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Sinn und Unsinn der Gesetze, Normen und Vorschriften

Zunächst ist festzustellen, dass diese Normen den Stand der Technik widerspiegeln (d.h. das was technisch möglich ist) und dass sie zur Vertragsgrundlage erklärt werden können. Also müssen sie nicht Vertragsgrundlage sein. Wenn, dann muss das vereinbart werden, denn die DIN haben keinen Gesetzescharakter.

Verstößt man dann also gegen die Regeln der Technik, wenn man die DIN nicht beachtet? Nein, denn die DIN müssen noch lange nicht zu den allgemein anerkannten Regeln der Technik gehören. Das kann, muss aber nicht sein. Das heißt, man kann durchaus richtig bauen, auch wenn man auf die DIN pfeift.

Merke: Regeln der Technik = allgemein anerkannte Regeln der Technik = das, was sich über lange Zeiträume bewährt hat, was deshalb auch nicht mehr geändert werden muss dazu gehören: die Regeln der traditionellen Baukunst, auch einige DIN (aber eben nicht alle!)

Stand der Technik = das technisch Machbare, modern aber noch nicht bewährt (wie auch, wenn keine Langzeiterfahrung vorliegen kann), was deshalb auch schon mal revidiert wird. Dazu gehören: die DIN, andere Normen, Verarbeitungs- und Anwendungsvorschriften der Hersteller, auch Zulassungen und Prüfzeugnisse (die aber auch mal zurückgezogen werden, wenn es denn so ist, dass die Sache nichts taugt).

Grundsätzlich ist es ja sinnvoll, technische Regeln in Form von DIN aufzustellen. Dadurch lässt sich vieles systematisieren und vereinheitlichen, man spricht sozusagen eine einheitliche Sprache. Die DIN sind ja keine Erfindung der 90er. Ihre Vorgänger gab es im Deutschen Reich (Stichwort: RAL), parallel gab es sie in der DDR als TGL (Technische Gütenormen und Lieferbedingungen).

Ursprünglich hatten sie einen quasi amtlichen Charakter, man konnte davon ausgehen, dass sie neben dem technisch Bewährten auch das technisch Sinnvolle vorgaben. Deshalb auch waren viele TGL inhaltlich besser als ihre westdeutschen "Kollegen". Leider wurden sie nach der Wende einfach weggebürstet, wie so vieles Bewährte und Sinnvolle (nicht nur auf die DDR bezogen).

Beispiel: es gab eine Mauerwerksvorschrift (TGL), die für die Giebelseiten eines Gebäudes eine um eine Steinstärke (NF, 115 mm + Fuge) stärkere Außenwand vorschrieb. Als Überlegung steckte dahinter, dass der Raum an der Hausecke eine Außenwand mehr hat als der innerhalb der Gebäudelängsseite. Heutzutage gibt man halt k-Werte (mittlerweile u-Werte) vor, die mittels Dämmung zu erreichen sind. Die Wände dürfen dann so dünn sein, wie es die Statik eben hergibt - Speichermasse interessiert nicht mehr.

Wie man es aus dem täglichen Leben kennt, gab es die Regulierungswut in Deutschland bereits vor Einsetzen des Eurokrampfes. Das führte letztendlich zu einem Dickicht, das für den Normalbürger undurchschaubar und großenteils unverständlich geworden ist.

Beispiel: nennen Sie nur einen vernünftigen Grund dafür, dass es in Deutschland 16 Landesbauordnungen gibt (die Antwort: um Beamtenarbeitsplätze zu sichern, lasse ich aber nicht gelten). Anhand solcher profaner Tatsachen wird das ganze Eurolandgetöse zur Farce.

Das Maß des Fortschritts: die 10 Gebote zählen 279 Wörter, die Unabhängigkeitserklärung der 13 nordamerikanischen Staaten 1776 zählt 300 Wörter, die EG-Verordnung über den Import von Karamel-Bonbons 1981 zählt 25.911 Wörter. Entschuldigung, kommen wir zum Bauwesen zurück:

Zur EnEV gehören Anlagen mit Berechnungsvorschriften: die DIN V 4108-6 mit 46 Seiten, der Entwurf zur DIN 4701-10 mit 30 Seiten und die DIN EN 832 mit 30 Seiten. Soviel zur Vermeidung der Überfrachtung mit technischen Regeln, wie in der Begründung zur EnEV gefordert.

Nun werden Sie sich fragen: wozu das Ganze? Da kann ich Ihnen wiederum nur empfehlen: fragen Sie doch so: wem nutzt das?

Schnell wird man bei der Beantwortung dieser Frage merken, dass handfeste Interessen dahinter stehen. So wie uns von einer korrupten, machtgeilen Politikerkaste vorgelebt wird, wie man selbst die Verfassung zum Knetball (= formbare Masse) parteipolitischer Interessen (= Pfründe sichern, daran hat sich seit dem Mittelalter nichts geändert) degradiert wird - so ähnlich läuft es mit den technischen Regelwerken.

Betrachten wir noch mal den theoretischen Anspruch: unabhängig erstellt, allgemeingültig gehalten, verständlich verfasst und wissenschaftlich begründet sollten sie sein. Dabei ist "wissenschaftlich" ein weit gefasster Begriff: außer Physik gibt es da noch Wirtschaft, Gesundheit, soziale Belange usw.

Bleiben wir beim Beispiel DIN: wie werden die Normen "gemacht"? Und warum sind sie so unverschämt teuer? Teuer sind sie deshalb, weil man damit (so das DIN) die wirtschaftliche Situation sichert und somit Unabhängigkeit garantiert. Wenn es nur so wäre.

Theoretisch kann jeder mitmachen, wenn es um die Fortschreibung der Normen geht. Praktisch gibt es aber einige kleinere Hürden finanziellen Charakters. Der "Eintrittspreis" für den Club der Normierer ist dermaßen hoch, dass ihn sich nur Industrie gesponserte Experten leisten können. Wer nun denkt, dass jeder dieser gesponserten Experten die Interessen seines Sponsors vertritt - liegt genau richtig.

Natürlich geht es auch hier demokratisch zu: je mehr Leute ich ins Rennen schicke, umso mehr gewinnen meine Interessen an Einfluss. Im Ergebnis dessen spiegeln die DIN dann wieder, was die einflussreichsten Kräfte erwirkt haben.

Das hab ich mir nur ausgedacht? Nein, der Lobbyismus funktioniert beim DIN genauso wie auf den Fluren des Bundestages und der Landtage. Es geht um Gesetze, Verordnungen und Vorschriften. Nehmen wir einige Beispiele.

Mittlerweile gehören auch die so genannten "alternativen" Abdichtungen zu den Regeln der Technik. Gemeint sind nichtbituminöse Abdichtungen. Sie sind nicht in der DIN 18195 geregelt, deshalb alternativ. Dazu gehören Spachtel- und Streichisolierungen, die sich nach vielen Jahren ja wohl bewährt haben. Warum gibt es dafür noch keine DIN, obwohl seit Jahren darüber geredet wird? [Aktualitätshinweis: das ist nicht mehr aktuell]

Aus angeblich materialökonomischen Erwägungen werden so nach und nach die tragenden Außenwände immer dünner, dank der fortgeschriebenen Berechnungsvorschriften. Nun ist natürlich nicht mehr viel mit Wärmeschutz. Also fängt man an zu dämmen - und zwar nach Vorschrift: die Wärmeschutzverordnung wurde gemacht.

Nach ein paar Jahren merkt man, dass Deutschland das Weltklima retten muss. Das geschieht darin, dass noch mehr gedämmt wird. Getreu dem Motto: je mehr Dämmung ich auf die Wand klebe, desto weniger Heizmittel wird verballert, desto weniger CO2-Ausstoss in Deutschland, desto geretteter die Erde - die Energieeinsparverordnung wurde gemacht.

Mehr Charme wird dadurch vermittelt, indem man den Begriff Primärenergie hineinbringt und die gebäudetechnischen Komponenten mit betrachtet (Heizung, Lüftung). Je mehr man dämmt und je dichter man das Gebäude herstellt, um so höher sind die Aufwendungen für technische Maßnahmen, dies zu kompensieren.

Wer hat zuerst etwas davon? Diejenigen, die Dämmstoffe herstellen und verkaufen und diejenigen, die Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung herstellen und verkaufen usw. Wenn aber schon von Primär- und Endenergie die Rede ist, warum ist man dann nicht so konsequent und rechnet den energetischen Aufwand für die Herstellung der Dämmstoffe und der modernen Lüftungsanlagen hinzu?

Ich nehme an, weil da alles so schön ökologisch läuft, dass man es außer Betracht lassen kann. Der Umwelt zuliebe erhitzt man (vermutlich höchst energiesparend, weil ja der Schmelzpunkt gleich hinter dem von Wachs liegt) mineralisches Material, um es zu Dämmstoffen zu verspinnen. Auch eine Lüftungsanlage wird nicht aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt und ihr Recycling dürfte wie bei Kunststoffen laufen: technisch möglich, aber wirtschaftlich uninteressant.

Stosslüftung wird propagiert, doch wer Schimmel in der Wohnung hat, lüftet eben nicht richtig. Das lässt sich auch wissenschaftlich begründen (das Gegenteil ebenfalls). Das, was über hunderte von Jahren gut funktioniert hat (z.B. Fenster auf = frische Luft), wird im modernen Zeitalter umgemodelt.

Umgemodelt bedeutet zugleich: wissenschaftlich verbrämt. Leider kommen dabei immer wieder die Stimmen der Vernunft unter die Räder. Beispiel: vor Jahren haben Wissenschaftler festgestellt, dass das Ozonloch größer wird, wenn deutsche Hausfrauen zuviel Spray verwenden. Um die Menschheit zu retten, wurde per Erlass FCKW verbannt.

Die Industrie brüstete sich mit Selbstbeschränkung und Öko-Bekenntnissen. Dann haben Wissenschaftler (ich weiß nicht, ob es dieselben waren) festgestellt, dass das Ozonloch mal groß wird und mal wieder kleiner wird - egal, was bei Lieschen Müller aus der Sprayflasche entfleucht. Heute redet kein Mensch mehr vom Ozonloch.

Umweltschutz ist gut und richtig, aber die Begeisterung ebbt ab, wenn es zum Affentheater wird. Stellen sie sich bloß mal vor, welchen Repressalien Sie ausgesetzt sind, wenn der Schutzmann feststellt, dass ein Tropfen Öl von Ihrem Auto eine Umweltkatastrophe zu verursachen scheint.

Aber müsste man dann nicht konsequenter- und reihenweise Schiffskapitäne, Reeder und Umweltbehörden respektive nachplappernder Journalisten steinigen angesichts tausender Tonnen Säuren und anderer Chemikalien, die in den Rhein gelangen, die bei Bayer regelmäßig in die Luft gelangen? Bloß gut, dass "zu keinem Zeitpunkt eine Gefahr für die Bevölkerung bestanden" hat.

Merke: qout licet jovi non licet bovi. Was den Göttern erlaubt ist, darf der Ochs noch lange nicht.

Da werden Fensterfugen fast bis zum Hermetischen reduziert, um nach Jahren Lüftungsschlitze zu entwickeln. Merke: Zuluft über den geregelten Lüftungsschlitz eines Fensters ist etwas anderes als Zuluft über die Fugen eines Kastenfensters.

Da wird Dämmung noch und nöcher angebracht - ohne dass mal gesicherte Daten ermittelt werden, ob denn nun wirklich Heizkosten gespart werden. Die Modernisierungsankündigung (vom Gesetzgeber vorgeschrieben, weil in Deutschland der Verbraucherschutz groß geschrieben wird) rechnet die Energieeinsparung bis zur 2. Kommastelle vor.

Wegen Formfehlern kann vom Mieter die Zustimmung verweigert werden, gegen ausbleibende tatsächliche Einsparungen besteht keine Handhabe, aber die 11% Umlage wird gelöhnt, solange man da wohnt.

Da wird durch die teure Dämmung der solare Wärmegewinn unterbunden. Das kompensiert man dann mittels noch teurerer Wärmedämmung, die nun wiederum das Licht durchlässt, um Wärme zu gewinnen. Merke: die Negation der Negation bedeutet Bejahung. Aber geht das nicht auch preisgünstiger?

Dieses Thema kann man sicherlich noch bis zur Erschöpfung ausdehnen, denn es gibt noch zahlreiche andere Beispiele. Zum Beispiel die Öko-Steuer. "Öko" kommt hier von Steuer- ÖKO- nomie. Alles klar?

Dipl.-Ing. M. Bumann
Januar 2002

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Über den Sinn und Unsinn von Normen II

... denn wer weiß, wie die DIN Normen entwickelt werden (Eintrittsgeld sichert Interessen - wessen Interessen?), weiß ihren wahren Gehalt zu schätzen. Immerhin, zur Dokumentation des technischen Fortschrittes, zumindest der technischen Entwicklung, dienen sie allemal. Leider geht der "technische  Fortschritt" hin und wieder auch mal in die falsche Richtung.

Das DIN ist privatwirtschaftlich organisiert. Primär besteht das Ziel darin, bei der so genannten Fortschreibung von Normen handfeste Interessen von Industrieverbänden durchzusetzen. Damit das nicht so auffällt, wird das Ganze pseudowissenschaftlich verbrämt. Entsprechend illuster sind die Normenausschüsse besetzt.

Theoretisch steht jedem die Mitarbeit offen, in der Praxis scheitert das aber an den hohen "Eintrittsgeldern" in Höhe von mehreren Tausendern, dazu kommen die Kosten für Reise und Büro usw. Wird man als "namhafte" Größe (z.B. ein Prof., obwohl das nicht unbedingt für Güte garantiert) entsandt, steht ein Sponsor dahinter, der alle Auslagen trägt.

Im Ergebnis kommen mitunter völlig irrationale Ansätze als Norm heraus. Kein Wunder, dass ständige Korrekturen und Änderungen kommen. Das freut zumindest den Beuth-Verlag. Das Umsatzziel bestimmt daher auch diese unglaubliche Rotation im dt. Normenwerk.

Das Prinzip ist ganz simpel: wer die meisten Vertreter in den Normenausschuss schickt, bzw. wer die meisten Stimmen für sich gewinnen kann, der biegt die neue Norm für sich hin. Da nun die Normen von "hochkarätigen" "Fachkräften" und "Experten" gemacht werden,  sieht man staatlicherseits keinerlei Grund, irgendetwas anzuzweifeln - man versteckt sich hinter angenommenem Sachverstand anderer.

So funktioniert das ja auch mit Gutachten, egal ob vor Gericht oder im Auftrage staatlicher Stellen (das Gutachter- und Beraterunwesen ist bekanntlich eine millionenschwere ABM-Maßnahme). Mit genug wissenschaftlichem Hokuspokus kann man den größten Unfug zur Regel der Technik erklären lassen, indem die Norm in die Liste der Baubestimmungen aufgenommen wird (von Land zu Land "verschieden" wie die Landesbauordnungen).

Außenseiter bootet man durch finanzielle Hürden aus, offensichtliche Fehler werden trotz Hinweisen ignoriert (die Korrektur soll ja auch wieder Geld bringen), Einsprüche werden ignoriert oder unbegründet zurückgewiesen.

M. Bumann
09.08.2004

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