „Wenn die Länder, wie Baden-Württemberg, die
Nutzung erneuerbarer Energien verpflichtend vorschreiben, belastet dies jeden
betroffenen Eigentümer mit durchschnittlich mindestens 7.000 Euro – zusätzlich
zu den ohnehin anfallenden Kosten für eine neue Heizungsanlage“, betonte der
Präsident von Haus & Grund Deutschland, Rolf Kornemann.
Darüber hinaus werde die nur geringfügige Absenkung der Solarförderung den
Stromkunden weiterhin saftige Aufschläge auf ihre Stromrechnung bescheren. Die
Einspeisevergütung für Solarstrom sei nach wie vor grotesk hoch. „Wenn es der
Bundesregierung schon nicht gelingt, den Wettbewerb im Energiesektor zu
stimulieren, muss sie darauf verzichten, die ohnehin unzumutbar hohen
Energiekosten mit einer unsinnigen und unsozialen Subventionspolitik weiter hoch
zu treiben“, sagte Kornemann.
Haus und Grund
06.06.2008
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Steuern und Abgaben 2007:
Rund 17 Milliarden Euro Staatslasten auf Strom und Gas
Stromsteuer mit 6,4 Milliarden Euro größter Posten /
Erdgaskunden zahlen 4 Milliarden Euro Steuern und Abgaben
Berlin, 18. Juli 2008 - Die Strom- und Gasrechnungen sind hoch mit Steuern und
Abgaben belastet: Die Staatslasten für Stromkunden stiegen 2007 im Vergleich zum
Vorjahr um rund vier Prozent auf gut 13 Milliarden (Mrd.) Euro, meldete der
Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), Berlin. Nach Schätzungen
des Branchenverbandes werden die Staatslasten 2008 weiter steigen: auf rund 14
Mrd. Euro. Die Mehrwertsteuer, die für Haushalte nochmals mit mehr als vier Mrd.
Euro zu Buche schlägt, sei dabei nicht berücksichtigt.
Der größte Posten bei den staatlich verursachten Lasten 2008 sei die Stromsteuer
mit rund 6,4 (2007: 6,4) Mrd. Euro. Rund fünf (vier) Mrd. Euro entfallen nach
BDEW-Angaben auf die Förderung von Ökostrom nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz.
Weitere zwei Mrd. Euro machten Konzessionsabgaben aus. Diese Abgaben erhalten
Kommunen dafür, dass Straßen und Wege für den Betrieb der Stromleitungen genutzt
werden dürfen. Die Förderung der Kraft-Wärme-Kopplung wird nach
BDEW-Berechnungen leicht sinken: von 0,7 auf etwa 0,6 Mrd. Euro.
Die Gaskunden zahlten 2007 insgesamt knapp vier Mrd. Euro Steuern und Abgaben,
berichtete der BDEW weiter. Im Vergleich zum Vorjahr seien die Staatslasten um
rund 0,6 Mrd. Euro gesunken. Wichtigster Grund für diesen Rückgang ist laut BDEW
die sehr milde Witterung im ersten Quartal 2007. Die geringere Gasnachfrage
drückte auch das Steueraufkommen: Rund 2,4 Mrd. Euro hätten die Verbraucher an
Erdgassteuer gezahlt. 1,5 Mrd. Euro seien auf Konzessions- und Förderabgaben
entfallen. Für 2008 werde für Erdgas eine Steuer- und Abgabenbelastung von mehr
als vier Mrd. Euro erwartet.


BDEW, 18.7.2008
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Zehn Jahre Wettbewerb im Strommarkt:
Staatsanteil an Stromrechnung verdoppelt
Musterhaushalt zahlt knapp 63 Euro im Monat für Strom /
Reiner Netto-Strompreis auf Niveau von 1998
Berlin, 23. April 2008 - Der Staatsanteil am Strompreis für Haushalte ist 2008
doppelt so hoch wie 1998 zu Beginn des Wettbewerbs im Strommarkt: Der Betrag für
Steuern und Abgaben wuchs von gut zwölf Euro auf knapp 25 Euro im Monat,
ermittelte der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), Berlin.
Diese staatliche Belastung mache 2008 im Bundesdurchschnitt rund 40 (1998: 25)
Prozent der Stromrechnung eines Drei-Personen-Musterhaushalts aus.
Der reine Strompreis – vor Steuern und Abgaben – betrage 2008 beim
Musterhaushalt rund 38 Euro im Monat. Dieser Wert liegt nach BDEW-Angaben auf
dem Niveau von 1998. Die Lebenshaltungskosten seien dagegen in diesen zehn
Jahren um mehr als 16 Prozent geklettert.
Anfang April 2008 zahlte der Musterhaushalt durchschnittlich rund 63 Euro im
Monat für Strom. Das waren etwa vier Prozent mehr als im Vorjahr, so der
Branchenverband. Der Anstieg falle geringer aus als 2007: Damals sei die
Rechnung um rund sechs Prozent gestiegen – die Hälfte davon ging auf das Konto
der Mehrwertsteuer-Erhöhung.

BDEW, 23.4.2008
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Eine Querschnittsbeschreibung deutscher Energiepolitik
Betreff: LVZ-Interview vom 08.06.2007
Absender: "Dr. Klaus Lindner"
Empfänger: [E-Mail-Adresse]
Datum: 12. Juni 2007
Sehr geehrte Frau H.,
auch wenn ich 40 Berufsjahre auf nicht unbedingt unterster Ebene hinter mir und
zudem promoviert habe, maße ich mir nicht an, über Dinge zu reden, von denen ich
nichts bzw. nur halbwegs etwas verstehe. Allerdings stehe ich nicht im
politischen Rampenlicht und muss keine Interviews geben, zumindest nicht in
Tageszeitungen, wo Otto Normalverbraucher staunend Kenntnis von der Weisheit
unserer Politiker nimmt. Der Literaturwissenschaftler und Philosoph Hans-Magnus
Enzensberger sagte einmal, dass zur psychischen Grundausstattung des Politikers
die Überzeugung gehört, dass er es draußen im Lande mit Millionen von Idioten zu
tun hat. Wie wahr! Otto Normalverbraucher glaubt Politikern - wenn er denen
überhaupt noch zuhört - dass dies, worüber sie sprechen, irgendwie richtig ist,
zumindest, was fachliche Dinge betrifft. So wie Millionen deutsche
Stammtischfußballer alle bessere Klinsmänner sind und in der Politik sowieso
alles besser machen würden, glauben die Grünen, Sie eingeschlossen, in der
Energiewirtschaft die wahren Experten zu sein. Doch wenn es ans "Eingemachte"
geht, sträuben sich einem, der nach 40 Berufsjahren in der Energiewirtschaft
wohl etwas von dieser Materie zu verstehen glaubt, die Haare.
In Ihrem Interview in der "LVZ" am 08.06.007 behaupten Sie allen Ernstes, dass
Sachsen keinen Energiemix hat und sagen "mehr als 80 % unseres Bedarfes gewinnen
wir aus Braunkohle". Woher Sie Ihre Weisheit nehmen, bleibt Ihnen überlassen.
Vielleicht besitzen Sie noch eine Energiebilanz aus der DDR-Zeit, als in fast 70
% der Haushalte mit Braunkohlenbrikett geheizt wurde. Betrachtet man einmal die
letzte im Internet veröffentlichte Energiebilanz des Freistaates Sachsen aus dem
Jahre 2005, so merkt jeder, der die Prozentrechnung in Ansätzen beherrscht, dass
der Anteil des Verbrauchs an Braunkohle/Braunkohlenprodukten am
Primärenergieverbrauch des Freistaates Sachsen jedoch nur bei 40 % liegt. Am
Endenergieverbrauch, also dem Energieverbrauch, der für die Herstellung von
Gütern, den Verkehrs, die energetische Sicherung der Dienstleistungen eingesetzt
wird bzw. der Versorgung der privaten Haushalte dient, beträgt der Anteil der
Braunkohle gerade einmal 0,8 %. Mit Ihren "mehr als 80 %" meinen Sie
offensichtlich die Stromerzeugung. Damit haben Sie recht. Nur sollte man auch
sagen, was man meint. Primärenergieverbrauch und Energieverbrauch zur
Stromerzeugung sind nun einmal unterschiedliche Kategorien.
Es gibt in Deutschland nur wenige Bundesländer, die über Braunkohlenvorräte
verfügen. Wir Sachsen haben zum Glück Braunkohle als "schwarzes Gold", das zu
einer sicheren Energieversorgung beiträgt und zudem erhebliche Arbeitsplätze
bindet. Aus ideologischen Gründen behaupten Sie, Braunkohle sei subventioniert.
Dabei ist jedem, der etwas von Energiewirtschaft versteht, bekannt, dass
Braunkohle - im Gegensatz zur deutschen Steinkohle - frei von jedweder
Subvention ist. Welche Subventionen meinen Sie dann? Wofür fließt bei der
Braunkohle Geld aus dem Staatssäckel? Wenn man über Subventionen spricht, darf
man wohl die erneuerbaren Energien nicht außer Acht lassen. Auch wenn die
Subventionen der Verbraucher unmittelbar entrichten muss, es ist eine
Subvention, selbst wenn Sie dies nicht wahr haben wollen! Wie begründen Sie,
dass man für die Stromerzeugung aus Solarenergie 49 ct/kWh bekommt, aber für den
"Strom aus der Steckdose" nur 21-22 ct/kWh bezahlen muss. Selbst Experten der
PV-Branche kritisieren dies als innovationsfeindlich!! Das alles erinnert mich
an DDR-Zeiten, als Kleingärtner ihre selbst geernteten Stachelbeeren für
deutlich über dem Einzelhandelspreis liegende Beträge an den Handel verkauften,
unabhängig davon, ob sie diese Beeren vorher erst im gleichen Geschäft erworben
hatten.
Zu beachten ist ferner, dass zu den 49 ct noch die Übertragungs- und
Verteilungskosten sowie die Staatsabgaben kommen. Letztere liegen dank der
Politik - auch der Ihrer Partei - bereits bei 40 %. Ein weiterer Anstieg der
Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien muss zwangs-läufig zu einem weiteren
Anstieg der Stromkosten führen. Glauben Sie im Ernst daran, dass technologische
Verbesserungen bei erneuerbaren Energien mittelfristig den Preisanstieg bei
Primärenergieträgern ausgleichen kann? Zur Erinnerung: Braunkohle ist ein
heimischer Energieträger und nicht den politisch geprägten Entwicklungen auf dem
Weltenergiemarkt unterworfen.
Apropos Stromerzeugung. Auf welche Weise wollen Sie denn künftig den Strombedarf
in Deutschland decken? Braun- bzw. Steinkohle soll es nicht sein. Kernenergie
wird ganz und gar verteufelt, obwohl immer mehr Staaten der Welt die
Atomkraftwerke "neu" entdecken. Selbst das IPCC empfiehlt die Kernenergie zur
"Rettung des Klimas". Erdgas aus Russland ist nicht gerade versorgungssicher.
Wie hätten Sie's denn gern? Die Sonne scheint in unseren Breiten nun einmal nur
800 bis 900 Stunden pro Jahr und für die Nutzung der Windenergie stehen pro Jahr
eben nur 1.600 - 2.000 Stunden zur Verfügung. Es ist schon eine Volksverdummung
zu behaupten, so und soviel Windräder und so und soviel MW PV-Leistung könnten
so und soviel Haushalte mit Strom versorgen. Nicht einen einzigen Haushalt kann
man auf diese Weise voll versorgen, schließlich will man auch Strom nutzen, wenn
kein Wind weht und keine Sonne scheint. Und Strom lässt sich eben (noch) nicht
speichern! Was würde wohl ein ALG 2-Empfänger sagen, würde man meinen, er könne
sich eine tolle Kreuzfahrt leisten, er muss nur nichts essen und nackt unter
Brücken schlafen. Dann nämlich reicht angespartes ALG 2 auch!
Sie meinen, mit Biomasse lässt sich die Energieversorgung retten. Alle Äcker
also mit nachwachsenden (Energie-) Rohstoffen bestellen. Die bringen ja gutes
Geld. Doch Sie vergessen, der Mensch will auch (preisgünstig) etwas zum Essen
haben. Schon jetzt steigen die Preise für Rapsöl, das wegen seines Gehaltes an
ungesättigten Fetten für eine gesunde Ernährung wärmstens empfohlen wird. Auch
die Brauereien haben schon Preiserhöhungen wegen steigenden Preisen für
Malzgerste angekündigt. Dies ist zwar nicht so dramatisch, aber ein Anstieg der
Preise für Mehl, Zucker und andere landwirtschaftliche Produkte, Fleischprodukte
eingeschlossen, ist mit hoher Wahrscheinlichkeit zu erwarten. Wir haben nun
einmal nur einen begrenzten Vorrat an landwirtschaftlich nutzbarer Fläche. Oder
sollen Wälder zum Zwecke der landwirtschaftlichen Nutzung gerodet werden?
Allerdings, zwei Drittel der Deutschen sind bekanntermaßen zu dick, also haben
höhere Lebensmittelpreise eine gesundheitspolitische Wirkung!!
Nutzung der Solarenergie aus dem Mittelmeerraum - theoretisch ein alter Hut,
wenn man den Mittelmeerraum bis einschließlich die Sahara erweitert. Bereits
1984 habe ich ein Buch eines sowjetischen Energetikers übersetzt und bearbeitet,
in dem die Idee der Nutzung der sonnenreichen Sahara für die energetische
Versorgung diskutiert wird. Unabhängig davon, ob die Solarenergie für die
Stromerzeugung und deren Fortleitung oder der Herstellung von Wasserstoff und
deren Transport nach Europa dient, es bleibt das Problem der
Versorgungssicherheit. Oder rechnen Sie die afrikanischen Staaten gegenwärtig
und mittelfristig als politisch sicherer im Vergleich zum Nahen Osten bzw.
Russland? Sollen wir vom Regen in die Traufe kommen?
Energieeinsparung durch verbesserte Energieeffizienz ist selbstverständlich ein
wichtiges Problem. Das war immer so, das ist so und das wird immer so bleiben.
Aber Effizienz hat etwas mit Wirtschaftlichkeit zu tun! Das Gleichgewicht
zwischen Versorgungssicherheit, Wirtschaftlichkeit und Umweltverträglichkeit
muss zu jeder Zeit gewährleistet sein.
Ein Überbetonen eines der drei Faktoren führt unweigerlich zu Problemen in der
Gesellschaft. Beispiele hierfür gibt es genügend, auch und vor allem in
Deutschland. Natürlich kann man auch bei der Wärmedämmung der Gebäude Energie
einsparen. Aber: Verbesserte Wärmedämmung im Gebäudebestand ist nur im
Zusammenhang mit einer Generalsanierung kostenmäßig zu verkraften. In
Ostdeutschland sind seit 1990 rund 65 - 70 % der Gebäude bereits
saniert/modernisiert. Und diese Gebäude "fasst" in den nächsten Jahren
ausschließlich zum Zwecke der Erhöhung der Wärmedämmung kein Eigentümer an.
Kosten zur nachträglichen Wärmedämmung kann der Vermieter auf die Wohnungsmiete
umlegen. Noch lange werden die eingesparten Heizkosten nicht die dann erhöhte (Kalt-)Miete
ausgleichen. Das gilt auch bei der Einrechnung von Förderprogrammen! Und das bei
einem Wohnungsleerstand im Mehrfamilienhausbereich in Sachsen von 170.000 bis
180.000 WE. Wo, bitte schön, soll dann die Einsparung herkommen?
Dezentrale Stromerzeugung ist bekanntermaßen ein Lieblingsthema der Grünen. Was
aber passiert, wenn einmal solch ein "Bürgerkraftwerk" seinen Dienst
(vorübergehend) aufgibt? Vorhaltung überregionaler Leitungen analog den "stand
by"-Gaskraftwerken zur Überbrückung der Windflaute? Die Thüringer Grünen sind
gegen eine 380-kV-Leitungen durch den Thüringer Wald zur Ableitung von
überschüssigem Windstrom aus den norddeutschen Küstenländern nach
Süddeutschland. Aber sie sind auch für Windstrom! Deshalb am besten, den
erzeugten Strom in Güterwagen verfrachten und per Schiene ab nach
Baden-Württemberg!!!!
Nutzung von Biomasse als Einsatzstoff zur Deckung des Wärmebedarfes. In der
Regel fällt Biomasse dort an, wo kaum Wärmebedarf vorhanden ist. Also Transport
der Biomasse zum Bedarfsort, natürlich mit Solarfahrzeugen! Und wie war das mit
der Feinstaubbelastung bei Holzheizungen? Liegen sie nicht deutlich über denen
von Dieselfahrzeugen?
Um richtig verstanden zu werden, ich habe nichts gegen erneuerbare Energien.
Aber ich bin auch uneingeschränkt für die Marktwirtschaft. Wenn sich ein Produkt
auf dem Markt nicht verwirklichen kann, darf man nicht Pseudofaktoren erfinden,
die ein wirtschaftliches Produkt verteuern. Geld spielt bei den "Grünen"
bekannter Weise keine Rolle. Man redet nicht darüber, man hat's (oder auch
nicht). In keinen der "umweltschonenden Lösungen" Ihrer Partei kommen
(realistische) Wirtschaftlichkeitsüberlegungen vor. Ebenso sollte man in der
Aussage bzw. der Schaffung einer hohen Zahl von Arbeitsplätzen durch erneuerbare
Energietechnologien ehrlich sei. In der Nettobetrachtung werden mehr
Arbeitsplätze vernichtet als geschaffen. Das zumindest ergab im Jahre 2002 eine
Untersuchung des IHW Halle, an der ich mitgewirkt habe. Wie ich vom damaligen
Projektleiter des ISW erfuhr, ließ Ihr Parteifreund Trittin diese Studie
zunächst im Panzerschrank verschwinden, die Ergebnisse passten nicht ins
Konzept.
Klimawandel, den hat es schon so lange gegeben, wie der Erdball existiert. Mit
den Temperaturen ging es einmal hoch, einmal runter. Ob der Mensch einen Anteil
am Anstieg an der Temperatur hat, ist in keinster Weise wissenschaftlich
erwiesen - bisher nur ideologisch behauptet. Dagegen haben durchaus seriöse
Untersuchungen belegt, dass es in der Geschichte unseres Planeten - auch in
unseren Breiten - schon oft deutlich wärmer war. Warum leugnen Sie dies? In
diesem Zusammenhang sollten die "Grünen" dafür sorgen, dass im Museum von
Kloster Banz, dem Mekka der Solartheoretiker, eine wichtige Schautafel
verschwindet. Auf ihr erfährt nämlich der unbedarfte Bürger, dass es im Jura
schon einmal deutlich wärmer und die Pole eisfrei waren. Und dafür haben wir
heute Angst zu haben! Ich kann mich nicht entsinnen, dass damals Menschen
Braunkohle verfeuerten und viel mit dem Auto unterwegs waren. Was soll der
Museumsbesucher denken! Ohne Sarkasmus, leider werden all die Wissenschaftler
als einseitig, unseriös usw. usf. abgestempelt, die nachweisen, dass es in der
Erdgeschichte in unseren Breiten schon öfter wärmer war als heute, dass CO2
keinen Einfluss auf das Klima hat und auch der Mensch das Klima nicht bzw. nur
äußerst marginal beeinflussen kann. Genau das muss verschwiegen werden, weil
eben nicht ist, was nicht sein darf.
Seltsamersamerweise sagen eine Klimakatastrophe alle die Experten voraus, die zu
100 % vom Staat finanziert werden. Ja, kann man denn von denen anderes erwarten?
Sie werden doch nicht den Ast absägen, auf dem sie sitzen.
Diese "Experten" haben auch keine Skrupel, jedes Jahr eine "Klimakonferenz"
abzuhalten, an der 6.000 bis 8.000 Staatsbedienstete teilnehmen. Und diese
Konferenzen finden in aller Regelmäßigkeit nicht irgendwo statt, sondern in
schönen Gegenden dieser Welt, Nairobi, Bangkok, Bali - um nur die aktuellsten zu
nennen. Seltsam, dort ist es doch immer warm bis heiß! Die Flüge auf Kosten der
Steuerzahler dorthin schaden natürlich nicht der Umwelt, selbstredend nützen sie
ihr!! Mit der vorhandenen modernen Kommunikationstechnik könnte man sich via
Internet austauschen. Könnte! Warum setzen sich die "Grünen" nicht für eine
solche Lösung ein? Doch dann könnte man ja nicht auf Staatskosten an eben die
schönen Orte der Welt fliegen und schwammige Formulierungen, wie - man werde
ernsthaft prüfen, in Erwägung zu ziehen, dass...- als Erfolg feiern.
Nur wenn Otto Normalverbraucher einmal aller zwei Jahre nach Mallorca fliegt,
dann muss er sich als Umweltsünder schämen. Schlimm ist nur, dass viele dieser
Wissenschaftler genau dies wissen. Der Staat braucht aber das Geld aus der
Ökosteuer, dem Erneuerbaren Energiegesetz, der KWK-Steuer und möglicherweise
kommender weiterer Klimasteuern. Also braucht man "wissenschaftlich begründete"
Fakten für eine Klimahysterie, die diese Abzockerei rechtfertigen.
Was jedoch Ökologie mit der Sicherung der Rente zu tun hat, konnte mir noch
niemand plausibel erklären. Bekommen eigentlich Bürger ohne Pkw weniger Rente?
Sie zahlen doch nicht ihren Ökoobolus an der Tankstelle. Wer jedoch die
"Klimakatastrophe" leugnet, ist ignorant oder dumm und wird zum Schweigen
verurteilt. Irgendwie kommt einem "gelernten DDR-Bürger" das alles bekannt vor.
Allerdings, (noch) werden solche "Ignoranten" nicht in psychiatrische
Einrichtungen oder gar in Gefängnisse geworfen. Noch!
Zum Glück werden die Medien auch skeptischer, z. B. das ZDF am 05.06.2007, RTL
am 11.06.2007. Auch die "LVZ" gehört zu den kritischeren Medien.
Verehrte Frau H., mir ist klar, dass Sie meine E-Mail nicht beantworten werden,
wenn Sie mit dem Lesen überhaupt bis hierher gekommen sind. Aber keine Antwort
ist auch eine Antwort. Natürlich weiß ich, dass ich vorgefasste - ideologisch
bedingte - Meinungen nicht verändern kann, denn laut Hans-Magnus Enzensberger
gehört es zur psychischen Grundüberzeugung der Politiker, dass sie es draußen im
Lande .... siehe oben. Irgendwie eitel bin ich schon nach 40 Jahren Tätigkeit in
der Energiewirtschaft und mit einem mittleren Maß an Allgemeinwissen
ausgestattet, nicht zu diesen Millionen Idioten gehören zu wollen. Die
aufreizende Art der "Grünen", alles besser zu wissen, entscheidende Dinge jedoch
"zu vergessen", führt auch dazu, dass bestimmte Meinungen, wie eben meine, in
einer z. T. ironischen Art übermittelt werden, werden müssen.
Abschließend noch eine Bemerkung bzw. Aufklärung. In Ihrem o. g. Interview in
der "LVZ" vom 08.06.2007 geben Sie zum Besten, dass Sie glauben, dass man
"diesen Grad der Zivilisation mit anderen Formen der Energieerzeugung halten
kann". Eigentlich sollte man wissen, dass nach dem Satz von der Erhaltung der
Energie sich Energie weder erschaffen ("erzeugen") noch vernichten, sondern
"lediglich" von einer Art in eine andere umwandeln lässt. Das ist Stoff des
Physikunterrichts mindestens jedes Gymnasiums, eine studierte Lehrerin, die sich
zudem als Expertin zu energiewirtschaftlichen Problemen auslässt, sollte dies
erst recht wissen.
Dennoch mit freundlichen Grüßen
Dr. Klaus Lindner, Leipzig
Kommentar:
Da es hierbei um Energiepolitik geht und nicht um Personen, haben wir den
Namen gekürzt.
nach oben
Überkapazitäten bei Biodieselraffinerien in Deutschland vorprogrammiert
Finanzexperte wirft KfW planlose Förderung von Erneuerbaren Energien vor
Zu wenig Rapsanbaufläche in Deutschland?
Frankfurt am Main/Neuss (pte/07.07.2006/10:00) - "Weg vom Erdöl" ist eine häufig
gestellte und populäre Forderung - nicht nur von Umweltschützern. Alternative
Energien werden deshalb immer stärker mit staatlichen Mitteln gefördert und
sollen mittelfristig eine ernstzunehmende Alternative zu herkömmlichen
Kraftstoffen sein. Besonders Rapsöl spielt hier eine zentrale Rolle. Doch leider
ist die Pflanze auch Anlass für große Steuergeldverschwendungen. Das zumindest
sagt Tobias Janßen von der Beratungs- und Beteiligungsgesellschaft Goldfish
Holdings http://www.goldfish-holdings.com in Neuss.
Konkrete Beispiele hat Janßen auch parat: "Wir haben zum Beispiel eine
Beteiligungsanfrage für eine Biodieselraffinerie in Ostdeutschland bekommen, die
dort für 40 Millionen Euro gebaut werden soll", erklärt der Finanzexperte
gegenüber pressetext. Besonders die mögliche Auslastung der Raffinerie sei eine
Farce. "Sie soll eine Jahreskapazität von 200.000 Tonnen haben. Bei einer
Raffinerie würde das Rechenbeispiel aufgehen, mir liegen aber sechs Projekte
dieser Art allein in Deutschland vor. Das ist viel zu viel, weil in Deutschland
gar nicht so viel Anbaufläche für Raps vorgesehen ist", so Janßen weiter. Damit
die Auslastung der Raffinerie auch gesichert sei, müsse für teures Geld Raps aus
anderen Märkten hinzugekauft werden. "Der käme dann beispielsweise aus
Kasachstan. Aufgrund unterschiedlicher Schienenmaße muss der Rohstoff in der
Ukraine auf einen anderen Zug verlagert werden. Das kostet Unsummen", kritisiert
Janssen.
Mit 28 Millionen Euro fördere die Staatsbank KfW http://www.kfw.de das
Prestigeprojekt in Ostdeutschland, der Restbetrag komme aus Eigen- und
Fremdkapital. Auslöser für den Aktionismus der KfW sei das Mengenziel, das der
Gesetzgeber für das Biokraftstoff-Potential in Deutschland erreichen wollen. Es
wurde von 0,8 Millionen Tonnen (2003) auf 11,3 Millionen Tonnen (2020)
angehoben. "Und darauf stützen sich alle Businessrechungen", sagt Janssen: "Die
Anlagen werden nach diesen groben Schätzungen geplant. Das sieht zwar auf dem
Papier dann alles gut aus, geht aber an der Wirklichkeit vorbei".
Ein Beispiel dafür sei der Anstieg des Preises für eine Tonne Rapsöl. Sie
kostete im Jahr 1994 noch 473 Euro, in diesem Jahr seien bereits 600 Euro pro
Tonne fällig. "Das belegt eindeutig die Knappheitsverhältnisse in Deutschland.
Es fehlt an Anbaufläche. Die KfW finanziert somit die Investitionsruinen von
morgen", legt Janßen den Finger in die Wunde. "Man sollte das Geld nicht einfach
nur rausschmeißen für Erneuerbare Energien, sondern auch in die Planungen mit
einbeziehen, dass der Rohstoff irgendwo herkommen muss. Ansonsten ist das ein
Teufelskreis."
Kein privater Investor würde aus freien Stücken auch nur einen Cent für solche
Unternehmungen ausgeben. Die sinnvolle Zielsetzung, von fossilen Energieträgern
unabhängig zu werden, sollte man nach Auffassung von Janßen nicht durch
kurzsichtige Staatseingriffe und die Missachtung globaler Marktverhältnisse
konterkarieren. (Ende)
Aussender: pressetext.deutschland
Foto: pressetext.deutschland
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Zum Verbot der Glühlampen
...
Als Energiewirtschaftler, der nach 40 Jahren Tätigkeit sehr wohl etwas von der
Energiewirtschaft versteht, darf ich Sie beglückwünschen zu Ihren
energiewirtschaftlichen "Weisheiten": Verbot der Glühlampe. Über Kosten
verlieren Sie kein Wort. Natürlich haben Sparlampen eine höhere
Energieeffizienz, aber man soll es doch den Leuten selbst überlassen, was sie
nutzen. Für eine Sparlampe kann man mindestens 5-8 Glühlampen kaufen, für manche
Leute soll die Kostendifferenz schon einiges bedeuten.
Wenn's über Steuern nicht klappt, dann durch Verbote. Marktwirtschaft ade, der
Sozialismus lässt grüßen. Hierzu noch ein Vorschlag: Verbot aller Textilien,
deren Ausgangsstoff aus Erdöl oder Erdgas besteht, dafür hat sich jeder ein
Schaf zu halten! Alles per Gesetz. Ein weiterer Höhepunkt Ihrer
energiewirtschaftlichen Weisheiten: 2030 aller Strom aus erneuerbaren Energien.
Wer soll diesen bezahlen? Ich hoffe, Sie sind konsequent und benutzen schon
heute kein elektrisches Gerät, wenn der Wind nicht weht und die Sonne nicht
scheint. Kernenergie verteufeln Sie ja auch.
Es ist erschreckend, wie Sie die Menschheit verdummen. Klimaveränderungen hat es
so lange gegeben, wie es die Erde gibt. In Grönland wurde bekanntlich einmal
Ackerbau betrieben.
Und außerdem, wenn's wärmer wird, benötigt man doch weniger Energie! Kann der
Mensch Gottes Schöpfung beeinflussen? Wohl kaum!
Aber unsere Politiker haben aus der alten Geschichte prächtig gelernt: Wie sagte
doch ein Herr Tetzel im Mittelalter: Wenn der Taler in der Kiste klingt, die
Seele in den Himmel springt. Beweisen musste er es nicht. Oder kennen Sie einen,
der einen Taler gespendet hat und dafür nicht in die Hölle kam? Heute heißt das
Zauberwort zum Geldkassieren: In 20-30 Jahren wird es durch des Menschen Hand
3-6 °C wärmer sein. Beweisen muss man es auch nicht. Und die dies besonders
lauthals betonen, werden es auch nicht mehr erleben bzw. sich dann nicht mehr
daran erinnern, wenn es nicht eintritt. Nur: Der Wetterdienst ist heute nicht in
der Lage, für das Wetter verlässlich eine Drei-Tages-Vorhersage zu geben, aber
dass es in 50 Jahren um rund 5 Grad wärmer ist, weiß man sicher. Dem staunenden
Volk wird dies als Ergebnis von Modellrechnungen verkauft. Jeder, der sich
einmal mit Modellrechnungen beschäftigt hat, weiß genau, dass Modelle nur nach
dem Algorithmus rechnen können, dem man vorher eingibt. Wussten Sie dies nicht?
Auf Erden gilt noch immer: Wessen Brot ich eß, dessen Lied ich sing. All die
"Experten", die ihr Dasein durch Steuergelder finanzieren, müssen ja das sagen,
was die Geldgeber von ihnen verlangen. Und ohne Ökosteuer keine
Haushaltsanierung, oder kann jemand erklären, wie Ökosteuer und
Rentenfinanzierung zusammenhängen! Ich habe z. B. noch nicht bemerkt, dass Leute
ohne Auto weniger Rente bekommen! Die Ökosteuer hilft bekanntlich der Ökologie
wie die Hundesteuer dem Hund! Wichtig ist - und das galt schon immer - Energie
zu sparen, aber nicht wegen CO2, sondern um sparsam mit den vorhandenen
Ressourcen umzugehen. CO2 ist bekanntlich kein schädliches, sondern ein
wichtiges Gas. Das weiß jeder halbwegs naturwissenschaftlich gebildete Mensch,
der nicht von Steuergeldern lebt. Wie sollen sonst Pflanzen wachsen, das Leben
gedeihen? Auch nachwachsende (Energie-) Rohstoffe brauchen CO2! Wie übrigens
werden Sie die Kernenergie preisen, wenn es in Kürze ohne sie nicht mehr geht,
das Klima ohne sie nicht mehr „rettbar ist“?
Die "Klimaforscher" prophezeien in 13 Jahren einen "Klimagau" und empfehlen die
Kernenergie. Wie das? "Klimawarnung" und Kernenergie. Insgesamt sollte man
bedenken, das Volk wird schnell abgestumpft, wenn heute falsch ist, was gestern
wahr war, siehe Sparen von Wasser - höhere Wassergebühren, Vermeidung von Müll -
Erhöhung der Abfallgebühren, mehr Strom aus Wind und Sonne - exorbitante
Erhöhung der Stromkosten (40 % Staatsquote bei Strom!!). Dass dies alles die
Kaufkraft beeinflusst und damit Arbeitsplätze gefährdet, wen interessiert 's?
Otto Normalverbraucher kauft nun 'mal kein Windrad oder eine PV-Zelle. Und
exportiert wird auch Technik für Kernenergieanlagen (Siemens!!). Vielleicht
sollten die Politiker auch mal aus der jüngsten Geschichte lernen. Die braune
Pest kam an die Macht, weil die Demokratie versagte. Die DDR ging unter, weil
die Regiereden am Volk vorbei regierten. Glaubt man wirklich, dass alle, die
"rechts" wählen, dem braunen Gedankengut folgen? Gerade diese Leute hoffen, dass
solch eine Wahlentscheidung die einzige Entscheidung ist, die die Regierung
aufschreckt. Und es werden leider
immer mehr. Nicht nur im Osten!
Ob Sie auf mein E-Mail antworten? Wenn ja, dann bitte nicht in BILD-Manier, denn
wie gesagt, ich bin seit 40 Jahren Energiewirtschaftler, für dem die
Ausgewogenheit von Versorgungssicherheit, Wirtschaftlichkeit und
Umweltverträglichkeit gilt, ohne ein Element davon überzubetonen! Und politisch
interessiert bin ich dazu.
Dr. Klaus Lindner
28.02.2007
Kommentar:
Da es hierbei um Energiepolitik geht und nicht um Personen, haben wir den
Namen weggelassen.
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Deutsche Energiepolitik
NOVO 82, Mai-Juni 2006
Briefe, Betrifft „Achtung verstrahlt!" (Novo81)
Hanna Thieles Beitrag lässt die katastrophale Unwissenheit und Hilflosigkeit
deutscher Politiker auf diesem für die wirtschaftliche und gesellschaftliche
Entwicklung unseres Landes so überaus wichtigen Gebiet deutlich werden.
Allerdings verfolgen ausnahmslos alle im Bundestag vertretenen Parteien
energiepolitische Grundsätze, die dem Wirtschaftsstandort Deutschland und seiner
Bevölkerung schaden. Die informativen Ausführungen von Ludwig Lindner und Lutz
Niemann zu Solar- und Kernenergie gehören indes in jedes deutsche
Gymnasial-Physikbuch - wenngleich es manchem Lehrer schwer fallen dürfte, sich
von der bisher gelehrten „grünen Energiekunde" zu lösen. Heinz Horeis rechnet
mit den energiewirtschaftlichen Dummheiten ab, mit denen wir tagtäglich
überschüttet werden. Wir sollten uns darüber klar werden, dass die international
anerkannte hervorragende Entwicklung der Energiewirtschaft in Deutschland in
allererster Linie darauf zurückzuführen ist, dass konsequent von drei
strategischen Grundsätzen ausgegangen wurde: Energiewirtschaftliche Vorhaben
müssen eine hohe Versorgungszuverlässigkeit gewährleisten und wirtschaftlich
sowie umweltverträglich sein. Die konsequente Einhaltung dieser drei
gleichwertigen Kriterien hat dazu geführt, dass in Deutschland auch
energieintensive Unternehmen wirtschaftlich agieren konnten, dass die
durchschnittliche Unterbrechungsdauer der Stromversorgung am niedrigsten unter
allen Industriestaaten ist und dass es mit den modernen Energieanlagen in
Deutschland de facto keine gravierenden Umweltprobleme mehr gibt.
Diese drei Hauptziele wurden in den letzten Jahren nur in Deutschland
schrittweise verlassen und durch drei Phobien ersetzt: die Angst vor einem
künftigen Energiemangel, die Angst vor der Kernenergie und die Angst vor der
Klimakatastrophe. Diese „Grund-Phobien" sind unter der rot-grünen Regierung zur
Staatsdoktrin geworden und wirken leider immer weiter. Sie haben dazu geführt,
dass Energie immer teurer wurde, dass die Versorgungszuverlässigkeit immer mehr
in Gefahr gerät und dass Umweltschutz zu einer leeren Floskel verkommen ist.
Horeis leistet jedoch Missverständnissen Vorschub, wenn er meint, dass die in
deutschen Windenergieanlagen installierten 16.000 MW die Leistung „von nicht
mehr als drei herkömmlichen Kernkraftwerken" ersetzen könnten. Während
konventionelle Kraftwerke in der Lage sind, den Strom dann zu liefern, wenn er
benötigt wird, sind Windräder dazu außerstande. Es drängt sich die Frage auf:
Welchen Nutzen haben Windenergieanlagen eigentlich? Die Antwort lautet: keinen;
sie sind überflüssig. Bei ihrer Stilllegung würde die Versorgungszuverlässigkeit
steigen, die Stromkosten könnten sinken und durch sie verursachte
Umweltverschandelungen würden verschwinden. Zugegeben, es gäbe auch Geschädigte:
Die Windenergie-Investoren, die auf Kosten wehrloser Stromkunden traumhafte
Renditen erwirtschaften.
Des Weiteren meint Heinz Horeis, die Photovoltaik hätte Aussicht auf
Konkurrenzfähigkeit, „wenn sich der Wirkungsgrad durch technologische Sprünge
nicht nur um Prozente, sondern um Faktoren verbessern würde". Das ist nicht
korrekt: Eine Wirkungsgradverbesserung bewirkt eine höhere Energieausbeute pro
Quadratmeter Solarzellenfläche und damit einen geringeren Platzbedarf - mehr
nicht! Eine wirkliche Konkurrenzfähigkeit der PV-Anlagen ist erst zu erreichen,
wenn „intensive Forschungsarbeiten" gewährleisten, dass die Sonne 8760 Stunden
pro Jahr aus dem Zenit eines wolkenfreien Himmels strahlt. Eine Möglichkeit,
dieser astronomischen und meteorologischen Unmöglichkeit ein Schnippchen zu
schlagen, besteht in der Überbrückung der sonnenscheinarmen oder -freien Zeiten
durch Energiespeicher. Nur darf dabei nicht vergessen werden, dass dies erstens
(physikalisch notwendige) Energieverluste verursacht, zweitens das
Leistungsangebot reduziert (in Zeiten hoher Sonneneinstrahlung muss ein Teil des
erzeugten Stromes in die Speicher geleitet werden) und drittens solche Speicher
(die es in der erforderlichen technischen Reife noch gar nicht gibt) eine Menge
Geld kosten.
Leider scheint Horeis in einem weiteren Punkt Opfer der vorherrschenden
Ansichten zu sein. Er behauptet, dass kohlendioxidfreie fossile Kraftwerke „noch
Zukunftsmusik" und ab 2020 „kommerziell einsatzfähig" seien. Eine solche
„Hoffnung" kann nur auf dem Glauben an die auch von ihm selbst angeprangerte
Klima-Phobie beruhen. Warum sonst sollte man Kraftwerke mit hohem Wirkungsgrad
entwickeln, um diesen anschließend wieder um etwa 12 Prozent zu reduzieren - auf
das Niveau der heute als veraltet angesehenen Kohlekraftwerke? Genau dies würde
geschehen, wenn ein erheblicher Teil der erzeugten Elektroenergie fürs Abtrennen
und Deponieren des Kohlendioxids „verbraten" wird. Nur wer daran glaubt, damit
das Globalklima „schützen" zu können, ist bereit, viel Geld in derartige
Technologien zu stecken und parallel dazu eine massenhafte Verschwendung von
Kohle und anderen fossilen Brennstoffen in Kauf zu nehmen.
Eine weitere „Kuriosität" der aktuellen Energiepolitik sollte nicht vergessen
werden: der von Brüssel in die Welt gesetzte und auch in Deutschland kultivierte
Irrglaube, dass durch eine dekretierte Deregulierung der Strom- und Gasmärkte
der Wettbewerb in Gang kommt und die Preise sinken. Angestoßen wurde vielmehr
eine noch nie da gewesene Fusionswelle, verbunden mit dem Verlust zehntausender
Arbeitsplätze allein in Deutschland. Nach kurzzeitigem Einbruch stiegen die
Preise für Strom und Gas auf Rekordniveau. Als Ausweg aus diesem Dilemma wurde
2005 eine „Regulierungsbehörde" geschaffen: der für die beiden Energieträger
zuständige Teil des Bundesnetzagentur mit rund 200 Mitarbeitern. Sie sind für
die Kontrolle der Energiepreise zuständig, allerdings nur für das Drittel, das
die Netzkosten betrifft. Positive Effekte sind bisher nicht erkennbar. Seit
Beginn der „Deregulierung" ist der Umfang der Regulierung der deutschen
Energiewirtschaft vielmehr immens gewachsen. Ursachen hierfür sind nicht nur die
Aktivitäten der Bundesnetzagentur, sondern auch die Zwangseinspeisungen in die
Netze der öffentlichen Versorger, staatlich fixierte Festpreise, der
Kernenergieausstieg usw.
Absurd wirkt es, wenn man in diesem Zusammenhang den Handel mit
CO2-Emissionszertifikaten betrachtet. Während die Bundesnetzagentur mit dem Ziel
gegründet wurde, Preis senkend zu wirken, ist wenige Monate vorher die „Deutsche
Emissionshandelsstelle" mit etwa 100 Mitarbeitern mit dem entgegen gesetztem
Ziel gegründet worden: Sie soll durch Kürzung der Emissionsberechtigungen (im
Namen des „Klimaschutzes") den Energieverbrauch verteuern. So viel von mir
ergänzend aus dem Tollhaus, das sich „deutsche Energiepolitik" nennt.
Dr. Dietmar Ufer, Leipzig
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Moderner Ablasshandel
Letzteres trifft hier allemal zu. Die globalen Wirkungen der so
genannten Treibhausgase sind etwas, woran man glauben kann oder auch nicht. Die
Schreckgemälde einer klimatisch aus den Fugen geratenen Welt beruhen nach wie
vor auf nichts anderem als Modellrechnungen und Computersimulationen sowie
darauf, dass eine Mehrheit von Wissenschaftlern an diese Simulationen glaubt.
Die Anhänger dieser orthodoxen Klima-Kirche besitzen inzwischen eine eigene
Liturgie: sie heißt Kyoto-Protokoll. Damit wurde die Religion der drohenden
Temperaturkatastrophe zur Richtschnur internationaler Politik erhoben. Und eines
der Ergebnisse des Kyoto-Protokolls ist ein sich nun weltweit etablierender
Luftverschmutzungsmarkt.
Burkhard Müller-Ullrich: Geschäfte mit heißer Luft - Über den Ablasshandel mit
Emissionsrechten
auf der Kölner Carbon-Expo, Deutschlandfunk, Kultur heute, 12. Mai 2006
"Fieberkurve der Nation"
Leserbrief zu einem Artikel im SPIEGEL
Sehr geehrte
Damen und Herren,
nach Durchsicht des Artikels "Fieberkurve der Nation" war ich mir nicht sicher,
ob es sich hier um einen verspäteten Aprilscherz handelt. Aber offenbar ist das,
was das Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg der staunenden
Öffentlichkeit vorgelegt hat, ernst gemeint, so ernst, dass ich ganz
ernsthaft einige Fragen dazu stellen möchte:
- Beeindruckend ist die enorme Datenmenge, die von einem Supercomputer
verarbeitet wurde. Ergibt sich der wissenschaftliche Erkenntnisgewinn nur aus
einer größeren Datenmenge oder aus neuen physikalischen Erkenntnissen, die den
Zusammenhang zwischen Klima und den auf sie wirkenden Einflüssen deutlicher
machen? Mit anderen Worten: Ist es nur der schnelle Rechner oder ist es neues
physikalisches Wissen, das zu dieser Veröffentlichung Anlass gab?
- Wenn es neue Erkenntnisse über die Triebkräfte der Klimaentwicklung gab,
welche sind das? Ist sich Frau Jacob vom MPI ganz sicher, nunmehr alles zu
kennen, was in den nächsten 100 Jahren auf die Klimaentwicklung Einfluss nimmt?
Im Institut für Troposphärenforschung in Leipzig ist dieser Tage eine
Forschungsapparatur in Betrieb genommen worden, mit deren Hilfe die
physikalischen, chemischen und strahlungsbedingten Prozesse bei der
Wolkenbildung erkundet werden sollen. Das Wissen darüber ist eine der
wichtigsten Voraussetzungen für die Vorhersage der Klimaentwicklung. Und Frau
Jacob hat die Ergebnisse schon in ihrem Supercomputer?
- Es wird berichtet, dass die Region um Leipzig künftig deutlich feuchter
wird. Dagegen wird in der Klimaprognose 2005 für den Freistaat Sachsen für die
gleiche Region genau der umgekehrte Klimaverlauf prophezeit. Welcher
Prophezeiung ist nun mehr zu trauen? Und wie sicher muss man sein, dass ein
künftiger Super-Super-Computer nicht in wenigen Jahren wieder etwas ganz anderes
ausspucken wird?
- Wenn Frau Jacob die Wetterentwicklung bis zum Jahr 2100 stundengenau
auf ihrem Computer hat, kann man dann bei ihr auch Auskunft über
die Sonnenscheindauer und die Niederschlagsmenge am 29. April 2033 erfahren?
Mich interessiert das deshalb, weil ich an diesem Tag meinen 100. Geburtstag zu
feiern gedenke und mit der Planung bereits jetzt beginnen will. Kachelmann und
den Deutschen Wetterdienst wage ich nicht zu befragen!
Insgesamt meine ich nunmehr, dass es sich wohl doch um einen schlechten
Aprilscherz gehandelt hat! Die MPI-Verlautbarung zeugt aber aber vom technischen
Fortschritt in den letzten Jahrhunderten: Früher wurden Weissagungen mit Hilfe
einer einfachen Glaskugel gemacht, heute verwendet man für Prophezeiungen
Supercomputer! Danke für die Aufklärung! - Übrigens: Die Überschrift
"Fieberkurve der Nation" trifft den Kern der Aussage exakt!
Mit freundlichen Grüßen
Dr. rer. oec., Ing. Dietmar Ufer
Leipzig, 28.04.2006
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Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23. März 2006
Ewige Solarsubventionen
Im Wirtschaftsleitartikel „Solare Zukunft" von Holger Schmidt (F.A.Z. vom 6.
März) wird die Behauptung aufgestellt, dass die Solarenergie, deren Beitrag zur
Stromerzeugung in Deutschland bei 0,16 Prozent liegt, „zu den wichtigen
Hoffnungsträgern" bei der Deckung des Energiebedarfs der Erde zähle. Als Beleg
für diese These wird angeführt, dass sie unerschöpflich sei, keine
„klimaschädlichen" KohIendioxydemissionen verursache und dezentral verfügbar
sei.
Abgesehen von der „Unerschöpflichkeit" sind die Beweise recht brüchig: Es gibt
keine Stromerzeugungsanlage, für deren Herstellung pro Kilowatt so viel Energie
benötigt wird wie Photovoltaikanlagcn. Das führt notwendigerweise zur Emission
erheblicher Kohlendioxydmengen, über deren „Klimaschädlichkeit" man sich
übrigens trefflich streiten kann. Die dezentrale Verfügbarkeit ist nichts als
eine leere Behauptung: Sie setzt ausreichende Sonneneinstrahlung voraus, die
keineswegs an jedem Ort und erst recht nicht zu jeder Zeit verfügbar ist.
Während konventionelle Kraftwerke in der Lage sind, mit einem Kilowatt (kW)
installierter Leistung im Jahr 8000 oder mehr Kilowattstunden (kWh) elektrische
Energie zu erzeugen, scharfen Photovoltaikanlagen bestenfalls nur 1000 kWh.
Herkömmliche Kraftwerke können Strom dann bereitstellen, wenn er benötigt wird
(wir erleben das Tag für Tag als Selbstverständlichkeit). die Energielieferung
der Solaranlagen hängt dagegen von den Gesetzen der Himmelsmechanik und den
Zufälligkeiten des Wetters ab, keineswegs vom Bedarf.
Die Elektrizitätsversorgung eines Landes auf der Photovoltaik aufbauen zu
wollen, wie es Schmidt für Entwicklungsländer vorschlägt, „deren
Energienachfrage stark steigen wird", zeugt von nur minimaler Sachkenntnis: Kein
industrielles Unternehmen kann mit den Zufälligkeiten der solaren
Energiebereitstellung existieren, kein moderner Haushalt kann mit Strom allein
aus Photovoltaikanlagen (im vollen Wortsinn) versorgt werden. Voraussetzung für
die Nutzung von Solarenergieanlagen zur Stromerzeugung ist die Existenz von
Standby-Kraftwerken, die dann einspringen, wenn die Sonne nicht oder zu wenig
scheint - und das ist überall auf der Erde den allergrößten Teil eines Jahres
(und zwar nicht planbar) der Fall. Also: Um den „Aufbau eines flächendeckenden
Stromnetzes" kommen auch Entwicklungsländer, wenn sie sich wirklich
wirtschaftlich entwickeln wollen, nicht herum.
Es ist weiterhin eine Illusion, wonach die Photovoltaik-lndustrie zwar „noch"
von der staatlichen Förderung abhängig sei, jedoch in zehn Jahren „der
Sonnenstrom konkurrenzfähig ist". Zwei Dinge müssten geschehen, um das zu
erreichen: Erstens müssten die spezifischen Investitionskosten erheblich sinken.
Sie liegen gegenwärtig bei 4000 Euro/kW (zum Vergleich: Kohlekraftwerke bei 1000
bis 1100 Euro/kW, neues finnisches Kernkraftwerk bei 1850 Euro/kW). Deutliche
Reduzierungen sind nicht in Sicht, vor allem dann nicht, wenn man annimmt, dass
die energieintensive Siliziumherstellung künftig einmal mit Hilfe von Strom aus
Sonnenenergie erfolgen würde (und nicht wie heute mit Strom aus Kohle und
Kernenergie). Zweitens müsste die Benutzungsdauer der Photovoltaikanlagen, das
heißt die Zahl der jährlich erzeugten kWh pro Kilowatt Leistung, in die
Größenordnung konventioneller Kraftwerke erhöht und zugleich planbar gemacht
werden. Es ist absehbar, dass auch noch so große Forschungsaktivitäten und
Fördermittel nicht ausreichen werden, um den dazu erforderlichen Eingriff in
Meteorologie und Astronomie zu schaffen.
Es ist völlig falsch zu behaupten, dass das Erneuerbare-Energien-Gesetz der
Solarindustrie ermögliche, „Strom zu ähnlichen Kosten wie konventionelle
Kraftwerke" zu erzeugen. Ein staatliches Gesetz kann nicht verhindern, dass
Strom in Photovoltaikanlagen nur mit mindestens zwanzigmal höheren Kosten als in
Braunkohle- oder Kernkraftwerken erzeugt werden kann. Völlig abgehoben von der
marktwirtschaftlichen Theorie und Praxis gibt dieses hoch gelobte Gesetz aber
den Solarstromproduzenten eine Garantie für den Absatz ihrer Produkte, und das
noch zu staatlich festgelegten Preisen, die weit über den Marktpreisen liegen.
Für die solare Stromerzeugung ist eine dauerhafte Subventionierung (ähnlich wie
übrigens beim Windstrom) vorprogrammiert - alles andere sind Illusionen, von
denen wir uns möglichst rasch trennen sollten.
Dr. rer. occ. Ing. Dietmar Ufer, Leipzig
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Energie und Umwelt – Wo liegen optimale Lösungen?
An die
Union der deutschen
Akademien der Wissenschaften
Geschwister-Scholl-Straße 2
55131 Mainz
Nachrichtlich:
. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften
Jägerstraße 22-23; 10117 Berlin
. Akademie der Wissenschaften zu Göttingen
Theaterstraße 7; 37073 Göttingen
. Bayerische Akademie der Wissenschaften
Marstallplatz 8; 80539 München
. Sächsische Akademie der Wissenschaften zu Leipzig
Karl-Tauchnitzstraße 1; 04107 Leipzig
. Heidelberger Akademie der Wissenschaften
Karlstraße 4; 69117 Heidelberg
. Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz
Geschwister-Scholl-Straße 2; 55131 Mainz
. Nordrhein-Westfälische Akademie der Wissenschaften
Palmenstraße 16; 40217 Düsseldorf
Energie und Umwelt – Wo liegen optimale Lösungen?
Sehr geehrter Herr Präsident,
mit maßgeblicher Unterstützung der Landesregierung Baden-Württembergs hat die
Union am 20. und 21.Oktober 1999 obiges Symposium in Heidelberg durchgeführt.
In seinem Grußwort formulierte daher Umweltminister U. Müller die Zielvorgabe
der Politik wie folgt: „Kühle und Strenge der Wissenschaft als moderierendes
Element in den Streitfragen unserer Gesellschaft – so stellen wir es uns
eigentlich im Idealfall vor.“ Als politisch strittige Fragen präsentierte er den
„Klimaschutz“ an sich, die „Klimaschutzstrategien“ und die „Bekämpfung der
Klimaproblematik“ mit dem drohenden Hinweis: „Der Korridor tolerabler weiterer
Klimaveränderungen wird zur Zeit von der Menschheit ausgeschöpft und vielleicht
schon überschritten.“
Verfolgt man aufmerksam die Vorträge und Diskussionen von der Einführung bis zum
Schlusswort, so griff die Wissenschaft keine der Streitfragen auf. Sie stellte
nicht einmal die Frage, was die Politik unter dem „Korridor“ verstehe und wie
seine Begrenzungen aussähen. Einzig Professor A. Voß mahnte: „Es ist eine
Illusion zu glauben, dass wir beliebig viel aufwenden können für den
Klimaschutz.“ Bedeutet dies, dass wir nicht genügend finanzielle Mittel
aufbringen können, um den „Klimawandel“ und mit ihm die „Erderwärmung“ stoppen
zu können, bevor es zur „Klimakatastrophe“ kommt?
Diesen Eindruck erzeugte jedenfalls Professor J. Thiede, indem er mit bewegenden
Worten und ohne jegliche Begründung behauptete, dass sich „unser Klimasystem“
bereits in „einem Extremzustand“ befinde und die jetzige „Warmzeit“ ein „ganz
abnormales, ganz seltenes, aber doch regelmäßig vorkommendes Szenario“
darstellt. Keiner der etwa 150 anwesenden Wissenschaftler horchte auf und
fragte, wie etwas „ganz abnormal“ und zugleich „regelmäßig vorkommend“ sein
kann. Keiner fragte auch nach, was es mit dem „Gedächtnis des Klimasystems“ auf
sich habe und wie es funktioniere.
Doch es kommt noch schlimmer. Nicht ein einziger Teilnehmer fragte nach dem
Schutzobjekt „Klima“, wie es definiert und beschaffen sei, was es zu bedeuten
habe und wo konkret mit dem Schutz anzusetzen sei. Das Wort „Klima“ kommt aus
dem Griechischen und bedeutet „Neigung“. Aufgrund des unterschiedlichen
Neigungswinkels der auf die rotierende Erdkugel einfallenden Sonnenstrahlen
teilte Ptolomäus die Erde in fünf Klimazonen ein, die tropische Zone wie die
beiden gemäßigten und polaren Zonen. Diese Bedeutung von Klima = Neigung findet
sich in allen Begriffen wie Arbeits-, Investitions- und Konsumklima, oder
Bildungs-, Konjunktur-, Sozial- und Wirtschaftsklima. Bei allem Handeln und Tun
kommt es auf die Neigung an.
Aber der politisch geforderte und angestrebte „Klimaschutz“ hat keineswegs etwas
mit Neigungsschutz zu tun. Zu dem Wort „Klima“ ist der Begriff „Klima“ getreten,
der einen gänzlich anderen Bedeutungsinhalt hat. Nach internationaler Einkunft
umschreibt „Klima“ das „mittlere Wettergeschehen“ an einem Ort über eine
bestimmte Zeit. Diese wurde 1935 auf 30 Jahre festgelegt und die Periode 1901
bis 1930 zur „Klimanormalperiode“ und damit zum Maßstab für den „Klimawandel“
definiert. Weicht das tatsächliche Wetter vom „mittleren Wettergeschehen“ ab, so
spricht man von „Anomalie“. Doch damit stellte der Mensch die Natur auf den
Kopf: der anormale Mittelwert wurde zur „Norm“ und die ganz natürliche
Fluktuation des von Jahr zu Jahr variierenden Wetters zur „anormalen“ Abweichung
umdeklariert.
Da das Wetter an sich keine messbare Größe ist, ein „mittleres Wettergeschehen“
damit gar nicht definierbar ist, gilt dies ebenso für das „Klima“. Messen kann
man nur einzelne Wetterelemente wie Luftdruck, Lufttemperatur,... Misst man 30
Jahre lang die diversen Wetterelemente und zeichnet im Abstand von 6 Stunden
eine Wetterkarte, so erhält man insgesamt 43 828 unterschiedliche Wetterkarten.
Diese kann man nun zu einer „Klimakarte“ verdichten und filtert aus der
unendlichen Wettervielfalt ein abstraktes Bild von “Klimavielfalt“ der Erde.
Diverse Klimaklassifikationen zeigen dieses Bemühen der klassischen
Klimatologie.
Diesen durchaus sinnvollen Vorgang des Generalisierens wie Klassifizierens kann
man seines Sinnes berauben, indem man die gemittelten Temperaturwerte nicht an
ihrem geographischen Ort belässt, sondern alle Daten auf Meeresniveau reduziert,
dann in einen Topf wirft, eine „Globaltemperatur“ errechnet und diese unter
Schutz stellt. Mit dem Vorhaben „Schutz des Globalklimas“ soll künftig jeglicher
„Klimawandel“ möglichst ausgeschlossen werden. Nach Meinung der „Klimaexperten“
ist jede Abweichung ein unerlaubtes Verlassen des „15-Grad-Korridors“, ein zu
vermeidender Schritt in die drohende „Klimakatastrophe“. Nach einem Beschluss
der EU-Staaten darf die Abweichung nicht mehr als maximal 2 Grad betragen.
Das zukünftige Verhalten der „Globaltemperatur“ wurde zum Forschungsgegenstand
erhoben und wird seitens der Politik als gesellschaftspolitisch besonders
relevante Forschung mit Millionen, ja Milliarden an Forschungsgeldern gefördert.
Diese Mittel werden anderen Wissenschaftszweigen vorenthalten. Den bisherigen
Erkenntnisgewinn fasst L. Bengtsson wie folgt zusammen: „Modellexperimente zum
Klimawandel sind deswegen im Grunde Experimente zur Abweichung des Klimas, sie
können mit hoher Wahrscheinlichkeit bei zu großen Abweichungen irreführend
sein.“ Dieser Satz sagt alles wie nichts. Das Orakel von Delphi hätte sich nicht
diffuser ausdrücken können. Noch deutlicher kann man die ganze Substanzlosigkeit
der „Klimamodellierung“ nicht zum Ausdruck bringen. Man meidet die Komplexität
der Wetterwirklichkeit, belebt das „Klima“ als totes statistisches Konstrukt und
erhebt es zum Gegenstand der Forschung.
Jeder „Klimawert“ ist ein historischer Wert. Er ergibt sich immer aus der
Rückschau durch die statistische Verarbeitung der Wettervergangenheit. Eine
durchaus sinnvolle Bearbeitung von „Klimadaten“ bietet die Methode der
30jährigen übergreifenden Mittelwerte. Sie erlaubt es, wie bei der
charttechnischen Analyse an der Börse Veränderungen festzustellen und
Projektionen in die Zukunft zu wagen. Damit kann man aber weder die Ursachen des
ständigen Auf und Ab an der Börse erklären, noch Aussagen über einzelne
Aktienwerte ableiten. Im übertragenen Sinn geben über 30 Jahre gemittelte
globalisierte „Klimadaten“ keinerlei Auskunft über Ablauf wie Ursache des
zugrunde liegenden Wetters. Dieses gehorcht zwar unabänderlichen Naturgesetzen,
jedoch ist sein jeweiliger Verlauf „chaotisch“, insbesondere in der
„Westwindzone“, und entzieht sich daher jeglicher Erklärung.
Das Wetter ist ein irreversibler Naturvorgang, der sich jeglicher menschlichen
Beeinflussung und Steuerung entzieht. Im Nachhinein das zum „Klima“ komprimierte
Wetter unter Schutz zu stellen, ist unsinnig, weil überflüssig. „Klima“
zukünftig konstant halten zu wollen, zeugt von einer anmaßenden Hybris
ohnegleichen, denn nicht der Mensch beherrscht das Wetter, ganz im Gegenteil,
das Wetter beherrscht den Menschen und zwingt ihn ständig dazu, sich ihm
anzupassen.
So dankbar die Menschen das Angebot „Klimaschutz“ auch annehmen mögen, zumal
ihnen vorher genügend Angst vor der drohenden und zudem aus eigenem Verschulden
verursachten „Klimakatastrophe“ gemacht wurde, so uneinlösbar ist das von
Wissenschaftern propagierte Ziel. Jedweder Schutz des „Klimas“ müsste zuerst
beim Wetterschutz anfangen, doch Wetterschutz heißt „Schutz vor dem Wetter“ und
nicht „Schutz des Wetters“. Dennoch wurde der „Klimaschutz“ eiligst von der
Politik aufgegriffen, denn sie dachte sofort an die Verhängung eines Bußgeldes,
die „Klimaschutzabgabe“ oder „Ökosteuern“. Die staatliche Fürsorge und Vorsorge
sollte sich stattdessen verstärkt darauf konzentrieren, insbesondere die
Qualität der Wettervorhersagen zu verbessern, anstatt völlig utopische
„Klimaprognosen“, die noch jenseits aller Wahrsagerei stehen, zu finanzieren.
Während des gesamten Symposiums fand es kein Wissenschafter für notwendig, die
Unsinnigkeit des Vorhabens „Klimaschutz“ der Öffentlichkeit vor Augen zu führen.
Statt die Angst vor der „Klimakatastrophe“ zu nehmen, schürte man sie. Anstatt
gegen eine eingebildete Nullgefahr anzukämpfen, sollte die Staatenwelt sich
vielmehr bemühen, ein besseres Warnsystem für drohende Wetterkatastrophen zu
installieren, um Menschen wie ihre Güter besser schützen zu können. Das war
einmal das Ziel des WMO-Projektes „World-Weather-Watch“.
Dieses Versäumnis ist umso erstaunlicher, zumal sich das 3. Symposium 1998 in
Leipzig speziell mit dem „Werkzeug Sprache“ befasst hatte. Doch Sprache als
Verständigungsmittel führt nur dann zu einem fruchtbaren Gedankenaustausch und
gegenseitigem Verstehen, wenn die gesprochenen Worte nicht nur akustisch gleich
klingen, sondern wohl definiert sind und nicht konträr verstanden und ausgelegt
werden können. Wer gezielt den Eindruck erweckt, dass „Klima“ etwas
Gegenständliches ist wie ein Denkmal, das man schützen aber auch beschmutzen
kann, oder etwas Lebendiges, dessen Bewegungen man vorausberechnen kann, der ist
unwissenschaftlich, der bewegt sich auf einer ideologischen Schiefebene, der
dient nicht der „Erforschung der Wahrheit“, wie es Adolf von Harnack
formulierte.
Als „deskriptive Wissenschaft“ ist die Klimatologie im Rahmen der die Erde
beschreibenden Geographie als „angewandte Meteorologie“ von Nutzen. Die
theoretisch mittels numerischer „Klimamodelle“ betriebene „Klimaforschung“ ist
ohne Nutzen und keine Grundlagenforschung! Die Grundlagen der Dynamik der
Atmosphäre erforscht die Meteorologie, die aber offensichtlich zu kompliziert
ist, um für ideologische Gedankenspiele und spekulative Szenarienspielereien mit
gesellschaftspolitischem Unterhaltungswert herzuhalten. Im Gegensatz zum Wetter
kann beim „Klima“ der Mensch seiner Überheblichkeit frönen, „deus ex machina“
spielen und statistische Gebilde in Großrechnern zu Leben erwecken und zu
bedrohlichen Monstern werden lassen. Zuerst wird die Dynamik des Wetters in ein
statisches Bild gepresst mit solchen Konstrukten wie dem „Azorenhoch“ im Juli
oder dem „Islandtief“ im Januar und dann werden im Computer diese Gebilde
künstlich reanimiert und als Wetterkatastrophen erzeugende Gespenster auf die
Menschheit losgelassen. Sie erzeugen je nach Stimmungslage Hitze, Dürre, Kälte,
Orkane, Schnee, Regen oder Überschwemmungen, münden in eine Eis- oder Warmzeit
zugleich.
Die „Klimaexperten“ kann man als Geisteswesen bezeichnen, die sich vom
Gegenständlichen, Natürlichen gelöst und sich ganz in die abstrakte Welt der
Gedanken, ja der Mythen, begeben haben in dem Glauben, dass die Welt ihrer
Gedanken die heile Welt des Denkens, des reinen Geistes, der globalen Freiheit
sei. Es sind dem Wortsinn nach Ideologen, die eine gedachte Idealwelt eines nach
G. Tetzlaff vorindustriell ungestörten „Wetter- und Klimagleichgewicht“
anstreben. In solch einer realitätsfernen Geisteswelt bilden Sinnesfunktion und
„rationaler“ Verstand eine Synthese und formen ein neues Ganzes, das Schutzgut
„Globalklima“. Wer solch eine astrophysikalische oder extraterrestrische
Position zur Erde eingenommen hat, den interessieren weder die Vielfalt der
Klimate noch die Mannigfaltigkeit an Wetter. Dies sind für ihn Störfaktoren im
abstrakten Gedankengebäude. Solch ein wirklichkeitsfernes Modell konstruierte
1896 S. Arrhenius, der sich alles Kohlendioxyd der Luft in einer Höhe von 6 km
über Meeresniveau konzentriert dachte, um die Absorptionslinien des CO2 wusste
und dieses selektiv Strahlung absorbierende Gas dennoch zum „schwarzen Körper“
verdichtete. In seinem Irrglauben glaubte er, damit das Kommen und Gehen der
Eiszeiten erklären zu können.
Allein die Wortkombination „Klimaschutz“ ist ohne Sinn und Verstand, denn ein
statistisch errechneter Wert bedarf weder eines Schutzes noch kann er Unheil
anrichten. Sinnvoller und vor allem logischer wäre es dann schon, das Wetter
unter Schutz zu stellen. Doch das Wetter agiert von Natur aus so autonom, dass
das Vorhaben „Wetterschutz“ einen Sturm an Heiterkeit auslösen würde.
„Wetterschutz“ heißt daher auch Schutz vor dem Wetter und nicht Schutz des
Wetters. Zurück zur deutschen Sprache: Das Wetter ist Wirklichkeit, die
Witterung ist eine noch wirklichkeitsnahe Beschreibung des Wetterablaufs, doch
das Klima ist völlig unwirklich. Wenn man Luftdruckwerte mittelt, dann entsteht
keine neue Wirklichkeit, kein neues Gebilde namens „Hochtief“. Erst recht ist
„Klima“ keine Gefahr, wie der Begriff „drohende Klimakatastrophe“ suggeriert,
der von der Deutschen Physikalischen Gesellschaft am 22. Januar 1986 anlässlich
einer Pressekonferenz im Hotel Tulpenhof in Bonn geprägt wurde und ein
Medienecho ohnegleichen auslöste. Die Politik wurde durch den Druck der
Medienöffentlichkeit derart unter Handlungszwang gesetzt, dass sie sich zur
„Klimaschutzpolitik“ genötigt sah und 1987 die Enquete-Kommission Vorsorge zum
Schutz der Erdatmosphäre installierte.
Die „Klimapolitik“ hat sich unter ganz maßgeblicher Leitung der „Klimaexperten“
zu einem absurden Polit-Theater entwickelt, das 1988 über die UN und das IPCC (Intergovernmental
Panel on Climate Change) globale Dimensionen annahm. Doch nicht nur der
„Klimaschutz“ ist nach gültiger WMO-Definition prinzipiell unmöglich, selbst der
„natürliche Treibhauseffekt“ ist ein abstraktes Gedankenkonstrukt, das allen
Gesetzen der experimentellen Physik zuwider läuft. Ohne das instinktive
Urwissen, dass jeder wärmere oder über die Umgebungstemperatur erwärmte Körper
sich abkühlt, hätte der Mensch als „nackter Affe“ nicht überleben können. So
heiß auch in den Subtropen die Tage sind, die Nächte sind bitter kalt.
Das Newtonsche Abkühlungsgesetz war den ersten Menschen ebenso unbekannt wie das
Gravitationsgesetz. Trotzdem wussten sie sich gegen Kälte und Unterkühlung zu
schützen. Wenn jeder Körper einzig gemäß seiner eigenen Temperatur unentwegt
Energie als Temperaturstrahlung abgibt, also innere Energie verliert, dann ist
es absolut unmöglich, dass er sich aus eigener Kraft erwärmt. Dabei kühlt ein
erwärmter Körper, der wie die Erde von einer Lufthülle umgeben ist, schneller ab
als ein Körper im Vakuum wie der Mond, denn zur Abkühlung durch Temperatur- oder
Wärmestrahlung kommt noch diejenige durch Leitung und durch Konvektion oder
Thermik.
Die experimentelle Bestätigung findet man in den Sitzungsberichten der
Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Klasse der Kaiserlichen Akademie der
Wissenschaften in Wien des Jahres 1879 in einer Arbeit von J. Stefan „Über die
Beziehung zwischen der Wärmestrahlung und der Temperatur“. Wenn sich kein Körper
in einer kälteren Umgebung, dies gilt speziell auch für die Erdkugel, aus
eigener Kraft erwärmen kann, dann verliert die Behauptung, es gäbe einen
„natürlichen Treibhauseffekt“, durch den die Erde von -18°C um 33 Grad auf +15°C
erwärmt würde, jegliche Existenzgrundlage. Es muss also bei seiner Ableitung ein
Gedankenfehler oder Trugschluss vorgelegen haben.
Diesen hat L. Bengtsson sogar offen dargelegt, doch Niemand bemerkte es. In dem
Absatz „Strahlungsänderungen der Sonne“ heißt es: „Die Strahlung, welche die
Erde erreicht, muss über deren Fläche (die etwa 4 mal größer als die
Querschnittsfläche ist) verteilt werden,...“. Eine Querschnittsfläche entspricht
der Kreisfläche πr2. Die Kugeloberfläche ist nicht „etwa“, sondern „exakt“ 4 mal
größer als die Kreisfläche, nämlich 4πr2. Doch die Erde ist keine von der Sonne
beschienene „Scheibe“, sondern eine „Kugel“, von der bei ihrer Eigenrotation
immer eine Halbkugel, das heißt die doppelte Querschnitts- oder Kreisfläche
beschienen wird. Macht man das Spielchen mit und rechnet entgegen der Definition
von P. Prévost mit der widernatürlichen Annahme, dass Sonne und Erde in einem
Strahlungsgleichgewicht“ stehen, mit Hilfe des Stefan-Boltzmann-Gesetzes für die
Hohlraumstrahlung die Erde in die Sonne als Hohlraum hinein und meint, die
Strahlung der Sonne unter Aufhebung von Tag und Nacht gleichmäßig über die
Erdoberfläche verteilen zu müssen, dann sollte man wenigstens der Erde ihre
Kugelform lassen und nicht wieder dem alten optischen Trugschluss verfallen, die
Erde sei eine „Scheibe“! Folgt man der physikalisch unzulässigen und zutiefst
primitiven Annahme der „Klimaexperten“ und verteilt die auf die Halbkugel
fallende Sonnenstrahlung auf die Kugel, dann erhöht sich die völlig fiktive
„Strahlungsgleichgewichtstemperatur“ auf +30°C. Nur durch die
Scheibe-Kugel-Korrektur kehrt sich im Vergleich zur „Globaltemperatur“ von +15°C
der angebliche „natürliche Treibhauseffekt“ in sein Gegenteil um. Es wird ein
ganz „natürlicher Abkühlungseffekt“ von -15°C. Trotz dieser banalen
Milchmädchenrechnung entspricht wenigstens das Minus-Vorzeichen dem Newtonschen
Abkühlungsgesetz.
Äußerst befremdlich ist auch die Tatsache, dass Niemand der Anwesenden
aufhorchte, als während der Podiumsdiskussion J. Bublath sagte: „Sie kennen
Herrn Thüne, der schwarze Strahlungskörper diskutiert und der Meinung ist, der
Treibhauseffekt existiert nicht.“ Nirgendwo im Saal hörte man den berühmten
Groschen fallen. Niemand erinnerte sich an G. Kirchhoff, der den „schwarzen
Körper“ definierte, mit R. Bunsen 1859 die Spektralanalyse entwickelte und eine
Erklärung der 1814 gefundenen dunklen „Fraunhoferschen Linien“ lieferte. Niemand
rekapitulierte sein Schulwissen, wo er gelernt hatte, dass feste und flüssige
Körper wie die Erde Energie über ein kontinuierliches Spektrum abstrahlen, Gase
aber nur selektiv oder diskontinuierlich Strahlung absorbieren und emittieren
können. Ohne weitere Worte sei auf das Lehrbuch von Arnold Sommerfeld „Atombau
und Spektrallinien“ von 1924 verwiesen.
Wenn man wie die gut vernetzte internationale Gemeinschaft der Klimaexperten“
annimmt, die Erde sei als ein nahezu „schwarzer Körper“ ein kontinuierlicher
Strahler, und zudem weiß, dass Gase stoffspezifische Linien- oder Bandenstrahler
sind, dann verbietet sich die Annahme eines „Treibhauseffektes“. 1896 wusste S.
Arrhenius um die Absorptionslinien der Kohlensäure, aber er ignorierte diese
bewusst, weil er ideologisch darauf fixiert war, unbedingt die Eis- und
Warmzeiten als Folge der Schwankungen des CO2-Gehaltes der Atmosphäre erklären
zu wollen. Diese Hypothese war so absurd, dass kein W. Wien, kein M. Planck,
kein A. Einstein, kein N. Bohr, kein W. Heisenberg, kein M. Born etc., allesamt
Nobelpreisträger der Physik, sich dazu herabließ, sich mit dieser völlig
abwegigen Hypothese zu befassen.
Wo sind heute die großen Physiker, die, mit Ausnahme von G. Gerlich, öffentlich
bekennen, das „Treibhaus Erde ist nackt“? Man kann die Erde sogar durch das
„stets offene atmosphärische Strahlungsfenster“ zwischen „7 und 13 μm“, so im
ersten Enquete-Bericht vom 2. November 1988, „sehen“ und die ausgesandte
Infrarotstrahlung mittels Wärmebildkameras von Satelliten aus photographieren.
Dieses „Fenster“ ist und bleibt offen, weil es nicht einmal durch die unzähligen
Absorptionslinien des Wasserdampfes geschlossen werden kann, geschweige denn
durch die des CO2, des CH4, des N2O etc.
Die Abstraktion ist ein wissenschaftlich legitimes Instrument zum Zwecke der
Umwandlung der komplexen Wirklichkeit in praktikable Begriffe. Sie bildet die
unentbehrliche Grundlage aller rationalen Verstandestätigkeit. Wenn der
abstrakte Menschengeist jedoch der Hybris verfällt und sich selber absolut setzt
und völlige Autonomie zu beansprucht, dann verlässt er den Boden der legitimen
authentischen Abstraktion und verfällt über die theoretische Spekulation in die
dogmatische Fiktion. Die „Klimaexperten“ abstrahieren von der komplexen
Wetterwelt und flüchten sich in eine heile und steuerbare „Klimawelt“.
Diese heile „Klimawelt“ ohne „Klimawandel“ hat es nie gegeben und wird es auch
nie geben, weil das „Treibhaus“ nichts als eine willkürliche Konstruktion ist,
ein gedankliches Luftschloss, dem jedweder Bezug zur Realität fehlt. Die
Erforschung des eingebildeten „Treibhauseffektes“ wie seiner imaginären Folgen
hat bereits viele Milliarden an Forschungsmitteln verschlungen. Weitere
Milliarden sollen in die „Sequestrierung“ des CO2, in die „Dekarbonisierung“ der
fossilen Energieträger fehl investiert werden. Auch die durch „Kyoto“ in Gang
gesetzten Geldströme werden keinerlei Einfluss auf die wetterbestimmenden
Strahlströme haben.
Wenn H. Markl als Präsident der Max-Planck-Gesellschaft bei der EXPO 2000 in
Hannover bekannte, dass „Lug und Trug integrale Bestandteile des Forschens“
sind, auf die numerische „Klimaforschung trifft dies hundertprozentig zu. Wenn
einer diesem Treiben ein Ende bereiten und die Politik von der Sinnlosigkeit des
Vorhabens „Klimaschutz“ überzeugen kann, dann die alterwürdigen Akademien der
Wissenschaft. Nur sie können die Klimakatastrophe stoppen und verhindern, dass
die deutsche Forschungslandschaft vor weiterer Austrocknung und Versteppung
bewahrt wird. Mit dem Geld ist es wie mit der IR-Strahlung, es kommt nicht
zurück und schon gar nicht vermehrt! Die sich nachts ihrer ungeheuren Wärme per
Infrarotstrahlung entledigende Wüste ist ein natürlicher Fingerzeig auf die
Nichtexistenz eines „Treibhauseffektes“.
Den „Klimaexperten“, die von ihren hohen Lehrstuhlkanzeln mit quasireligiösem
missionarischem Eifer ohnegleichen die Existenz des „natürlichen
Treibhauseffektes“ predigen und beschwören, sei empfohlen darüber nachzudenken,
warum der heiße Kaffee in der Thermoskanne trotz optimaler Isolierung nie wärmer
sondern stets immer nur kälter wird. Was in einem geschlossenen „Ökosystem“
nicht gelingt, soll in einem offenen wie der Erde möglich sein?
Der „Treibhauseffekt“ ist das theoretische Konstrukt eines sich der Natur
entfremdet habenden selbstherrlichen Geistes. Ich hoffe und wünsche, dass in
genügend zeitlichem Abstand zum Symposium die „Kühle und Strenge“ in die
Wissenschaft einkehren möge, die notwendig ist, um das „Treibhaus“ als das zu
enttarnen, was es ist, ein artifizielles Hirnkonstrukt.
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Wolfgang Thüne, Dipl.-Met.
Werkstatt für Wetterkunde
55276 Oppenheim
26. 03. 2006
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Leserbrief:
Doppelpass zwischen Umwelt und Fußball
VDI Nachrichten 10.03.06
Sehr geehrte Damen und Herren,
einleitend will ich gestehen, dass ich kein Fußball-Fan bin. Ich konnte daher
möglicherweise etwas entspannter als andere Ihren Bericht über die
umweltschutztechnische Vorbereitung der Weltmeisterschaft in den VDI nachrichten
vom 10. März 2006 lesen. Die Lektüre hat mich nachdenklich gemacht:
Sicher mit hohem finanziellen und geistigen Aufwand wurde vom Ökoinstitut
Darmstadt berechnet, dass die 3,2 Millionen Zuschauer einen Ausstoß von rund
100.000 t CO2 verursachen werden - "vor allem wegen des Autoverkehrs." Wenn die
WM nicht stattfinden würde gäbe es diese Emissionen also nicht. Ich darf daraus
ableiten, dass Fußballfans nur während der WM mit dem Auto fahren. Sonst gar
nicht? Hoffentlich wurde in die Rechnung auch der erhöhte Grundumsatz und die
damit enorm gesteigerte CO2-Emission der begeisterten Massen bei jedem Tor
einbezogen! (Mit wieviel Toren hat das Ökoinstitut gerechnet?)
Um das Klima dennoch zu retten, erfolgen "Ablass"-Zahlungen für die kommenden
"Klimasünden" durch alle möglichen Institutionen und Unternehmen. Der alte
Tetzel hätte seine helle Freude daran gehabt!
Aus dem Artikel habe ich gelernt, dass - wenigstens in Südindien - Kuhmist bei
der Umwandlung in Energie keine Schadstoffe freisetzt, Brennholz aber wohl.
Darauf muss man erst einmal kommen!
Der Energieversorger EnBW will 10 Mio. kWh "Ökostrom" aus Schweizer
Wasserkraftwerken ins Netz einspeisen. Was würde bloß mit diesem Strom
geschehen, wenn die WM nicht stattfinden würde? Antwort: Er würde auch ins Netz
eingespeist werden!
Eine Photovoltaikanlage im Westfalenstadion wird 250.000 kWh Strom erzeugen -
"genug, um während der sechs WM-Spiele in Dortmund das Flutlicht zu betreiben."
Da werden die Fans wohl im Dunkeln sitzen müssen, denn dann, wenn das Flutlicht
Erleuchtung bringen soll, scheint die Sonne nicht. Oder ist gemeint, dass der
Strom aus der PV-Anlage tagsüber "kostengünstig" (für rund 50 ct/kW) ins
öffentliche Netz eingespeist und von der Allgemeinheit subventioniert wird,
während die Beleuchtung tatsächlich mit Hilfe von deutlich billigeren Kohle- und
Kernkraftwerken betrieben wird?
Der Wasserverbrauch soll um 10.000 m³ gesenkt werden, indem Regenwasser genutzt
wird und Trocken-Urinale installiert werden. Soll damit etwa dem
Trinkwassermangel in Teilen der Dritten Welt abgeholfen werden? Deutschland
verfügt über so große Wasser-Vorkommen, dass "Wassersparen" aus ökologischer
Sicht überflüssig ist. Sinkender Wasserbrauch aus der öffentlichen Versorgung
führt zu geringerer Auslastung der Förder- und Transportanlagen und damit zu
steigenden Kosten - mehr nicht!
Für mich als bekennendem Nicht-Fußballer wird nicht das Abschneiden der
deutschen Elf vordergründig interessant sein, sondern, ob all die geplanten
teuren "Klimaschutz"-Maßnahmen der "ersten klimaneutralen Weltmeisterschaft"
nicht etwa zu einem neuen Kälteeinbruch führen werden.
Sehr geehrte Damen und Herren, selbstverständlich weiß ich schon jetzt, dass
meine Zeilen keiner Veröffentlichung in den VDI nachrichten gewürdigt werden,
nämlich weil sie erstens Zweifel am sog. Klimaschutz nähren und zweitens nicht
zur gegenwärtigen Fußball-Euphorie passen.
Ich verbleibe trotzdem mit freundlichen Grüßen
Ihr Dr. rer. oec., Ing. Dietmar Ufer (VDI-GET)
Leipzig
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Die Kernenergie im Spannungsfeld der Energieversorgung
Wolfgang Weidlich
Institut für Theoretische Physik der Universität Stuttgart
e-mail: weidlich@theo2.physik.uni-stuttgart.de
Vortrag am 05. November 2006
mit Graphiken Nr. 4, 7, 10, 11, 12, 13 auf den 3 letzten Seiten
Inhalt
Einleitung
1) Basiswissen
1.1) Die Kernenergie als Basisinnovation
1.2) Verfügbarkeit und Leistung der Kernenergie
1.3) Die Technische Sicherheit der Kernenergie
1.4) Die Energiepolitische Sicherheit der Kernenergie
1.5) Der Beitrag der Kernenergie zum Klimaschutz
1.6) Die Zukunft der (Kernspaltungs-) Kernenergie
1.7) Alternative Energien, ihre Möglichkeiten und Grenzen im Energiemix
1.8) Szenarien mit und ohne Kernenergie
2) Der Deutsche Irrweg
2.1) Beispiele
2.2) Die Natur der Fehlentwicklung
3) Der Ausweg aus dem Irrweg
3.1) Die Notwendigkeit der energiepolitischen Wende
3.2) Die Schwierigkeiten des “Ausstiegs aus dem Ausstieg“
3.3) Die Verwirklichung der Wende
Einleitung
Meine sehr verehrten Damen und Herren!
Das Thema "Kernenergie" ist aus folgenden Gründen von besonderer Art:
Einerseits ist die Kernenergie hinsichtlich ihrer Leistungsfähigkeit, ihres
Sicherheitsstandards ihres Umweltschutzbeitrages, aber auch ihres
Gefahrenpotentials mit quantitativen Maßstäben rational erfassbar.
Andererseits beobachtet man in Deutschland demgegenüber bei ihrer Einschätzung
eine extreme Akzeptanzverzerrung jenseits der Wirklichkeit und bei geringem
Kenntnisstand.
Deshalb sind einige Vorbemerkungen angebracht.
Es ist das Ziel meines Vortrages, hinsichtlich der Einschätzung der Kernenergie
durch Rationalität zur Wirklichkeit zurückzukehren sowie die Gründe der
Akzeptanzverzerrung zu untersuchen und Möglichkeiten zu ihrer Behebung
vorzuschlagen.
Da ich als Physiker zwar etwas von den Grundlagen der Kernphysik verstehe, aber
selbst kein Kernenergetiker bin, verwende ich als Quelle meiner Kenntnis die
Untersuchungen international anerkannter Experten, die weder einer
Industrielobby angehören, noch im Auftrag politischer Parteien handeln. Dazu
gehören z.B.
Die Untersuchungen des IER, d.h. des Instituts für Energiewirtschaft und
Rationelle Energieanwendung der Universität Stuttgart;
Die DPG-Studie (2005) "Klimaschutz und Energieversorgung" von 1990-2020;
Die Untersuchung (2004) des ILK, d.h. der internationalen Länderkommission, zur
Nachhaltigkeit der Kernenergie.
Die Untersuchungen des PSI (2004), d.h. des Paul-Scherrer-Instituts (Schweiz).
Ich vertraue dabei der Objektivität dieser Untersuchungen. Wenig Vertrauen setze
ich demgegenüber in Medien, die unter Missbrauch ihrer "gate-keeper-Rolle"
einseitige Meinungsmache betreiben, und kein Vertrauen habe ich in
selbsternannte "Experten" und/oder Ideologen.
Hinsichtlich meiner Zuhörer gehe ich von der optimistischen Annahme aus, dass
sie einer Elite angehören, welche emotionalisierungsresistent ist, und in der
Lage, einige quantitative Eckdaten zur Kenntnis zu nehmen und urteilend zu
verarbeiten. (Diese Fähigkeit unterscheidet eine solche Elite von der Mehrheit
der Deutschen, die eher ein gestörtes Verhältnis zur Zahl hat).
Der Zielsetzung entsprechend gliedere ich meinen Vortrag in drei Teile:
1) Basiswissen
2) Der Deutsche Irrweg
3) Der Ausweg aus dem Irrweg
1) Basiswissen
1.1) Die Kernenergie als Basisinnovation
Die Kernenergie, d.h. die Energiegewinnung durch Spaltung (Fission) bzw. durch
Verschmelzung (Fusion) von Atomkernen, ist die wohl wichtigste Basisinnovation
des zwanzigsten Jahrhunderts. Sie kann den wachsenden Bedarf für elektrische
Energie der Menschheit auf Jahrtausende hinaus befriedigen!
Die Kernenergie ist eine Basisinnovation, weil es sich bei ihr um die Ersetzung
der chemischen Energie (d.h. des Energiegewinns durch Umordnung der
Elektronenhüllen von Atomen und Molekülen beim chemischen Verbrennungsprozess)
durch Kernenergie (d.h. den Energiegewinn durch Umordnung der Kernbestandteile
von Atomen durch Kernspaltung oder Kernfusion) handelt.
Die dabei freigesetzte Energie pro Gewicht der Energieträger ist etwa 100000 mal
so groß als bei der chemischen Verbrennung. Dementsprechend beträgt die Asche
(d.h. der radioaktive Abfall) gewichtsmäßig nur etwa ein Hunderttausendstel der
Asche bei chemischer Verbrennung.
1.2) Verfügbarkeit und Leistung der Kernenergie
Einen Überblick über den derzeitigen (Januar 2006) weltweiten und deutschen
Stand der Kernenergie gibt Tabelle 1a/b. Danach existieren 2006 insgesamt 441
Kernkraftwerke (KKWs), davon in Deutschland 17, mit einer Leistung von 370
Gigawatt = 370 • 1012 Watt = 370 000 Megawatt = 370 Millionen Kilowatt (in
Deutschland 20 Gigawatt = 20 000 Megawatt = 20 Millionen Kilowatt). Sie erzeugen
jährlich (2004) 2600 Milliarden Kilowattstunden (KWh) elektrische Energie (in
Deutschland 158 Milliarden KWh). Sie verbrauchte dabei nur insgesamt jährlich 66
000 Tonnen Uran (in Deutschland 3 500 Tonnen).
Hinsichtlich der zeitlichen Verfügbarkeit eines jeden KKWs gibt es eine
weltweite Rangliste. Im Jahre 2005 waren unter den 10 weltbesten KKWs 6 deutsche
KKWs mit einer Zeitausnutzung im Grundlast-Dauerbetrieb von 94,97 % bis 90,45 %.
Dies bedeutet natürlich zugleich höchste Zuverlässigkeit.
Im Januar 2006 sind weltweit 22 KKWs im Bau, 40 in der Planung und 113
vorgeschlagen, darunter der im Bau befindliche EPR (European Pressurized Reactor)
in Finnland und der geplante EPR in Frankreich. Abgeschaltet wurden 2005
weltweit 2 Anlagen, Obrigheim (Deutschland) und Bärsebäck (Schweden).
Es erscheint danach absurd, anzunehmen, dass die Welt Deutschland als Vorreiter
im Ausstieg aus der Kernenergie folgen will und wird.
Die technische Laufzeit von KKWs beträgt mindestens 40 Jahre, beim EPR
(Finnland) wird 60 Jahre Laufzeit zugrundegelegt. Die Laufzeit von 30 Jahren
laut Ausstiegsbeschluss beruht auf einem politischen Beschluss und hat mit der
technisch möglichen Laufzeit nichts zu tun!
1.3) Die Technische Sicherheit der Kernenergie
In der westlichen Welt entwickelte Kernreaktoren besitzen einen sehr hohen
Sicherheitsstandard. Die deutschen Sicherheitsstandards sind dabei die höchsten
der Welt.
"Tschnernobyl" ist also nicht überall, im Gegensatz zur stereotypen, aber
falschen Behauptung der Kernenergiegegner. Das liegt daran, dass "westliche"
Kernreaktoren – im Gegensatz zum Tschernobylreaktor – nach entscheidend besseren
Sicherheitsprinzipien gebaut sind. Ein GAU (Größter Anzunehmender Unfall) hat
für diese KKWs die verschwindend kleine Wahrscheinlichkeit von drei Millionstel
pro Jahr und pro KKW. Sie ist viel kleiner als die Wahrscheinlichkeit von
Naturkatastrophen wie dem Einschlag eines Asteroiden oder dem Auftreten eines
Tsunami.
Dies ergibt sich auch aus der vergleichenden Untersuchung schwerer Schadensfälle
des Paul-Scherrer-Instituts (2004) für den Zeitraum 1969-2000 (::
siehe 4).
Für alle, die der AKKA (Anti-Kern-Kraft-Angst) anheim gefallen sind, muss es
geradezu ein Schock sein, zu erfahren, dass im Energieerzeugungsbereich die
schwersten Unfälle im Bereich der Kohle (Minen) und der Hydroenergie (Dammbruch)
geschahen, während die Kernenergie (sogar einschließlich Tschernobyl) zwar nicht
gefahrlos ist, aber sehr gut abschneidet.
Zugleich zeigt sich, dass in den OECD-Ländern (also den wirtschaftlich
hochentwikkelten "westlichen" Ländern) eine viel geringere Zahl von Unfällen
auftrat als in den Nicht-OECD-Ländern. Das bedeutet, dass sich die Aufwendungen
für Sicherheit bei uns in hohem Maße gelohnt haben!
Zur Sicherheit der Kernkraft gehört auch die langfristige Endlagerung
radioaktiver Asche.
Allgemein gilt, dass die Menge dieses Abfalls bei KKWs bei gleicher
Energieproduktion etwa um den Faktor 100 000 geringer ist als die Asche
(einschließlich CO2) bei "fossilen" Kraftwerken.
In Deutschland ist für die Lagerung hochradioaktiven Abfalls der Salzstock
Gorleben als der geeignete Ort befunden und seit 1978 erkundet worden. Die
Gutachten besagen, dass der Salzstock seit mindestens 200 Millionen Jahren
stabil ist und daher geologisch besonders geeignet ist, insbesondere auch, weil
Salz die Wärme gut leitet und plastisch ist, und weil keine Karsteinschlüsse
vorhanden sind.
Dass dieses Endlager Gorleben noch nicht endgültig einsatzbereit ist (dafür sind
weitere 5 Jahre Ausbau nötig) hat keine technischen, sondern rein politische
Gründe, nämlich den Moratoriumsbeschluss der vorherigen Bundesregierung. Die
Endlagerung hochradioaktiven Abfalls (eingeschmolzen in Glaskokillen) ist im
Kernforschungszentrum Karlsruhe seit vielen Jahren technisch vorbereitet worden.
Für schwach- und mittel-radioaktiven Abfall stehen anderer Endlager bereit, für
welche schon die Genehmigung erteilt wurde.
Die Einlagerungskapazität von Gorleben ist groß und könnte ohne weiteres für 40
statt 20 KKWs hochgefahren werden. Eine noch offene Frage ist die der
Rückholbarkeit der Abfälle zwecks weiterer Wiederaufbereitung. Holt man das
Plutonium heraus, so kann man es als neuen Brennstoff in MOX-Brennstäben
verwenden. Holt man alle Aktiniden heraus, so kann man die Abklingzeit der
Radioaktivität auf natürliches Niveau erheblich verkürzen.
Allerdings ist die Rückholbarkeitsoption gegenüber der unbefristeten und
wartungsfreien Endlagerung erheblich teurer. Eine Gefahr für die Bevölkerung
besteht von den in 400 bis 800 Meter Tiefe lagernden radioaktiven Abfällen in
keinem Fall!
1.4) Die Energiepolitische Sicherheit der Kernenergie
Der Beitrag der Kernenergie zur energiepolitischen Sicherheit von Europa liegt
in der ganz anderen Situation der Brennstoffversorgung und –bevorratung
gegenüber Öl und Gas. Demgegenüber kommt Uran für KKWs aus politisch stabilen
Ländern wie Kanada, Australien oder Brasilien.
Öl kommt vorwiegend aus dem politisch instabilen Nahen Osten. Gas kommt
vorwiegend aus Russland, wobei wir hoffen, dass seine Versorgungsmacht nicht zu
politischen Pressionen missbraucht wird.
Die Einlagerung von Öl und Gas in Kavernen und Druckbehältern als gesetzliche
Reserve für 90 Tage ist aufwendig und teuer.
Demgegenüber ist die Vorratshaltung von Uran zur energiepolitischen Sicherheit
bedeutend einfacher und preiswerter als bei Öl und Gas. Es wäre leicht, gerade
unter Ausnutzung der gegenwärtig noch niedrigen Uranpreise, einen Uranvorrat für
10 Jahre (bei Fortlauf der gegenwärtigen Kernenergieproduktion) anzulegen. Die
Kosten für die Vorrathaltung von Öl und Gas des gleichen Energieinhaltes wäre 35
mal so hoch!
Die Brennstoffkosten für Gaskraftwerke (Gaspreis frei Kraftwerk) betragen 75 %
der Kosten der erzeugten Energie. Demgegenüber beträgt der Uranpreis nur 3 % des
Strompreises aus KKWs.
Die Vorräte der zum jetzigen Preis abgebauten Uran-Ressourcen reichen (bei
jetzigem Ausbau der Kernenergie) für etwa 60 Jahre. Bei Verdreifachung des
Uranpreises (d.h. auf 9 % des Strompreises) reichen die abbau-würdigen Uran
Ressourcen 200 Jahre.
Eine weit bedeutendere Steigerung der Nutzbarkeitsdauer der Kernenergie um den
Faktor (!) 50 bis 100, also auf mindestens 50 x 60 = 3.000 Jahre, resultiert mit
Brutreaktoren, welche das schnelle Neutronenspektrum der Kettenreaktion
benötigen (in welchen also die Neutronen nicht durch Wasser abgebremst werden)
und aus 238U mehr Spaltmaterial erbrüten (nämlich 239Pu und 241Pu), als 235U
verbraucht wird. Dadurch kann nicht nur die 0,7% von 235U als Brennstoff benutzt
werden, sondern auch die 99,3% von 238U, nachdem es in Plutonium (durch
Neutroneneinfang und anschließenden β-Zerfall) umgewandelt wurde.
1.5) Der Beitrag der Kernenergie zum Klimaschutz
Wären anstelle der KKWs in Deutschland Kohlekraftwerke gebaut worden, welche
dieselbe jährliche Strommenge erzeugt hätten, so würden sich die jährlichen
CO2-Emissionen um etwa 160 Millionen Tonnen erhöhen. Dies entspricht etwa der
CO2-Emission des gesamten deutschen Kraftfahrzeugverkehrs.
Würde die Kernenergie durch moderne, aber fossil befeuerte Kraftwerke (z.B.
Gaskraftwerke) ersetzt werden, so würde sich die CO2-Emission immer noch um
100-120 Millionen Tonnen erhöhen.
Gemäß der DPG-Studie (2005) wird die Gesamt-Treibhausgas-Emission Deutschlands
im Jahre 2020 folgende Werte annehmen:
820 Millionen Tonnen CO2-Äqu. mit weiterlaufenden KKWs
932 Millionen Tonnen CO2-Äqu. mit abgeschalteten KKWs
Das Ziel einer Verringerung der CO2-Emission von 1020 Millionen Tonnen (1990) um
40 % von 1990 bis 2020 erscheint schon mit weiterlaufenden KKWs als zu
ehrgeizig, aber als völlig unrealistisch bei abgeschalteten KKWs.
1.6) Die Zukunft der (Kernspaltungs-) Kernenergie
Nach der Generation I der Kernreaktor-Prototypen, der Generation II der jetzt in
Betrieb befindlichen Leichtwasser-KKWs und der fortgeschrittenen Generation III
des EPR (European Pressurized Reactor), bei welcher sich alle eventuellen
Unfälle auf das Innere des Containments beschränken, wird zur Zeit an der
Generation IV neuer Reaktortechnologien geforscht.
Die neuen Reaktortechnologien sind:
a) Gasgekühlter schneller Reaktor
b) Bleigekühlter schneller Reaktor
c) Salzschmelze Reaktor
d) Natriumgekühlter schneller Reaktor
e) Leichtwasserreaktor mit überkritischen Dampfzuständen
f) Hoch- bzw. Höchsttemperatur-Reaktoren
An Generation IV ist auch Euratom (also Europa außer Deutschland, falls der
Ausstiegsbeschluss nicht aufgehoben wird) beteiligt, und zwar an der Entwicklung
von drei der sechs Reaktorkonzepte.
Man erkennt schnell, dass zwei Gesichtspunkte bei den neuen Konzepten wesentlich
sind:
Einmal geht es um verschiedene Typen schneller Brutreaktoren, die in der Lage
sind, neuen Brennstoff (Plutonium) aus 238U zu erbrüten, was die
Brennstoffvorräte entscheidend vergrößert (siehe oben).
Andererseits geht es um höhere Betriebstemperaturen, um den Wirkungsgrad gemäß
dem zweiten Hauptsatz der Thermodynamik entscheidend zu erhöhen und auch, um den
Einstieg in die Wasserstofferzeugung (Wasserdissoziation) durch Kernenergie zu
schaffen.
Hier sei der HTR (Hochtemperaturreaktor) genannt, weil er leider ein Beispiel
für deutsche Fehlentwicklungen ist:
Die grundlegenden Erfindungen für den HTR wurden vor etwa 30 Jahren in
Deutschland gemacht, nämlich von Prof. Dr. Schulten und Prof. Dr. Lohnert.
Letzterer ist Professor am Institut für Kernenergetik und Energiesysteme der
Universität Stuttgart.
Ein Prototyp des HTR wurde in Deutschland gebaut, aber bald durch die
Anti-Kernkraft-Regierung aus "politischen Gründen" abgeschaltet. Deshalb
erleidet Herr Lohnert einstweilen das Schicksal des Propheten im eigenen
Vaterland. Mehr Glück hat er hingegen in China. Dort wurde der HTR nach
deutschem Vorbild inzwischen nachgebaut (genannt PBMR = Pebble Bed Modular
Reactor) und Herr Lohnert bekam kürzlich (im Februar 2006) in Peking einen Preis
für den wichtigsten ausländischen Wissenschaftler.
Er hatte in China auch Grund zu weiterer Freude: Die Anfangsbedingungen der
Kettenreaktion wurde versuchsweise beim HTR so eingestellt wie beim
Tschernobyl-Unglück. Der HTR ging jedoch konstruktionsgemäß, der Rechnung von
Herrn Lohnert folgend, von selbst in den Normalbetrieb zurück, anstatt zu
explodieren. Die Journalisten gingen daraufhin gelangweilt nach Hause. Sie
hatten nämlich die eigentliche Sensation gar nicht begriffen: Dieser Reaktortyp
ist nämlich “inhärent sicher“, das heißt, er kann nämlich gar keinen GAU haben,
auch unter schlimmsten Bedingungen nicht, die hier absichtlich erzeugt wurden.
Da hätte doch nun wenigstens die deutsche, von Kernenergie-Ängsten geschüttelte
Medienwelt freudig erregt reagieren müssen! Doch davon war kein Sterbenswörtchen
zu lesen oder zu hören.
Eine weitere Zukunftsentwicklung betrifft die mögliche Rolle der Transmutation
bei der zukünftigen Entsorgung:
Der hochradioaktive Abfall besteht nämlich aus kurzlebigen Spaltprodukten und
langlebigen "Aktiniden", d.h. von Transuranen (wie Pu, Am, Np), die beim Abbrand
erzeugt werden.
Entfernt man nun die Aktiniden chemisch aus dem Abfall (Partitionierung), so
bleiben einerseits kurzlebige Spaltprodukte übrig; andererseits muss man die
Aktiniden durch Bestrahlung (Transmutation) in kurzlebige Spaltprodukte
umwandeln. Auf diese Weise kann man im Prinzip erreichen, die Dauer der
Endlagerung bis zur Erreichung des Niveaus natürlicher Radioaktivität wesentlich
zu verkürzen (:: siehe 7).
1.7) Alternative Energien, ihre Möglichkeiten und Grenzen im Energiemix
Wir sehen uns zunächst den Stand der Nettostromerzeugung in Deutschland aus
verschiedenen Energieträgern im Jahre 2004 an (siehe Graphik 8):
Danach trug bei (in der Reihenfolge ihrer Anteile):
Kernenergie 30,00 %
Braunkohle 27,00 %
Steinkohle 22,00 %
Erneuerbare Energien 10,00 %
Erdgas 8,00 %
Heizöl, Pumpspeicher 3,00 %
Der Beitrag der erneuerbaren (d.h. alternativen) Energien setzte sich wie folgt
zusammen (in der Reihenfolge ihrer Anteile):
Wind 4,59 %
Wasser 3,78 %
Biogene Brennstoffe 1,10 %
Biogas 0,24 %
Deponiegas 0,19 %
Fotovoltaik 0,10 %
Geothermie 0,00 %
Bild 9 zeigt die Entwicklung der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien in den
letzten Jahren.
Diese war allerdings nur durch eine erhebliche kostenintensive Subvention (durch
den Stromkunden) der erneuerbaren Energien möglich.
So wurde im Jahr 2004 gemäß dem Energie-Einspeisungs-Gesetz (EEG) vergütet:
für den Photovoltaikstrom 280 Millionen € ,
also 50 Cent / KWh, was einer Subvention von etwa 1.500 % entspricht (bei einem
Marktwert von 3 Cent/KWh)
für den Windstrom 2.300 Millionen €,
also 9 Cent / KWh, was einer Subvention von 300 % entspricht.
Auf die Beschäftigten in der Windenergie (direkt 7.500, indirekt 61.600)
berechnet sich eine "Bandbreite" der Subvention von 37.300 € bis 307.000 € pro
Jahr und Arbeitsplatz (Auf diese Weise kann man natürlich leicht "wertvolle
Arbeitsplätze" schaffen!)
Wie sich die Fördermittel (Subventionen) über die Jahre hinweg bei der
Windenergie entwickelt haben (bis 2003, aber natürlich weiter ansteigend auf
Grund des Einspeisungsgesetzes) zeigt :: Bild 10.
Sollte der Beitrag der Kernenergie bis 2020 abgeschaltet werden, so müsste er
a) entweder ganz durch erneuerbare Energie ersetzt werden
b) teilweise durch fossile und teils durch erneuerbare Energie ersetzt werden
c) zum fehlenden Teil durch importierte KE ersetzt werden
Alternative c) ersetzt also deutsche Kernenergie durch ausländische (z.B.
französische, tschechische, russische) Kernenergie. Dies läuft den Intentionen
der Kernenergiegegner diametral entgegen und stellt eine Ironie der
Weltgeschichte dar, weil genau das Gegenteil des Gewollten erreicht wird.
Alternative b) erhöht in jedem Fall die CO2-Emission und macht die
Klimaschutzziele unerreichbar.
Alternative a) würde eine Vervierfachung des Anteils der erneuerbaren Energien
bis 2020 notwendig machen.
Alternative a) wird nun in euphorischer Weise von allen Kernkraftgegnern in
Aussicht gestellt.
Jedoch zeigen alle seriösen Gutachten, dass dieses Ziel auch bei größten
Anstrengungen unerreichbar, also illusionär ist.
Maximal erreichbar ist demgegenüber eine Erhöhung der erneuerbaren Energien an
der Stromerzeugung:
auf 20 % im Jahre 2020
auf 30 % im Jahre 2030
Das heißt, auch im Jahre 2030 muss mindestens 70 % des Stromes entweder von
fossilen Kraftwerken und/oder von Kernkraftwerken erzeugt werden.
Um diese Abschätzung zu untermauern, gehen die Gutachten in viele Einzelheiten.
Wir wollen daraus nur die allgemeinen naturgesetzlichen und technischen Gründe
entnehmen, die der Erhöhung des Anteils erneuerbarer Energien Grenzen setzen:
Bei der Windkraft muss man zwischen installierter und tatsächlicher
Energieproduktion unterscheiden. Strom wird nur erzeugt, wenn der Wind in
geeigneter Stärke bläst. Da sich Strom nicht speichern lässt, aber jederzeit
verfügbar sein soll, muss bei Flaute sofort Regulierungsenergie bereitstehen.
Das heißt, genauso viel Gaskraftwerkenergie oder Pumpspeicherwerkenergie wie
Windenergie muss zusätzlich installiert werden, um bei Windstille die
Windenergie sofort ersetzen zu können. Gespart wird nur der Brennstoff, falls
der Wind weht, aber nicht die Installationskosten. Das Stromnetz bei
Offshore-Windanlagen schafft weitere Probleme, die kaum vor 2020 gelöst werden
können.
Die Wasserenergie ist am zuverlässigsten und gleichmäßig verfügbar. Sie ist aber
hierzulande schon lange ausgebaut und nicht mehr beliebig erweiterbar.
Die Photovoltaik ist hierzulande am teuersten und wird den geringsten Beitrag
leisten. Die Sonneneinstrahlung ist diffus und unregelmäßig und der Wirkungsgrad
der Photozellen ist technisch weitgehend ausgereizt. Der Platz für große Anlagen
steht nicht zur Verfügung.
Die anderen erneuerbaren Energien werden ihren Beitrag weiterhin leisten. Er
wird aber klein bleiben, weil die Brennstoffe (Biogas, Deponiegas, Abfälle)
beschränkt bleiben, und weil Geothermie noch unerprobt ist und auf lokal
beschränkte unterirdische "Wärmeinseln" angewiesen ist.
1.8) Szenarien mit und ohne Kernenergie
Um abschätzen zu können, welche Auswirkungen einerseits die Beibehaltung des
Ausstiegsbeschlusses aus der Kernenergie hat, andererseits eine
Laufzeitverlängerung, und schließlich eine effiziente Nutzung aller Ressourcen
unter Kernenergieausbau, hat das IER diese Szenarien in allen Details verglichen
und ihre wichtigsten Auswirkungen beschrieben. (Ich danke an dieser Stelle Prof.
Dr. Alfred Voß und seinem Mitarbeiter Steffen Wissel, der die Folgerungen des
Instituts zusammengestellt hat).
Die verglichenen Szenarien sind (:: Bild 11):
1. Referenzszenario (REF)
Fortschreibung der derzeitigen Energiepolitik
Auslaufen der Kernenergienutzung
Keine Verschärfung der Klimaschutzziele
Bei Treibhausgas-Reduktionszielen von (gegenüber 1990)
-21 % bis 2010
-35 % bis 2020
-50 % bis 2030
2. Präferenz Erneuerbare Energien (PEE)
Anteil erneuerbarer Energien steigt auf 30 %
Auslaufen der Kernenergienutzung
Keine CO2-Abtrennung
3. Clean Coal Technologies (CCT)
4. Effiziente Ressourcennutzung mit Kernenergie-Laufzeitverlängerung (ERL)
5. Effiziente Ressourcennutzung mit Kernenergie-Ausbau (ERA)
Die Kostenimplikationen der vier Szenarien gegenüber dem "Referenzszenario"
zeigt :: Bild 12. Wie zu erwarten, gibt es bei
voller Ressourcennutzung mit Kernenergieausbau gegenüber dem Referenzszenario
eine bis 2030 kumulierte Einsparung von 113 Milliarden € und eine Senkung des
Strompreises 2030 von 3,6 Cent/KWh auf 2,5 Cent/KWh. Bei Laufzeitverlängerung
werden bis 2030 immerhin 30 Milliarden € eingespart, während der Strompreis 2030
auf 3,8 Cent/KWh steigt. Bei Präferenz für Erneuerbare Energien (ohne Kernkraft)
mit verschärftem Klimaschutz ergeben sich gegenüber dem Referenzszenario
kumulierte Mehrkosten von 110 Milliarden € und ein Strompreis (2030) von 5,5
Cent/KWh anstatt 3,6 Cent/KWh.
Gegenwärtig interessieren besonders die Auswirkungen einer Laufzeitverlängerung
(:: Bild 13). Gegenüber der "Präferenz Erneuerbare
Energien" ergibt sich immerhin eine Einsparung bei den Kosten der Stromerzeugung
von 140 Milliarden € und eine Reduktion der mittleren Stromkosten um 25 % bis 30
%, ferner eine Reduktion der Erdgasimporte um rund 30 % der derzeitigen Importe
sowie ein wesentlicher Beitrag zur Sicherung des Stromerzeugungsstandortes
Baden-Württemberg.
Schließlich muss mit großem Nachdruck hervorgehoben werden, dass beim Ausstieg
aus der Kernenergie, das heißt bei der Vernichtung eines ganzen höchst
erfolgreichen Wirtschaftszweiges, Deutschland nicht nur ein wirtschaftlicher
Schaden in dreistelliger Milliardenhöhe entsteht, sondern auch ein kaum
wiedergutzumachender immaterieller Schaden droht:
Das Abreißen des Know-How-Fadens in einem ganzen hochqualifizierten
ingenieurwissenschaftlichen Ausbildungsgang.
Dies ist schon jetzt an den fast auf Null zurückgegangenen deutschen
Studentenzahlen im Fach Kernenergetik festzustellen. Man kann ja wohl auch nicht
im Ernst erwarten, dass ein junger Student sich für die deutsche
Kernenergie-Abriss- und –Müllabfuhr begeistert, während ihm bessere Perspektiven
allenfalls in Frankreich oder China offen stehen.
Auch sind die kerntechnischen Lehrangebote an deutschen Hochschulen erheblich
kleiner geworden. Fördermittel für innovative Reaktor- und Sicherheitskonzepte
werden nicht mehr zur Verfügung gestellt, so dass sogar die Aufrechterhaltung
des hohen Sicherheitsniveaus der deutschen KKWs wegen alternder Belegschaft und
fehlendem Nachwuchs gefährdet ist.
2) Der Deutsche Irrweg
Angesichts der objektiven Sachverhalte, die alle zu dem Schluss führen, der
Kernenergie eine positive Rolle im künftigen Energiemix zukommen zu lassen,
könnte man naiverweise meinen, dass die Entscheidung dafür im politischen Raum
leicht fällt.
Wir alle wissen jedoch, dass dies so nicht zutrifft. Die psycho-politischen
Gründe dafür will ich nun untersuchen, und zwar zunächst an Hand einiger
selbsterlebter Beispiele, sodann etwas grundsätzlicher.
2.1) Beispiele
Sie sind dem privaten Bereich, dem Medienbereich und dem politischen Bereich
entnommen.
a) Die Zahnarztfrau
Während eines Klassentreffens trafen wir auch die Frau meines Klassenkameraden,
eines Zahnarztes und guten Fachmannes auf seinem Gebiet. Sie war gerade bei ihm
in Behandlung gewesen. Als im Gespräch die Rede auf Kernenergie kam, meinte
meine Frau, da müsse man vielleicht einmal die Fachleute konsultieren. Doch da
fasste die gerade von ihrem Mann, dem Fachmann behandelte Zahnarztfrau ihre
Überzeugung in einem einzigen Satz zusammen: "Fachleute darf man doch da nicht
fragen!"
b) Der Kaffeemühleneffekt
Einmal beschwerte ich mich im Kernforschungszentrum Karlsruhe über die
Nichteinhaltung von Vorschriften: Ein Fass mit schwach radioaktivem Material war
in Mol (Belgien) aufbereitet worden und zurückgekommen. Es enthielt verbotener
Weise eine – allerdings winzige – Menge Plutonium, welches sich durch
α-Strahlung verriet. Das Fernsehen setzte daraufhin die Bundesrepublik in helle
Aufregung: Schon wieder einmal hatte die deutsche Kernenergie gegen alle
Sicherheitsvorschriften verstoßen!
Ich wurde allerdings von den Fachleuten belehrt, dies sei der
"Kaffeemühleneffekt". So wie bei Omas Kaffeemühle ein Krümel des alten Kaffees
in den frisch gemahlenen gerät, so sei hier ein Milligramm Plutonium von
vorherigen Aufbereitungsprozessen anderer Kernenergiekunden in das deutsche Fass
geraten. Eine harmlose Erklärung des angeblichen Skandals also!
Wer nun aber, nachdem die Bundesrepublik eine Woche lang in Angst und Schrecken
versetzt worden war, eine Sendung des Fernsehens über die harmlose Aufklärung
des sogenannten "Skandals" erwartet hatte, wurde enttäuscht. Wahrscheinlich
genügte es den Veranstaltern, wieder einmal gezeigt zu haben, wie gefährlich
doch die deutsche Kernenergie sei.
c) Die Risikokommission
Diesen Bericht verdanke ich Herrn Dipl.-Ing. Dr. Wilhelm Schoch, Ehrendoktor der
Universität Stuttgart und damals Vorstand des Kohlekraftwerkes Mannheim. Er war
Mitglied einer Kommission der Bundesregierung, die sich mit Risiken der
Industrie sowie im Verkehr und in Haushalten befasste. Dort fasste er seine
Meinung so zusammen: "Nach der von der Bundesregierung selbst geführten
Statistik haben wir Jahr für Jahr 10 bis 20 tödliche Unfälle in der gesamten
deutschen Industrie zu beklagen, und im Vergleich dazu 10.000 bis 20.000
tödliche Unfälle im Verkehr und in den Haushalten. Dieser objektive Vergleich
sollte doch als Maßstab für die Beurteilung der Gefahrenlage dienen".
Da widersprach ein Politiker Herrn Dr. Schoch heftig: "Nein, Herr Dr. Schoch!
Ihr Standpunkt ist ein typischer Ingenieur-Standpunkt. Wir Politiker haben uns
dagegen nach der Akzeptanz von Risiken in der Bevölkerung zu richten!"
2.2) Die Natur der Fehlentwicklungen
Wenn wir nun die drei Beispiele, die nämlich alles andere als harmlose,
unabhängige kleine Anekdoten sind, im Zusammenhang sehen, so nähern wir uns
langsam der Erklärung für die geradezu ungeheuerliche Akzeptanzverzerrung, die
in Deutschland seit mehr als dreißig Jahren hinsichtlich der Einschätzung der
Kernenergie herrscht, und die sich völlig von den objektiven Sachverhalten
gelöst hat: Es handelt sich nämlich bei diesem soziopolitischen Phänomen um
einen Selbststabilisierten Negativen Regelkreis.
Die psychische Energie dieses Phänomens kommt aus archetypischen Tiefenschichten
menschlichen Fühlens und Denkens. Das wurde schon 1980 in seinem Buch "Unbewußt
Dagegen?!" von Andreas Wünschmann ausführlich analysiert. Und Vieles kommt dabei
zusammen:
Die Anti-Kernkraft-Ideologie gehörte bekanntlich zum Gründungsmythos der Grünen
Partei. Für Viele wurde dabei das deutsche Ökowesen (an dem die Welt genesen
sollte) zum emotionalen Ersatz für die dahinschwindende Wirkung des
Spätmarxismus, ohne dabei zu bedenken, welchen wesentlichen Beitrag die
Kernenergie zum Klimaschutz leistet.
Verstärkung kam auch von einem gewissen "Gutmenschentum", wobei wir einen
"Gutmensch" als einen solchen guten Menschen definieren wollen, bei welchem
"Gesinnungsethik" überwertig wird gegenüber "Verantwortungsethik".
Die "deutsche Angst" – ein mittlerweile zum internationalen Vokabelschatz
gehöriger Begriff – fand daraufhin in der Kernenergie ihr Lieblingsobjekt und
wurde gerade wegen ihres jeder Festlegung ausweichenden diffusen Charakters zum
unentbehrlichen Bestandteil des Emotionalisierungspotentials der
Antikernkraftbewegung.
Das alles erklärt aber noch nicht die Langlebigkeit der Antikernkraftbewegung
jenseits aller sachbezogenen Rationalität: Sie kommt durch die in zyklischer
Kausalität sich wechselseitig unterstützende Verhaltensweise dreier
Teilnehmergruppen zustande: Der Politik, der Medien und des Volkes. So nämlich
funktioniert dieser selbststabilisierende Regelkreis:
Gewisse Politiker sehen, dass mehr Einfluss durch Erzeugung von Ängsten als
durch Hinweis auf Sachverhalte und Notwendigkeiten zu gewinnen ist.
Sie werden dabei durch gewisse Medien unterstützt, die ihren Verkaufserfolg eher
durch Zeitgeistverstärkung als durch objektive Information sichern wollen.
Und viele Zeitgenossen, die lieber emotionalisiert als informiert werden wollen,
werden so zu einer wirklichkeitsfernen Sichtweise verführt.
Auf diese verzerrte Akzeptanz im Volk können sich dann wiederum gerade
diejenigen Politiker berufen, die sie selbst erst erzeugt haben.
Und diejenigen Medien, die den so verbreiteten Zeitgeist am geschicktesten
fördern, leben am besten davon.
3) Der Ausweg aus dem Irrweg
Bezüglich der Energiepolitik nähern wir uns jedoch inzwischen dem Stadium eines
Phasenüberganges: Anstelle des lateinischen Spruches "pacta servanda sunt"
(Verträge sind einzuhalten), der einem Gründungsmythos und einem vor 25 Jahren
gefassten Parteitagsbeschluss unumkehrbaren Ewigkeitswert verleihen sollte, wird
jetzt der andere lateinische Spruch "vitia corrigenda sunt" (Fehler sind zu
korrigieren) Geltung gewinnen.
Nur dieser letztere entspricht natürlich dem Wesen der Demokratie, in welcher
einsehbar gewordene Fehlentwicklungen immer auch korrigiert werden können.
3.1) Die Notwendigkeit der energiepolitischen Wende
Die Notwendigkeit, ja Dringlichkeit, der Kernenergie auch in Zukunft in
Deutschland die ihr gebührende Rolle zu erteilen, ergibt sich aus einer
Zusammenfassung des schon Gesagten:
a) Als Basisinnovation hilft Kernenergie bei der zuverlässigen Erzeugung
elektrischer Energie auf Jahrtausende.
b) Die Verfügbarkeit deutscher Kernenergie nimmt einen Spitzenplatz ein. Ihr
Weiterbestehen ist unentbehrlich für den Erhalt deutschen Know-Hows und des
technologischen Ranges Deutschlands.
c) Die Sicherheit deutscher Kernenergie ist gewährleistet. Die Endlagerung aller
radioaktiven Abfälle – einschließlich der hoch-radioaktiven – kann nach
Aufhebung des nicht zweckdienlichen Moratoriumsbeschlusses der alten
Bundesregierung – nach 25-jähriger Vorbereitung – in wenigen Jahren stattfinden.
Die weltweite kumulierte Schadensbilanz der Kernenergie ist nachweislich
wesentlich geringer als die von Kohle-, Öl- und Hydroenergie.
d) Durch Kernenergie wird in Zukunft die energiepolitische Sicherheit Europas
wesentlich erhöht, bei weltweit rapide steigendem Energiebedarf.
e) Die CO2-freie Kernenergie leistet einen unentbehrlichen Beitrag zum
Klimaschutz.
f) Die Kernenergie wird weltweit ausgebaut und weiterentwickelt. Die Annahme
ihres Auslaufens ist absurd.
g) Alternative Energien haben ihren Anteil am Energiemix. Sie können aber auch
im besten Fall in Zukunft die Kernenergie nicht ersetzen.
3.2) Die Schwierigkeiten des “Ausstiegs aus dem Ausstieg“
Diese liegen natürlich in der schon erwähnen Natur der Fehlentwicklung. Sie
besteht in der sich wechselseitig verstärkenden Ideologisierung gewisser
relevanter Teile der Gesellschaft, die wir als „negativen Regelkreis“ bezeichnet
haben. Wir wiederholen die wesentlichen Komponenten dieses kooperativen
Prozesses:
a) Die Erweckung energiepolitischer Illusionen zugleich mit weit
überproportionalen Ängsten gegenüber der Kernenergie. Diese erzeugte einen
gesinnungsethisch dominierten Zeitgeist, der gewissen Parteien Wählerstimmen
zuführte, ja sogar zum Gründungsmythos diente.
b) Gewisse Medien sahen in der Zeitgeistverstärkung anstatt der objektiven
Information unter Ausnutzung ihrer “Gate-Keeper“-Funktion ihre wesentliche
Aufgabe, was auch den wirtschaftlichen Interessen ihres “Tendenzbetriebes“
zugute kam.
c) Relevante Teile des Volkes lieben die Bequemlichkeit der Gewöhnung an
Illusionen mehr als die verantwortungsethische Information über die objektive
Wirklichkeit..
d) Eine Minderheit gehörte dem im Volk immer vorhandenen frei vagabundierenden
Aggressionspotential an (heute “Chaoten“ genannt), welches immer einen Gegner
sucht und braucht, und diesmal in der “bösen Kernenergie“ fand.
3.3) Die Verwirklichung der energiepolitischen Wende
Aus der gegenwärtigen Welt-Energie-Situation ergibt sich zunächst:
Je eher die (notwendige) Wende eintritt, desto glatter und erfolgreicher wird
sie sein.
Weiterhin zeigt sich, dass es für die Art der Wende – die nämlich primär keine
technische, sondern eine politisch-ideologische sein muss – am besten wäre, wenn
sich der negative kooperative Prozess simultan in einen positiven kooperativen
Prozess verwandeln würde. Dazu müssten also – idealerweise – alle Teile der
Gesellschaft, also Parteien, Medien, “das Volk“, möglichst gleichzeitig
beitragen.
Wir können nicht umhin, dazu ein wenig in die Einzelheiten zu gehen:
Die Wende in den Parteien:
Die SPD hat aus mehreren Gründen eine gute Gelegenheit, ihre Position zu
revidieren:
a) Seit ihrem Kernenergie-Ausstiegsbeschluss (1980) hat sich die
energiepolitische Weltsituation grundlegend verschärft.
b) Andererseits hat sich die Sicherheitstechnik der Kernkraft in Deutschland
voll bewährt und wird weltweit weiter verbessert.
c) Die AKKA (Anti-Kern-Kraft-Angst) ist ein vorübergehendes Phänomen in der SPD,
welches überhaupt nicht zu ihren Grundsätzen (wie z.B. Gerechtigkeit,
Chancengleichheit) gehört.
d) Die Rückkehr zu realitätsbezogenen Positionen bzgl. Kernkraft ist in der SPD
selbst durch eigene Vorbilder (Helmut Schmidt, Rolf Linkohr) vorgezeichnet.
e) Die jetzige Parteienlandschaft macht frei für neue Positionen und Optionen
Die CDU/CSU kann mit Befriedigung auf ihre konsequente, realitätsbezogene
Position hinsichtlich der Notwendigkeit des Kernkraft-Beitrages zurückblicken.
Sie sollte jedoch nicht rechthaberisch “nachkarten“, wenn andere Parteien
Fehleinschätzungen erkennen und korrigieren, denn dies gehört zum demokratischen
Prozess und sollte eher anerkannt als diskriminiert werden.
Für die FDP gilt hinsichtlich der Kernkraft dasselbe wie für die CDU.
Für die Grünen bedeutet der “Ausstieg aus dem Ausstieg“ die Aufgabe ihres
Gründungsmythos, also (scheinbar) die Aufgabe ihrer Grundsätze. Diese
tief-verwurzelte, aber dennoch falsche Meinung beruht aber auf einer
Fehleinschätung der Kernenergie: Denn diese ist sowohl nachhaltig wie
umweltfreundlich (Klimaschutz) und sicherheitstechnisch verantwortbar (und zwar
besonders im Vergleich mit anderen Energieerzeugungsarten). Eine Änderung des
Denkens – mehr noch der Emotionen – ist also auch hier, wahrscheinlich verbunden
mit einem Generationswechsel, möglich.
Die Wende in den Medien:
Dazu gehört im Sinne der Erkenntnis ihrer Rolle in der offenen Gesellschaft bei
vielen Medien eine Tendenzverschiebung hin zu
a) Mehr realitätsbezogenem Informieren statt ideologiebezogenem Missionieren
b) Mehr Zeitgeistkritik statt Zeitgeistverstärkung
c) Mehr “Gate-Opening“ statt “Gate-Keeping“. Dabei schadet es nicht, echten –
nicht selbsternannten – Fachleuten mehr Raum zu gewähren
Die Wende im Volk:
Dazu gehört
a) Das Aufgeben von Illusion und die Bemühung um Information durch erwiesene,
nicht selbsternannte Fachleute; dabei ist eine Revision des “gestörten
Verhältnisses zur Zahl“ nötig!
b) Die Distanz zu archetypischen überwertigen Ideen, Utopien und Emotionen
c) Die Disziplinierung frei vagabundierender Aggressionspotentiale
Diese simultane Wende ist erforderlich und möglich, aber leider nicht
selbstverständlich, denn zu solchen großen Phasenübergängen gehören als
unvermeidliche Begleiterscheinungen aufgeregte Kontroversen, nämlich sogenannte
“kritische Fluktuationen“ wie wir aus fachübergreifenden universellen
Erkenntnissen von der Physik über die Synergetik bis zur Soziodynamik wissen.
Wenn diese Wende jedoch gelingt, so bedeutet sie die Einführung einer neuen
Kultur des demokratischen Entscheidungsprozesses bei der Behebung großer
Fehlentwicklungen.
Bestandteile dieser neuen Kultur werden dann unter anderem sein:
a) Das parteiübergreifende zielführende Aussprechen und Abwägen aller
problembezogenen Aspekte der Realität unter Vermeidung des “Zerquatschens“ der
Probleme mit Resultante Null.
b) Das Verlassen jeweiliger ideologischer Verhärtungen und Engführungen mit dem
gemeinsamen Willen zur Objektivierung
c) Die Vermeidung retrospektiver Schuldzuweisungen zwischen den Parteien, um das
lösungsbezogene Vorgehen ohne Vorurteil nicht zu erschweren.
d) Der Wille zur Entscheidung und Lösung der Probleme in endlicher Zeit, das
heißt: ohne “Moratorien“, weil diese nur zu Problemstau und Verschlimmerung der
Situation führen.
Mögen sich alle Mitglieder der Gesellschaft, insbesondere aber Menschen in
Schlüsselpositionen und mit Multiplikatorwirkung, also die Elite, ihrer
Verantwortung bei der Entwicklung dieser neuen gesellschaftlichen Kultur bewusst
sein!
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Die Zukunft der Kernenergie
Vortrag vor Old Table 15 Freiburg am 16.2.2006
von Dipl.-Phys. Alvo v. Alvensleben
Einleitung
Lasst mich mit zwei Zitaten beginnen. Woher sie stammen, möchte ich erst
hinterher verraten.
„Die Atomenergie kann zu einem Segen für Hunderte von Millionen Menschen werden,
die noch im Schatten leben. ... Die Hebung des Wohlstandes muß allen Menschen
zugute kommen. In solchem Sinne entwickelt und verwendet, kann die Atomenergie
entscheidend helfen, die Demokratie im Innern und den Frieden zwischen den
Völkern zu festigen. Dann wird das Atomzeitalter das Zeitalter werden von
Frieden und Freiheit für alle.“
Ende des ersten Zitats. Hier das zweite:
„Jeder Einwohner der Bundesrepublik verbraucht heute durchschnittlich fast 10
kWh elektrischer Energie am Tag, das ist die Arbeitskraft von durchschnittlich
10 Menschen… Doch unsere Versorgung mit Energie ist gefährdet. .. Wir müssen
unsere vorhandenen Energiequellen besser ausnutzen und uns nach neuen
Energiequellen umsehen. Eine der aussichtsreichsten, eine der
zukunftsträchtigsten, eine der sichersten ist die Kernenergie, damit wir auch
nach dem Jahr 2000 versorgungs- und krisensicher sind“.
Zur Zeit sind einige der größten Länder der Erde dabei – nämlich Indien und
China - , die Verheißung dieser Worte in die Wirklichkeit umzusetzen: „Segen
für Hunderte von Millionen Menschen ... Die Hebung des Wohlstandes muß allen
Menschen zugute kommen ...“. Aber wer hat das denn so gesagt, und wann?
Das erste Zitat stammt aus dem „Atomplan“, den die SPD auf ihrem Parteitag im
Juli 1956 in München verabschiedet hat.
Das zweite wurde 1974 von der Regierung Schmidt als Postwurfsendung an alle
Haushalte verteilt. Das war ein Jahr nach der ersten Öl-Lieferkrise vom
November 1973 – mit ihren autofreien Sonntagen. Aus gutem Grunde hatte sich die
damalige Bundesregierung überlegt, wie man sich ein wenig von der Abhängigkeit
von den fossilen Brennstoffen befreien könne. Ich möchte in diesem Vortrag
zeigen, dass ihre damaligen Schlussfolgerungen auch heute noch ihre
Berechtigung haben.
Wenn man diese klaren Worte pro Kernenergie aus der Feder führender
Sozialdemokraten gehört hat, muß man sich ja fragen, wie es zu der Kehrtwendung
um 180 Grad gekommen ist, die von der heutigen SPD vertreten wird. Nicht nur,
dass auf keinen Fall mehr neue KKWs in Deutschland gebaut werden sollen – es
sollen nicht einmal die bestehenden KKWs bis zum Ende ihrer normalen Lebensdauer
von 40 Jahren betrieben werden, für die sie beim Bau und bei der atomrechtlichen
Genehmigung ausgelegt wurden. Statt dessen sollen sie im Durchschnitt schon nach
32 Betriebsjahren stillgelegt werden.
Strombedarf
Zunächst ein paar Worte zum Strombedarf in der Bundesrepublik.
Dazu schreibt die Financial Times Deutschland (FTD) vom 16.1.2006:
„Mit knapp 170 von 600 Milliarden insgesamt produzierten Kilowattstunden ist
die Kernenergie das Rückgrat der Elektrizitätsversorgung. Hält die neue
Regierung am Beschluss von Rot/Grün fest, in den nächsten 15 Jahren alle 17
heimischen Atommeiler abzuschalten, öffnet sich eine riesige Versorgungslücke.
Wie soll diese Lücke auf eine verlässliche, umweltschonende und halbwegs
bezahlbare Weise gestopft werden?
Mit erneuerbaren Energien ist das so schnell nicht zu bewältigen. Zwar hofft
Umweltminister Sigmar Gabriel, ihr Anteil an der deutschen Stromerzeugung möge
bis 2020 von 10 auf 25% hochschnellen. Doch dies dürfte ein frommer Wunsch
bleiben: Die Wasserkraft, immer noch unser wichtigster regenerativer
Energieträger, kann kaum noch ausgebaut werden. Wind bläst nicht immer. Weil
aber der Strom sehr wohl regelmäßig aus der Steckdose kommen soll, müssen die
Versorger konventionelle Kraftwerke mit fast derselben Leistung vorhalten.
Um zu erahnen, dass die Sonnenenergie in hiesigen Gefilden nur beschränkte
Zukunft hat, reicht ein gelegentlicher Blick durchs Fenster.
Der jüngste Solar- und Biomasse-Boom nährt sich aus den gesetzlich festgelegten
Einspeisevergütungen – die den aktuellen Strom-Börsenpreis um das zwei- bis
zehnfache übertreffen. Die Differenz zahlt der Verbraucher, und sobald es an
dessen Portemonnaie geht, schrumpft die Begeisterung für Erneuerbare: Nicht
einmal 1,5 Prozent der deutschen Haushalte bezogen vor Jahresfrist reinen
Ökostrom.
Gabriel weiß das – und fordert daher bei jeder Gelegenheit eine bessere Nutzung
von Energie. Weltweit sind Effizienzsteigerungen dringend nötig, Deutschland ist
allerdings auf diesem Pfad seit den Ölkrisen der 70er und 80er Jahre schon weit
vorangekommen. Die Effizienzkurve hat sich daher zuletzt merklich verflacht. Um
das Sparpotential noch weiter auszureizen, müssten Milliarden investiert werden
– und die Deutschen müssten ihr Konsumverhalten grundlegend ändern. Kurzfristig
ist dies utopisch: In den vergangenen 15 Jahren stieg der private und
industrielle Stromverbrauch um 10 Prozent.
Damit das Licht in Deutschland nicht ausgeht, müssten wir also nach dem
Atomausstieg noch stärker als bisher auf Energie aus dem Ausland bauen. Dies
könnte durch mehr Direktimporte von Elektrizität geschehen. Damit aber wird
automatisch Atomstrom gekauft, denn nicht nur in Frankreich, auch bei unseren
östlichen Nachbarn boomt die Kernenergie. Während wir also unsere relativ
modernen Kraftwerke, die nachgewiesenermaßen zu den sichersten der Welt
gehören, in Frühpension schicken, laufen anderswo wesentlich ältere und wohl
auch unsicherere Meiler auf Hochtouren - Deutschland sei Dank. Die Frage der
Endlagerung bleibt übrigens so oder so offen.
Die Alternative wären weitere Importe fossiler Brennstoffe wie Kohle und Gas zum
Verstromen vor Ort....“
Soweit das Zitat aus FTD. Es ist klar, dass dies dem offiziellen politischen
Ziel der Verminderung von CO2-Emissionen zuwiderläuft. (Persönlich halte ich
dies Ziel zwar für irrelevant, der Umweltminister sollte sich aber daran
gebunden fühlen). Würden die Gas-Importe, (bei denen nur etwa halb soviel CO2
entsteht wie bei der Kohle), bis 2020 von derzeit 10 auf 40% vervierfacht,
bedeutet der Atomausstieg jährliche Zusatzemissionen von mindestens 112
Millionen Tonnen CO2. Zudem hingen wir mehr denn je am Tropf russischer
Gaslieferungen.
Beim Uran stellen sich solche Probleme kaum. Ich werde weiter unten darauf
eingehen.
Mit welchen Argumenten wird nun von den Kernenergiegegnern das Festhalten am
Atomausstieg begründet?
Die drei am häufigsten wiederholten sind
- 1. das Risiko für Leben und Gesundheit der Bevölkerung durch schwere Störfälle
- 2. die allzu begrenzte zeitliche Reichweite der Spaltstoff-Vorräte
- 3. das Fehlen eines langfristig sicheren Endlagers für die radioaktiven
Abfälle
Ich halte alle drei Argumente nicht für stichhaltig. Das möchte ich nun
begründen.
Stand der Technik heute
Für die Sicherheitsdiskussion gibt es zwei Bezugspunkte: Harrisburg und
Tschernobyl.
Ich möchte auf beide hier nicht im Detail eingehen – weil sie für die Frage der
Zukunft der Kernenergie keine bedeutende Rolle mehr spielen, jedenfalls nicht in
Deutschland. Beide Katastrophen hätten sich so oder ähnlich, wie sie abgelaufen
sind, in der Bundesrepublik nicht ereignen können. Im Falle Harrisburg 1979
hätten die sicherheitstechnischen Maßnahmen, wie sie in den deutschen
Kernkraftwerken bestanden, einen ähnlichen Unfall verhindert. Im Falle
Tschernobyl hätten schon dank den ganz anderen Konstruktionsprinzipien deutscher
KKWs die Voraussetzungen für einen derartigen Unfall gefehlt.
Dass in der damaligen Sowjetunion Reaktoren gebaut wurden, in denen ein Unfall
wie der von Tschernobyl vorkommen konnte, hängt damit zusammen, dass dieser
Reaktortyp jederzeit leicht zugänglich sein sollte, um erbrütetes Plutonium für
Atomwaffen entnehmen zu können. Inzwischen werden die noch vorhandenen
Reaktoren dieses Typs mit westlicher Technik nachgerüstet.
Die Sicherheitsstrategie unserer Kernkraftwerke läßt sich so beschreiben:
Entscheidend ist bei allen Reaktortypen, dass sie einerseits auf alle
denkbaren Fälle menschlichen und technischen Versagens „fehlerverzeihend“
reagieren, und dass sie andererseits selbst bei den undenkbaren Fällen –
sollten sie dennoch eintreten - dafür gerüstet sind, die Folgen des Störfalles
zu begrenzen und zu beherrschen.
Es ist also kein Zufall, dass sich in den 27 Jahren seit Harrisburg kein
gravierender Unfall in westlichen KKWs ereignet hat. In Biblis gab es 1987
einen Störfall, der von der Presse damals sehr hochgespielt wurde mit
Spekulationen darüber, was alles hätte passieren können. Aber entscheidend ist,
dass nichts wirklich Schlimmes passiert ist – kein Menschenleben ging verloren,
und der Reaktor konnte auch wieder in Betrieb genommen werden und läuft noch
immer. – Über einen anderen Störfall, eine Explosion im KKW Brunsbüttel am
14.12.2001 berichtete kürzlich, am 12. 1. 2006, die ZEIT. Auch in Brunsbüttel
war kein Menschenleben in Gefahr, und der Reaktor ist ebenfalls noch in
Betrieb. Ich denke, die fehlerverzeihende Sicherheitsstrategie der deutschen
Ingenieure hat sich bestens bewährt.
Seit dem 11. September 2001 ist ein neuer Gesichtspunkt in der
Sicherheitsdebatte aufgetaucht, und auf ihn muß ich hier eingehen. Wie schützt
man ein Kernkraftwerk gegen terroristische Angriffe mit großen
Passagiermaschinen?
Ich habe darauf keine einfache, allumfassende Antwort. Aber ich möchte doch eine
Reihe von Überlegungen vortragen. Sie laufen darauf hinaus, dass einem solchen
Anschlagsplan Schwierigkeiten entgegenstünden, die weit größer sind, als der
Laie sich vorstellen mag.
Zunächst ist festzuhalten, dass seit den 70er Jahren zu den Auslegungskriterien
eines KKW gehört, das es dem Absturz eines schnellfliegenden Düsenjägers
standhalten muß. Ein entsprechendes Experiment ist in Arizona mit einem
Düsenjäger und einer Betonwand gemacht worden. Der Düsenjäger schlug mit 800
km/Stunde gegen die Wand und ging natürlich buchstäblich „in tausend Stücke“.
Die Wand aber war nur 10 bis 30 cm tief „angeknabbert“.
Weiter kann man sagen, dass ein Kernreaktor (mit rund 60 m Höhe und Breite) ein
sehr kleines Ziel im Vergleich zu den 400 m hohen und 100 m breiten Türmen des
World Trade Center darstellt. Es ist deshalb entsprechend schwerer zu treffen.
Das Risiko eines Fehlschlages ist also groß – und könnte schon im Vorfeld
etwaige Terroristen veranlassen, sich andere Ziele auszusuchen, etwa Staudämme,
Fußballstadien, Industrieanlagen .... Allein in Deutschland muß man 7800 Objekte
als mögliche Ziele terroristischer Angriffe einstufen. Man kann sie nicht alle
schützen - wir müssen mit dieser möglichen Gefährdung leben.
Bezüglich eines möglichen Angriffes mit Flugzeugen auf gefährdete Anlagen müssen
Primär-Maßnahmen gegen Terroristen im Flugzeug erfolgen: verschlossene
Cockpit-Türen und Sicherheitspersonal (wie jetzt in den USA-Maschinen, sog. Sky
Marshals). Die Israelis tun dies seit 30 Jahren, und seit dieser Zeit sind
noch keine Terroranschläge in El-Al-Maschinen erfolgt.
Im Gespräch ist auch die Idee, Kernkraftwerke einzunebeln, um sie bei Gefahr
unsichtbar zu machen. Vernebelungstechniker behaupten, entsprechende Wolken in
sehr kurzer Zeit - in wenigen Sekunden – erzeugen zu können. Die entsprechenden
Anlagen müssten allerdings erst noch rund um die Reaktoren herum errichtet
werden.
Wer ernsthaft den Betrieb von Kernkraftwerken in der Bundesrepublik wegen der
Terrorismusgefahr in Frage stellen will, muß konsequenterweise auch die
Abschaltung aller Kernkraftwerke in unseren Nachbarländern fordern – Schweiz,
Frankreich, Niederlande, Großbritannien, Norwegen, Schweden, Finnland usw. In
Europa laufen zur Zeit 204 Kernkraftwerke. Hätte eine solche Forderung Erfolg,
so könnten sich Terroristen jeden Angriff ersparen. Das angerichtete
Wirtschaftschaos wäre schrecklicher als jeder denkbare „Bombenerfolg“.
Zeitliche Reichweite der Spaltstoff-Vorräte
Ich wende mich nun dem zweiten Argument der Kernkraftgegner zu.
Noch in jüngster Zeit hat Umweltminister Gabriel verlängerte Laufzeiten und den
Neubau von Kernkraftwerken abgelehnt, weil „uns das von knappem Uran abhängig
machen würde, das bei Verwirklichung gewünschter Ausbaupläne in nicht einmal 25
Jahren erschöpft sein würde“. Und der Ministerpräsident von
Mecklenburg-Vorpommern, Harald Ringstorff, argumentierte, ein Wiedereinstieg in
die Atomwirtschaft bringe „auf längere Sicht auch keine Energiesicherheit“.
(zitiert aus der Frankfurter Rundschau, 11.1.2006)
Wie sieht es nun tatsächlich mit den Uranvorräten aus? Wieviel wird gebraucht,
wieviel ist vorhanden, und wo? Hier eine kurze
Bestandsaufnahme
Weltweit sind 440 Kernkraftwerke in Betrieb, davon 204 in Europa, davon 17
in Deutschland
Ihr Jahresbedarf an Natururan
beträgt 68 000 Tonnen.
Über die größten Uranvorkommen verfügen - in dieser Reihenfolge - Australien,
Kasachstan,
die USA, Kanada und Südafrika. Die Vorkommen sind somit geographisch breit
gestreut und liegen meist in politisch stabilen Ländern. Derzeit sind Kanada und
Australien mit einem Anteil von zusammen rd. 53 % die wichtigsten
Produzentenländer vor Kasachstan, Niger, Russland, Namibia und Usbekistan.
Zur Reichweite der Uranvorräte zitiere ich nun den Artikel von
Prof. Joachim Grawe (Honorarprofessor für Energiewirtschaft an der Universität
Stuttgart) aus der Internet-Webseite „www.Energie-Fakten.de:
„Das Metall Uran, dessen
Atomkerne in Kernreaktoren gespalten (nicht „verbrannt“ !) werden, ist in der
Erdkruste und den Ozeanen weit verbreitet. Wie alles auf der Erde sind die
Uranvorräte zwar endlich, bei effizienter Nutzung aber nach menschlichen
Maßstäben unerschöpflich. Die gelegentlich zu hörende Behauptung, sie gingen in
wenigen Jahrzehnten zur Neige, beruht darauf, dass fälschlich nur die bisher
„nachgewiesenen Reserven“ betrachtet werden. Das ist aber nur ein Bruchteil der
Vorräte. Die nachgewiesenen Reserven betragen in den drei Kategorien der
Förderkosten bis 40, bis 80 und bis 130 US-$ je kg zusammen 7,36 Millionen
Tonnen (Mio. t). Sie sind auf allen Kontinenten gut verteilt. Bei dem
derzeitigen Jahresverbrauch von 68.000 t der weltweit betriebenen 440
Kernkraftwerke würden sie 108 Jahre reichen. Zu den genannten Mengen kommen
zusätzliche mit Sicherheit zu erwartende Reserven und weitere„Ressourcen“
(Oberbegriff) von – jeweils geschätzten – 3,29 bzw. 8,17 Mio. t.
Über diese sog. konventionellen Gesamt-Ressourcen hinaus sind in Phosphaten etwa
22 Mio. t und im Meerwasser etwa vier Milliarden t Uran enthalten, die zu Kosten
bis 100 (Phosphate) bzw. bis 300 US-$ gewonnen werden könnten. Dies würde sich
aber erst bei steigenden Energiepreisen oder in Brutreaktoren (siehe unten)
lohnen.
Für die Erzeugung einer Mrd. Kilowattstunden (kWh) in einem der bewährten
Leichtwasserreaktoren werden 22 t Natururan [1 Güterwagen] gebraucht (zum
Vergleich: rd. 340.000 t Steinkohle – [11 000 Güterwagen]). Bei dem
deutsch-französischen EPR (European Pressurized Reactor), der derzeit in
Finnland gebaut wird, sind es weniger, in modernen Kohlekraftwerken ebenfalls.
Durch Wiederaufarbeitung der nach 4 bis 5 Jahren im Reaktor ausgedienten
Brennelemente und Rezyklierung der dabei zurück gewonnenen Spaltstoffe erhöhen
sich die Uranvorräte um 30 %. Die Wiederaufarbeitung ist allerdings von der
rot-grünen Bundesregierung verboten worden.
Die volle Nutzung des Urans ermöglichen Brutreaktoren. Prototypen wurden in
verschiedenen Ländern erfolgreich betrieben. Derzeit sind sie gegenüber
Leichtwasserreaktoren nicht wirtschaftlich. Brutreaktoren wandeln das nicht
spaltbare Uran-Isotop U238 um in den Spaltstoff Plutonium (Pu239).
Hochtemperatur-Reaktoren können einen weiteren, in der Natur etwa ebenso häufig
wie Uran vorkommenden Spaltstoff nutzen: Thorium.“
Soweit das Zitat von Prof. Grawe. Es ist die Kurzfassung eines Berichts,
die hier genügen mag. Die Langfassung kann man im Internet unter „Energiefakten“
nachlesen.
Das Thema „Uranvorräte“ hat aber noch einen anderen Aspekt, der mir hier
erwähnenswert erscheint. Aus den Zeiten des Kalten Krieges lagern in USA und in
Russland beträchtliche Mengen von waffenfähigem Uran, an deren Beseitigung auch
jedem Kernkraftgegner gelegen sein müsste. „Waffenfähig“ ist Uran, in dem der
Anteil des Isotops U235 auf 90 – 95% angereichert ist. Natururan enthält neben
U238 nur 0.7% U235; zur Verwendung in Kernreaktoren muß man es auf 3 – 5 %
anreichern.
Das „Bombenuran“ mit 90 – 95% U235 wird als HEU (= Highly enriched Uranium)
bezeichnet; niedrig angereichertes Uran (1.5 % U235) ist LEU (Lowly enriched
Uranium).
Nutzung des Bomben-Urans
Seit 1993 gibt es ein Abkommen zwischen USA und Russland mit dem Ziel, die
ersten 500 Tonnen Bombenuran (HEU) im Verlauf von 20 Jahren der zivilen
Nutzung zuzuführen.
Die Konversion von 500 t HEU
zu LEU durch Vermischen mit sehr schwach angereichertem
Uran (1,5% U235) resultiert in ca. 15.800 t LEU (4,4%). Diese Menge entspricht
wiederum ca.
160.000 t Natururan.
Die Brennstoffmenge
von 500 t HEU ist etwa äquivalent dem Bedarf von 37 Kernkraftwerken vom Typ
Leichtwasserreaktor mit 1300 MWe über die Laufzeit des Abkommens von 20 Jahren.
Vom Beginn der Lieferungen 1995 bis März 2001 wurden 3303 t LEU,
hergestellt aus 113 t HEU, von Rußland an USA geliefert. Das entspricht dem
Abbau von 5000 sowjetischen Atombomben, die damit für friedliche Zwecke genutzt
wurden.
Über entsprechende Abkommen für Plutonium wird noch verhandelt.
Die Lösung für das
Kernwaffen-Uran Russlands spielt eine sehr große Rolle in der Politik und in der
Kooperation zwischen Russland und den USA, ganz einfach deshalb, weil sie
(klaglos und reibungslos) funktioniert. Deswegen ist die Medienrelevanz dieser
Angelegenheit nahezu Null. Sie taucht in keiner Erfolgsmeldung über den
friedenserhaltenden Effekt der zivilen Nutzung der Kernenergie auf. Hier haben
wir ein eklatantes Beispiel für die Tatsache, dass die friedliche Nutzung der
Kernenergie de facto der Weiterverbreitung von Kernwaffen entgegenwirkt.
Endlager für radioaktive Abfälle
Damit wende ich mich nun dem dritten gewichtigen Einwand der Kernkraftgegner
zu: Das Fehlen von Endlagern für die Beseitigung der radioaktiven
Abfälle.
Zunächst müssen wir uns klarmachen, dass Endlager eingerichtet werden müssen,
unabhängig davon, ob die Kernenergienutzung in der Bundesrepublik fortgesetzt
wird oder nicht. Der in den letzten 50 Jahren bereits angesammelte Abfall muß ja
irgendwo bleiben und sicher gegen den Austritt radioaktiver Stoffe verwahrt
werden.
Das ursprüngliche Konzept zur Lösung dieses Problems sah vor:
1. Trennung der hoch- und niedrig-aktiven Abfälle
2. Lagerung der beiden Abfallarten in verschiedenen Endlagern mit
unterschiedlichen Sicherheitsanforderungen.
Aber was geschah?
Unmittelbar nach Regierungsantritt 1998 hatte die rot-grüne Koalition
beschlossen, das jahrzehntelang verfolgte Ziel, unterschiedliche Arten
radioaktiver Abfälle in zwei verschiedenen Bergwerken unterzubringen,
fallenzulassen und die Suche nach einer geologischen Formation, die alle
Abfälle aufnehmen könnte, von vorn zu beginnen.
Nach einem Kostenaufwand von etwa 2,4 Milliarden DM (~ 1.2 Milliarden €) mussten
die Erkundungsarbeiten in Gorleben wenige Jahre vor ihrem Abschluß eingestellt
werden – aus politischen Gründen, nicht aus technischen. Mit den bis dahin
vorliegenden Ergebnissen konnte in der vorgesehenen Endlagerteufe von etwa 800 m
das Vorhandensein eines dichten Gebirges und die langfristig wirksame Funktion
des Steinsalzes als natürliche Barriere nachgewiesen werden.
Annähernd sechs Jahre nach dem rot-grünen Koalitionsbeschluß hat die
Bundesregierung weder eine Berechnung der damit verbundenen Kosten vorgelegt
noch einen Beschluß des Bundestags über diesen Konzeptwechsel herbeigeführt.
Dies wurde im September 2004 vom Bundesrechnungshof festgestellt und heftig
kritisiert.
Die hochaktiven Abfälle umfassen 5% des Volumens, aber 99% der Radioaktivität.
Die mittel- und niedrig-aktiven Abfälle bringen 95% des Volumens und 1% der
Aktivität. Für diese letzteren Abfälle war die stillgelegte Eisenerzgrube
„Konrad“ bei Salzgitter vorgesehen und behördlich genehmigt; zur Zeit laufen
noch gerichtliche Einsprüche von Einwohnern der Nachbarschaft des Schachtes.
Technische Gründe gegen die Nutzung der Grube Konrad als Endlager für schwach-
und mittelaktive Abfälle liegen aber nicht vor.
Durch den Verzicht auf Schacht Konrad erhöhen sich die Kosten der
Zwischenlagerung um 1,4 bis 1,9 Milliarden Euro, kritisiert der
Bundesrechnungshof. Die Verlängerung der Zwischenlagerungszeit um mindestens
zwanzig Jahre führe darüber hinaus „zu nicht unerheblichen Strahlenbelastungen"
und „vor dem Hintergrund terroristischer Anschläge" auch zu zusätzlichen
Sicherheitsrisiken.
Nach Aussage der Prüfer liegen dem Umweltministerium mehrere Gutachten vor, in
denen die Nachteile des Ein-Endlager-Konzepts gegenüber der früher verfolgten
Zweierlösung sowohl unter Sicherheitsaspekten als auch unter
Kostengesichtspunkten nachgewiesen worden seien. Das Ministerium habe diese
Gutachten jedoch ignoriert und an seiner politischen Vorgabe festgehalten.
Fachleute, die entgegenstehende Urteile abgegeben hätten, seien von der
Beratung ausgeschlossen worden. Obwohl die physikalischen Probleme einer
gemeinsamen Einlagerung aller Arten radioaktiver Abfälle seit 1998 bekannt
seien, habe das Ministerium erst 2004 einen Forschungsauftrag darüber vergeben.
Insgesamt sei das Vorgehen des Ministeriums bei der Vorbereitung einer
Entscheidungsgrundlage für den Bundestag weder systematisch noch zielführend
gewesen.
Für die Endlagerung der hochaktiven Abfälle gibt es zwei Möglichkeiten:
Eine ist die chemische Aufarbeitung der Brennelemente in einer
Wiederaufbereitungsanlage, wie zum Beispiel im französischen La Hague oder im
britischen Sellafield. Dabei wird der verbrauchte Kernbrennstoff aufgearbeitet,
die Spaltprodukte vom Uran und Plutonium abgetrennt. Das Plutonium kann mit
neuem Uran zu so genanntem MOX-Kernbrennstoff (Uran-Plutonium-Misch-Oxid)
verarbeitet und wieder in Kernreaktoren zur Stromerzeugung genutzt werden. Die
lästigen Spaltprodukte werden in Glas eingeschmolzen und sind in speziellen
Behältern direkt für die Endlagerung geeignet. Die Vorteile dieser
Verfahrensweise liegen auf der Hand: Spaltprodukte verschwinden in unlöslichem
Glas, es wird nur ein kleines Volumen benötigt, und das Plutonium wird im
MOX-Kernbrennstoff nutzbringend verwendet. Dieser vernünftigste Weg für die
abgebrannten Brennelemente war laut „Atomkonsens" allerdings nur noch bis 2005
zulässig.
In Deutschland steht derzeit keine entsprechende Anlage zur Verfügung. Das
Projekt der vorgesehenen Wiederaufbereitungsanlage im bayerischen Wackersdorf
wurde nach massiven, teilweise gewaltsamen Protesten fallen gelassen. Hinzu
kam, dass es sich auch für die Energiewirtschaft als ökonomischer erwies, statt
der teuren Wiederaufarbeitung die Brennelemente der direkten Endlagerung
zuzuführen, auf die Wiederverwendung des erzeugten Plutoniums zu verzichten und
statt dessen preiswertes Uran zu verwenden. Ähnlich erging es der MOX-Anlage in
Hanau, die zur Wiederverwendung des Plutoniums in Kernreaktoren und damit zur
Entsorgung geplant war. Aufgrund immer neuer Auflagen durch den damaligen
hessischen Umweltminister Joschka Fischer gab schließlich der Betreiber auf und
verzichtete auf die Inbetriebnahme. Die voll funktionsfähige Anlage wurde
zerlegt und in Kisten verpackt, um vielleicht irgendwann doch noch nach China
verkauft zu werden.
Die zweite, ab 2005 einzig zulässige Möglichkeit ist die direkte Endlagerung der
abgebrannten Brennelemente ohne vorherige Wiederaufarbeitung. Die Brennelemente
in den Castorbehältern werden dabei in standortnahen Zwischenlagern
(Wasserbecken) etliche Jahre zum weiteren Abklingen der Radioaktivität
gelagert.
Als Endlager für den radioaktiven Abfall unter der Erde erscheinen Salz, Granit
und Ton als grundsätzlich geeignet.
Endlager-Sicherheit
In einem Vortrag zu diesem Thema habe ich schon 1991 gesagt, daß ich die
Beseitigung dieser Abfälle nicht nur für lösbar, sondern die Lösung auch vor
allen künftigen Generationen für vertretbar halte. Eine solche Behauptung
bedarf einer eingehenden Begründung.
Zunächst ist festzustellen, daß der Einschluß in Glas und Edelstahl nach
bisherigen Experimenten und Erfahrungen ausreicht, sicherzustellen, daß das
eingeschlossene Material auch nach 10 000 Jahren nicht in die Umwelt entweichen
könnte; d.h. die Umhüllung hält der Strahlenbelastung durch das
eingeschlossene Material stand. Damit ist eine erste Barriere geschaffen.
Die zweite und wichtigste Barriere ist die Tieflagerung der Stahlbehälter in
geeigneten Salzstöcken. Salzstöcke haben 3 wichtige Eigenschaften, die sie für
die Endlagerung hochaktiver Abfälle hervorragend geeignet erscheinen lassen:
- Erstens hat Salz eine sehr gute Wärmeleitfähigkeit; es werden also Hitzestaus
in der Lagerstätte vermieden;
- zweitens ist das Salz unter Druck und Hitze plastisch verformbar, so daß
einmal entstandene Risse,
etwa durch Sprengungen oder Erdbeben, sich von selbst wieder schließen;
-
und schließlich existieren solche Stöcke, von denen es in Norddeutschland
etwa 200 gibt, seit mehr als 100 Millionen Jahren; das bedeutet, dass es
langfristig stabile Gebilde sind, die in geologischen Zeiträumen nicht durch
Grundwasser ausgelaugt worden sind.
In Deutschland wurde der Gorlebener Salzstock als mutmaßlich geeignet zur
weiteren Erkundung ausgewählt. Falls er sich als ungeeignet erweisen sollte,
dürfte es kein unlösbares Problem sein, unter den 200 bekannten Stöcken in
Norddeutschland einen anderen zu finden, der sich eignet. Von Interesse ist
dabei auch, daß es Stöcke mit einem Volumen von mehr als 100 Kubikkilometer
gibt - das sind gigantische Ausmaße sogar im Vergleich zu den Volumina von
hochaktiven Abfällen, mit denen wir es weltweit in den nächsten
Jahrhunderten zu tun haben werden.
Es scheint mir lohnend, die Stabilität des Gorlebener Salzstocks durch
seine Geschichte zu beschreiben, weil sie eindrucksvoller als irgendwelche
Zahlenspielereien zeigt, wie fest man auf diese Art der Endlagerung
langfristig vertrauen kann:
„Die außerordentliche Stabilität der Salzstöcke erkennt man aus der Betrachtung
der Veränderungen, die sich seit ihrer Bildung auf der Erde und in der
Erdkruste vollzogen haben. Nach Bildung des Salzstockes Gorleben (Alter: 240
Millionen Jahre) begann zum Beispiel die nordamerikanische Scholle sich von der
europäischen zu trennen. Im Süden Deutschlands setzte die Auffaltung der Alpen
und im mittleren und nördlichen Teil Deutschlands der Aufstieg des Rheinischen
Schiefergebirges und des Harzes ein. Gegen Ende der Kreidezeit vor etwa 60
Millionen Jahren wurde die bis dahin von Meer bedeckte norddeutsche Tiefebene
Festland. In der Tertiärzeit fand in Norddeutschland ein dreimaliger Wechsel
zwischen Meer und Festland statt. Die Heraushebung der Alpen und der
Mittelgebirge setzte sich fort. Die Gräben im Rheintal, in der Rheinischen Bucht
und im Leinetal brachen ein. In der anschließenden, etwa eine Million Jahre
dauernden Quartärzeit wurde das Gebiet von Gorleben dreimal von Eis überschoben
und von Wasser überdeckt. Beim Abschmelzen der Gletscher blieben jeweils
Ablagerungen von Geröll, Sanden und Kiesen zurück. Diese geologischen
Ereignisse, die mit heftiger Erdbebentätigkeit verbunden gewesen sein dürften,
konnten die Form und Lage eines Salzstocks wie Gorleben nicht verändern, weil
sein Schwereausgleich mit den überlagernden Schichten abgeschlossen war. Daher
kann man aus geologischer Sicht davon ausgehen, daß Salzstöcke die radioaktiven
Abfälle, wenn die sachgerecht eingelagert sind, sicher verschließen werden.“
Allein in Norddeutschland gibt es über 200 Salzstöcke. Davon haben einige ein
Volumen von mehr als 100 km3.
Hier möchte ich noch einen möglichen Einwand gegen die Stabilität des
Salzstockes Gorleben von einem Fachmann kommentieren lassen:
Bericht von:
Prof. Dr. Ing. Dipl. Geologe, Gert Michel,
Dannenberg, ehem. Abteilungsleiter im Geologischen Landesamt NRW in einem
Leserbrief Elbe-Jeetzel-Zeitung 21.09.2004
Behauptung: „ Der Salzstock Gorleben steht im schnell fließenden Grundwasser und
kann niemals die notwendige Millionen Jahre Langzeitsicherheit bieten“.
Diese Aussage ist wissenschaftlich schlichtweg falsch und schürt unnötige
Ängste bei der Bevölkerung im Wendland.
Steinsalz löst sich selbstverständlich in schnell fließendem Grundwasser.
Das weiß jedes Kind. Nur existiert der Salzstock in seiner heutigen Gestalt
bereits seit über 100 Millionen Jahren, weil er keinen Kontakt zu Süßwasser hat.
Denn das Grundwasser in der Umgebung des Salzstockes ist eine Sole, also eine
gesättigte Salzlösung, welche kein Salz mehr zu lösen vermag. Der Salzstock ist
somit durch eine ruhende „Sole-Mantel-Barriere“ und zusätzlich durch
wasserundurchlässige Tonschichten vor einer Auflösung geschützt. ...
Der Salzstock ist wie weltweit kaum ein anderes Endlager-Projekt geologisch und
hydrogeologisch weitgehend sehr sorgfältig erkundet. Anstatt die Eignung
durch weitere Erkundung abschließend zu bestätigen oder aber gegebenenfalls zu
verneinen, wurde sie willkürlich unterbrochen. Eine solche Verschwendung von
Finanzmitteln und hochqualifizierten Arbeitskräften ist unverantwortlich.
(Prof. Michel ist seit Jahrzehnten Hydrogeologe von unangefochtenem
nationalem und internationalem Rang. )
Wie steht es nun mit der Langzeit-Überwachung eines Salzstock-Endlagers?
Eine Überwachung ist nur für den Zeitraum erforderlich, in dem noch Abfälle
eingebracht werden. Danach können Hohlräume und Zugänge mit Salz, Bitumen und
Beton verschlossen und das Endlager sich selbst überlassen werden. Ein Endlager,
das auf ständige Bewachung angewiesen wäre, könnte natürlich nicht den Anspruch
erheben, einen dauerhaft sicheren Einschluß zu gewährleisten. Die Sicherheit der
Endlagerung in einem Salzstock beruht aber weitgehend auf Naturgesetzen.
Menschliche Dummheit oder Unachtsamkeit wird kaum eine Rolle spielen können,
wenn das Material 600 bis 1000 Meter tief in der Erde liegt.-
Das sogenannte Endlagerproblem könnte also schon seit Jahren gelöst sein.
Im Jahre 1999 hat aber Bundesumweltminister Trittin einen Erkundungsstopp für
Gorleben verfügt und einen Arbeitskreis AkEnd gegründet, der deutschlandweit
nach Alternativstandorten suchen soll. Damit kann nun wieder offiziell behauptet
werden, das Endlagerproblem sei ungelöst, was gemeinhin als eines der
Hauptargumente gegen die Nutzung der Kernenergie vorgebracht wird.
Die Zukunft der Kernenergie
Während in Deutschland noch mit unzutreffenden Argumenten gegen die
Verlängerung der Laufzeiten der bestehenden Kernkraftwerke von 32 auf 40 Jahre
gestritten wird, werden im Ausland Fakten geschaffen:
- Die USA haben die Laufzeitverlängerung für bisher 35 ihrer 104 KKWs von 40 auf
60 Jahre genehmigt.
- Das KKW der Niederlande darf 20 Jahre länger laufen
- Die Schweden haben die bis 2010 abzuschließende Nutzung der Kernenergie
unbefristet verlängert
- In Finnland ist ein sechstes KKW eines neuen Typs („EPR, 3. Generation“) im
Bau
- Frankreich hat ebenfalls den Bau eines EPR-Reaktors beschlossen und den Ort
dafür ausgewählt
- Die Schweiz hat für ihre KKWs eine unbefristete Betriebsgenehmigung erteilt.
- Bulgarien plant den Bau von 2 1000-MW-Reaktoren. Der erste Block soll binnen 5
Jahren (bis 2011) am Netz sein.
- China plant 2-3 KKW pro Jahr bis 2020. (Dadurch steigt die Kapazität von 9.000
auf 40.000 MW),
- Die Ukraine will bis 2030 11 neue KKWs bauen.
- In Japan ging am 9. März 2005 das 55. KKW ans Netz.
- Viele litauische Politiker befürworten den Neubau eines KKWs.
(Energie-Experten in Litauen stellen allerdings die Notwendigkeit eines neuen
KKW in Frage.
- Das atomfreie Estland hat angekündigt, sich über die staatliche
Energiegesellschaft Eesti Energia an einem künftigen litauischen KKW-Projekt
beteiligen zu wollen
Mein Kommentar: In allen hier genannten Ländern werden die Entscheidungen für
weiteren Ausbau oder Laufzeitverlängerungen anhand des voraussichtlichen Bedarfs
getroffen. Nur in Deutschland wurde (unter der rot-grünen Regierung) zuerst
ideologisch entschieden, dass die Kernenergienutzung auslaufen soll – bevor
genauer über den Bedarf nachgedacht wurde.
Und damit bin ich beim letzten Teil meines Vortrages:
Wie sieht denn die Zukunft der Reaktortechnik aus?
Die Reaktoren vom Typ EPR, die in Finnland im Jahre 2009 und in Frankreich
2011 in Betrieb gehen sollen, verfügen über noch weiter gehende
Sicherheitseinrichtungen als die derzeit hauptsächlich benutzten
„Leichtwasser-Reaktoren. Beispiel: Gegen ein Durchschmelzen und
im-Boden-versinken des Reaktorkerns im Falle einer Kernschmelze erhalten sie
eine speziell ausgeführte Reaktorgrube aus keramischem Material mit separater
Notkühlung
Zwei große US-Unternehmen (Constellation Energy und AREVA) kündigten im
September 05 die Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens UniStar Nuclear an.
Das Unternehmen soll die 1. Serie neuer KKW (für die USA) entwickeln und
verwirklichen. Der dann standardisierte 1.600 MW-Reaktor basiert auf AREVAs
weiterentwickeltem Druckwasserreaktor, der jetzt in Finnland und demnächst in
Frankreich gebaut wird. (Presseinfo AREVA 20.9.05)
Neben den überwiegend genutzten Druck- und Siedewasserreaktoren sind unter den
Ende 2003 weltweit betriebenen 439 Kernkraftwerken noch einige andere
Reaktortypen in Betrieb, etwa Natururan-Schwerwasserreaktoren,
Helium-Gasgekühlte Reaktoren und im ehemaligen Ostblock auch noch einige
Reaktoren vom Tschernobyltyp, die allerdings heute mit Unterstützung der
westlichen Länder auf einen erheblich verbesserten Sicherheitsstandard gebracht
wurden.
- Südafrika: Der in Deutschland entwickelte Hochtemperaturreaktor, der in
Hamm-Uentrop mit 300 MW 16 .000 Stunden betrieben wurde, wird in Südafrika
weiterentwickelt. Der in Südafrika als PBMR (Pebble Bed Modula Reactor)
bezeichnete Reaktortyp wird mit Helium gekühlt und mit Graphit moderiert. Der
Prototyp mit 165 MW el. Leistung, inhärenter Sicherheit, einem Nettowirkungsgrad
von 41 % und Stromgestehungskosten von unter 3,5 US-cents/kWh soll 2010 nach gut
2 Jahren Bauzeit in Betrieb gehen.
Erste kommerzielle Module, die in 4 er oder 6 er Packs geschaltet werden, sollen
ab 2013 verfügbar sein. RWE Nukem wird sich am Fertigungsprozess der
Brennstoffe beteiligen. Südafrika will die drastische Abhängigkeit von der Kohle
(die 90% des Stromes liefert) reduzieren. Südafrika ist reich an Uranvorkommen.
(VDI-Nachr., 9.9.05) Dieser Reaktortyp wird derzeit mit deutscher Hilfe außer in
Südafrika auch in China weiterentwickelt. Er besitzt aufgrund seiner Bauweise
besonders vorteilhafte Sicherheitsmerkmale. Er ist inhärent sicher, so dass auch
bei Totalausfall aller Systeme keine Kernschmelze mit Entweichen von
Radioaktivität auftreten kann.
In sogenannten „Schnellen Brütern" wird Kernbrennstoff durch Umwandlung des
nicht spaltbaren Urans 238 (bzw. Thorium 232) in spaltbares Material, nämlich
Plutonium 239 (bzw. Uran 233), erbrütet. (Das Wort „schnell“ bezieht sich dabei
nicht auf die Geschwindigkeit des Vorganges, sondern darauf, dass – im
Gegensatz zu normalen Reaktoren – nicht mit „langsamen“, abgebremsten Neutronen
(ca.1 –10 km/s), sondern mit ungebremsten schnellen Neutronen (10 000 bis nahe
300 000 km/s) gearbeitet wird. In der Bilanz wird dabei Strom produziert und
zugleich mehr Kernbrennstoff erzeugt (erbrütet) als laufend verbraucht
wird. Solch ein „Brüter“ wurde im nordrhein-westfälischen Kalkar zu 90 Prozent
fertiggestellt, nach jahrelangem politischem Streit und ständig neuen
technischen Nachforderungen der Behörden aber schließlich von der Industrie
aufgegeben. Anlagen vom Typ Schneller Brüter arbeiten zur Zeit noch in
Russland und Japan. Die Technologie dürfte dann wieder interessant werden,
wenn das Natururan teurer wird.
- Indien: Min.Präs. Dr. Singh sagte bei der
jährlichen Indian Nuclear Society Conference: Indien sollte die Entwicklung der
Schnellbrüter-Technologie fortsetzen und seine großen Thorium-Vorkommen
nutzen. - Im Oktober 2004 begann Indien mit dem Bau eines 500
MW-Prototyp-Reaktors, der mit Uran-Plutonium-Oxid gefüllt ist und der über eine
Thorium-Ummantelung verfügt, in welchem Uran-233 erbrütet wird. U-233 ist wie
U-235 als Kernbrennstoff geeignet. (THE
WORLDS NUCLEAR NEWS AGENCY
Ein besonders interessantes Reaktor-Konzept ist in den USA in
Entwicklung.
Unter der Federführung des Energieministeriums wurde damit begonnen, speziell
für den dezentralen Einsatz in der Dritten Welt kleine transportable und
wartungsfreie, versiegelte Kernreaktoren zu entwickeln. Die SSTAR genannten
Minikraftwerke („small, sealed, transportable, autonomous reactor")
funktionieren nach dem Prinzip des Schnellen Brüters. Sie werden betriebsbereit
per Schiff und LKW geliefert, produzieren Strom, ohne dass irgendwelche
Eingriffe erforderlich sind, und werden schließlich nach 30 Jahren Betriebszeit
wieder abgeholt. Per Satellit wird überwacht, dass die Versiegelung nicht
geöffnet wird. Bis 2015 soll der erste Prototyp fertiggestellt sein.
Ein Wort noch zur Frage der möglichen Zukunftstechnik Kernfusion, also
Verschmelzung von Wasserstoffkernen (Deuterium) zu Helium. Dies ist der
Prozess, mit dem die Sonne ihre Energie erzeugt. Ob es je gelingen wird, die
technischen Schwierigkeiten zu überwinden, die noch ungelöst sind, darüber wage
ich keine Voraussage. Seit meiner Studentenzeit vor 50 Jahren und noch bis heute
wird gesagt, bis zur kommerziellen Nutzung der Kernfusion werde es noch 50 Jahre
dauern. Anders ausgedrückt: In absehbarer Zeit, also in 40 oder weniger Jahren,
werden die technischen Probleme nicht gelöst sein. Aber der Versuch, sie
zu lösen, ist jede Anstrengung wert – als Ziel winkt eine dauerhafte Lösung der
Energieprobleme für die ganze Menschheit. Der „Brennstoff“ Deuterium steht in
den Weltmeeren in praktisch unbegrenzter Menge zur Verfügung.
Ich denke, diese kleine Übersicht über laufende Entwicklungen – leider alle
außerhalb Deutschlands, aus dem für viele von ihnen die ersten Impulse
ausgingen – zeigt, wie aktiv in anderen Ländern weltweit an der
Weiterentwicklung der Kernenergie gearbeitet wird. Hans Olaf Henkel, ehemals
Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie, hat das in seinem Buch
„Die Kraft des Neubeginns“ so kommentiert:
„Was seit Jahrzehnten mit der deutschen Energieversorgung angestellt wird,
kann ich tatsächlich nur als ein schlimmes Spiel bezeichnen. Daß wir
weltweit führend in der Reaktortechnologie waren und unsere
Atomkraftwerke die sichersten der Welt sind, dürfte auch den Deutschen
bekannt sein. Daß wir fast die einzigen sind, die diese umweltfreundlichen
Energiequellen abschaffen, weiß auch jeder. Daß sogar unser bewundertes
Partnerland Frankreich vermehrt auf Kernenergie setzt, scheint uns kalt zu
lassen. Wir sind nun einmal die Fortschrittlichsten, wenn es um
technologische Selbstdemontage geht“.
Diese pessimistische Feststellung soll aber nicht am Ende meines Vortrages
stehen.
Ich denke, ich konnte zeigen, dass die wesentlichen Argumente gegen die
Kernenergie in Deutschland nicht aufrecht zu erhalten sind. Es wird wohl nur
noch kurze Zeit dauern, bis auch in Deutschland die vernünftigen Argumente
zugunsten der Kernenergie wieder mehrheitsfähig sein werden.
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